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Hilfe, ich arbeite im Homeoffice! - Ein Trierer Experte gibt wertvolle Tipps, wie das geht

Kostenpflichtiger Inhalt: Arbeiten in Corona-Zeiten : Hilfe, ich arbeite im Homeoffice! - Ein Trierer Experte gibt wertvolle Tipps, wie das geht

Ist es okay, im Pyjama zu konferieren? Ein Trierer Professor beantwortet Fragen zu Vorteilen und Fallstricken des Homeoffices.

Die Corona-Pandemie führt dazu, dass Menschen derzeit sehr viele neue Erfahrungen sammeln. Zum Beispiel, weil sie zum ersten Mal in ihrem Leben im Homeoffice arbeiten. Unter ihnen ist auch unsere Autorin Katharina de Mos. Mit Conny H. Antoni – Professor für Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie an der Universität Trier, der bundesweit derzeit viele Fragen rund ums Homeoffice beantwortet – hat sie darüber gesprochen, wie sich der Spagat zwischen privatem Umfeld und beruflichen Herausforderungen möglichst gut meistern lässt.

Herr Prof. Antoni, wie sieht ein gutes Homeoffice aus?

Antoni: Ein gutes Homeoffice verfügt über einen eigenen, ergonomisch gestalteten Arbeitsplatz im möglichst abgeschlossenen Zimmer. Unerlässlich ist auch eine zuverlässige und sichere Internetverbindung, ein PC oder Laptop mit aller nötigen Software, mit Bildschirm, Drucker und bei Bedarf auch Scanner. Zudem brauchen Mitarbeiter Zugriff auf alle notwendigen Infos und Daten. Auch eine Kontaktmöglichkeit mit den Kollegen muss gegeben sein.

Psychologie-Professor Conny Antoni. Foto: Conny Antoni

Wo arbeitet man effektiver: Zu Hause oder im Büro?

Antoni: Das ist pauschal nicht zu beantworten. Es hängt davon ab, wo man ungestörter arbeiten kann und wo man alles hat, was man braucht. Wer in seiner Wohnung ein ruhiges, gut eingerichtetes Büro hat, arbeitet womöglich produktiver als im Betrieb, wo immer mal wieder Kollegen vorbeischauen und einen aus der Arbeit reißen. Wer zuhause keine Ruhe findet, könnte hingegen weniger produktiv sein. Für komplexe Absprachen ist man am besten mit den Kollegen vor Ort.

Gerade sind überall die Kinder zu Hause. Haben Sie Tipps, wie man die Arbeit dennoch gut erledigt bekommt?

Antoni: Da hilft nur, mit den Kindern und dem Partner Absprachen zu treffen, die ungestörte Arbeitszeiten ermöglichen.

Welche Vorteile hat Homeoffice für die Mitarbeiter?

Antoni: Es spart Pendelzeiten und ermöglicht gegebenenfalls ein ungestörteres Arbeiten. Auch sind im Homeoffice flexible Arbeitszeiten leichter umsetzbar. Privates – wie die Kinderbetreuung – und die Arbeit lassen sich so besser vereinbaren.

Und was sind die Nachteile?

Antoni: Arbeit und Privates gehen oft grenzenlos ineinander über. Man ist ständig im Arbeitsmodus und kann nicht mehr so gut abschalten und sich erholen, insbesondere wenn man noch Spätabends E-Mails bearbeitet oder versucht, offene Probleme zu lösen. Dadurch kann es auch leichter unbemerkt zu Mehrarbeit kommen. Auch soziale Isolation kann zum Problem werden. Zumindest findet kaum noch persönlicher Kontakt mit Kollegen statt. Dadurch gehen auch Anregungen und Ideen verloren.

Zudem ist meist nicht sichtbar, was man gerade macht. Misstrauen und Konflikte werden so wahrscheinlicher. Die Identifikation mit dem Team und der Firma sind daher eher gefährdet.

Wie wichtig ist es, gewohnte Strukturen beizubehalten?

Antoni: Wichtig ist, dass man seinen Tag klar strukturiert. Das können die gewohnten Strukturen und Zeitabläufe sein oder man passt sie an die neuen Gegebenheiten an. Aber für jeden selbst, genau wie für den Chef und Kollegen und auch für das private Umfeld muss klar sein, wann man arbeitet und wann nicht.

Aktuell hört man, dass Leute in Unterhose oder Pyjama an Konferenzen teilnehmen. Wäre das aus Ihrer Sicht okay?

Antoni: Bei Telefonkonferenzen macht das vermutlich nicht viel aus. Aber auch hier gilt: Arbeit und Freizeit sollte man trennen. Dabei hilft auch die Kleidung, nicht nur der Raum.

In die Kantine geht man meist ohne Telefon. Aber zu Hause klingelt es ständig, wenn das Essen gerade auf dem Tisch steht. Kann man sich mit gutem Gewissen mehr Ruhe für die Pausen verschaffen?

Antoni: Um so etwas zu vermeiden, helfen getrennte Telefone oder Telefonnummern. Zudem ist es sinnvoll, Arbeitszeiten zu vereinbaren. Auch eine Software die es einem ermöglicht den anderen im Team zu signalisieren, ob man erreichbar ist oder für eine bestimmte Zeit ungestört arbeiten möchte, ob man gerade Pause macht oder im Feierabend ist, könnte helfen.

Aber würde das nicht zu einem Gefühl der Überwachung führen?

Antoni: Damit kein Gefühl der Überwachung entsteht, ist es wichtig, gemeinsam im Team Regeln zu vereinbaren. Dazu gehören auch Fragen der Erreichbarkeit. Es versteht sich ferner, dass die Regeln des Datenschutzes eingehalten werden müssen und keine Online-Überwachung der Arbeit per Software stattfindet.

Welche Absprachen sollten Arbeitnehmer und Arbeitgeber unbedingt treffen?

Antoni: Absprachen über Arbeits- und Erreichbarkeitszeiten sowie die Pausen. Der Arbeitgeber sollte auch Schulungen und Onlinehilfen anbieten, wie Homeoffice gelingen kann.

Welche Art der Kommunikation empfehlen Sie mit Chefs und Kollegen?

Antoni: Für die formelle Kommunikation empfehle ich, kurze tägliche Meetings, bei denen man klärt: Was ist gestern gelaufen, was steht heute an. Analog bieten sich wöchentliche Konferenzen an. Auch sollte es weiterhin Zweier-Gespräche zwischen Führung und Teammitgliedern geben – für den persönlichen Kontakt und einen Austausch darüber: Was läuft gut, wo braucht es Unterstützung.

Aber auch die informelle Kommunikation mit den Kollegen sollte man nicht ganz einstellen: Ein virtueller Kaffeetermin für den sozialen Austausch ist auch wichtig. All diese Kommunikation hilft auch gegen ein mögliches Gefühl der Isolierung.

Gerade merken ja viele zum ersten Mal: Homeoffice funktioniert reibungslos. Werden wir auch nach der Krise viel öfter an unseren eigenen Schreibtischen sitzen und all die Lebenszeit und Fahrkilometer sparen?

Antoni: Das Thema ist ja auch aus ökologischer Sicht schon länger im Gespräch. Ja es könnte einen Schub geben, wenn die Chancen jetzt genutzt werden. Aber wichtig wird sein, die richtige Mischung von Homeoffice und Arbeitsplatz zu finden. Das, was für die Firma, die Mitarbeiter, Kunden oder Lieferanten am besten passt.