Hilfe hat ein Gesicht

Einmal den bedrückenden Verhältnissen der Trierer Aufnahmestelle entfliehen. Ein paar Stunden Spaß statt Zukunftsangst. Das wollte die Triererin Jutta Albrecht drei syrischen Familien bieten, als sie für sie einen Besuch beim Trierer Weinfest organisierte.

Würde den Flüchtlingen die Volksmusik gefallen? Der viele Alkohol? Das Brimborium um die Krönung der Weinkönigin? "Da ist man schon unsicher", sagt Albrecht.

Besonders eine der jungen Frauen habe anfangs sehr verschlossen gewirkt. "Aber dann blühte sie richtig auf. Und am Schluss hat sie mir gesagt, es sei das erste Mal seit sechs Jahren, dass sie richtig gelacht habe", sagt Albrecht. Die CDU-Stadträtin und Hänsin Dampf in allen Gassen nutzt ihr Netzwerk. "Die Stadt Trier tut alles, um den Flüchtlingen schnell zu helfen - aber für so viele Familien alle Weichen für eine gute Integration zu stellen, damit ist die Verwaltung derzeit noch überfordert", sagt Albrecht.

Für die Familie Sharif stöbert sie daher eine leerstehende Wohnung auf. Schulen und Kindergärten telefoniert sie so lange nach, bis sie Plätze für alle drei Kinder gefunden hat: für die zehnjährige Tochter Lourin am Angela-Merici-Gymnasium, den achtjährigen Lawand an der Matthias-Grundschule, und für den dreijährigen Baran an einem privaten Kindergarten. Der Transport gebrauchter Möbel vom AWO-Möbellager muss organisiert werden, der kaputte Herd repariert, die verstopften Abflüsse gereinigt. "Die Sharifs sind sehr selbstständig, aber es gibt Tausend Kleinigkeiten, bei denen man in einem fremden Land erstmal aufgeschmissen ist", sagt Albrecht.

Nächstes Ziel: Der Vater, studierter Bauzeichner, sucht eine Stelle. "Ab dem 21. Oktober darf er arbeiten - wir sind gemeinsam auf der Suche." Nicht nur die Syrer profitieren von der Freundschaft, die sich entwickelt hat. "Die Begegnung und das Gefühl, helfen zu können, haben mein Leben bereichert", sagt sie.

Wer in Trier helfen will, kann sich an Ruth Strauß, Ehrenamtskoordinatorin der Stadt, wenden. E-Mail: ruth.strauss@trier.de