Hilfenetz mit vielen Lücken

Hilfenetz mit vielen Lücken

MAINZ. Wohnungslosigkeit hat sich bundesweit in den letzten Jahren zum Armutsproblem entwickelt, doch vor allem in ländlichen Regionen gibt es große Versorgungslücken und kaum ambulante Hilfen, kritisieren die Wohlfahrtsverbände.

Längst ist Wohnungslosigkeit nach den Erfahrungen von Diakonie oder Innerer Mission keine saisonale Angelegenheit mehr, sondern ein strukturelles Armutsproblem, das mit einem flächendeckenden Angebot an Beratung und Hilfe angegangen werden muss. Allerdings zeigt eine von der Liga der Wohlfahrtsverbände vorgelegte Landkarte zur Versorgungsstruktur der Wohnungslosenhilfe für Rheinland-Pfalz große Lücken in den ländlichen Regionen. Vor allem Eifel und Westerwald, aber auch weite Teile der Pfalz sind laut Liga-Geschäftsführer Günther Salz völlig unterversorgt. Dabei ist es nach Angaben von Gordon Emrich (Diakonie Pfalz) gerade über ambulante Hilfe vor Ort notwendig, Betroffenen in ihrer Umgebung unter die Arme zu greifen und mit Beratung, Übernachtungsplätzen, Resozialisierungsangeboten oder Tagesaufenthalten Unterstützung zu leisten. Nur in 16 von 36 Landkreisen und kreisfreien Städten gibt es allerdings Hilfsangebote, vor allem in den großen Städten Trier, Koblenz, Mainz, Kaiserslautern und Ludwigshafen sowie entlang der Rheinschiene. 17 offizielle Übernachtungsstellen halten insgesamt 277 Betten vor, wie eine interne Umfrage der Wohlfahrtsverbände ergab. Nach einer Stichtagserhebung im April dieses Jahres wurden dagegen fast 1500 Menschen in Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe vorstellig. Die Dunkelziffer wird noch einmal auf 30 bis 50 Prozent geschätzt. Die Erhebung zeigte, dass die Klientel immer jünger wird. Inzwischen ist jeder vierte weniger als 30 Jahre alt. Auch der Anteil der Frauen hat sich auf fast 20 Prozent innerhalb weniger Jahre verdoppelt. Während "der klassische Tippelbruder" immer seltener wird, nimmt nach den Erfahrungen von Frieder Zimmermann (Kreuznacher Diakonie) neben den wirtschaftlich Gestrandeten auch die Zahl der Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen unter den Wohnungslosen zu. Um so enttäuschter sind die Wohlfahrtsverbände von Städten und Kreisen, die bislang eine Vereinbarung zur verstärkten Kooperation nicht mittragen wollen. Der Landkreistag wehrt sich gegen die Kritik. Es gebe ein flächendeckendes Hilfsangebot sowie Unterkünfte und Eingliederungshilfen dort, wo sie gebraucht würden, sagt Landkreistags-Geschäftsführer Burkhard Müller. Trotz weißer Flecken auf der Landkarte gibt es nach seinen Worten ein effizientes Hilfssystem.

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