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Hintergrund: Das Leiden der Lämmer

Hintergrund: Das Leiden der Lämmer

Viele Tiere sind bereits nachweislich am Schmallenberg-Virus erkrankt. Da sich diese neue Krankheit erst durch Missgeburten bemerkbar macht, rechnen Experten damit, dass die Zahl der Verdachtsfälle in den kommenden Monaten stark ansteigen wird. Wo der Virus herkommt, weiß niemand. Einen Impfstoff gibt es noch nicht.

Trier. Die Lammzeit hat begonnen. Doch dieses Jahr ist sie für viele Schäfer keine Zeit der Freude. Denn statt putziger Wollknäuel, die schon wenige Stunden nach ihrer Geburt fröhlich über die Weide toben, bringen viele Mutterschafe tote oder missgebildete Lämmer zur Welt: Ihre Hälse sind verdreht, die Beine steif, das Gehirn nicht richtig ausgebildet. Sie sind nicht überlebensfähig.
Ursache dieser Missbildungen ist ein neues Virus, welches das Friedrich-Loeffler-Institut (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit) erst im vergangenen November entdeckt hat. Inzwischen wurde es deutschlandweit bereits in 147 Betrieben nachgewiesen. Darunter einige in Rheinland-Pfalz. Und das Landesuntersuchungsamt ist sich sicher: "Das ist erst der Anfang."
Neben Schafen sind auch Ziegen und Rinder erkrankt. Da das Virus erstmals bei Rindern in der sauerländischen Stadt Schmallenberg nachgewiesen wurde, trägt es (sehr zum Missfallen dieser Stadt) nun den Namen Schmallenberg-Virus. Nach Angaben des Forschungsinstituts sind ähnliche Viren bisher aus Afrika, Asien und Australien bekannt.
Wie das Virus nach Europa gelangte, ist ungewiss. Sicher scheint hingegen, dass er von kleinen Stechmücken übertragen wird. Die Infektion der betroffenen Tiere muss also bereits im Spätsommer oder Herbst erfolgt sein. Dass sich erst jetzt die Verdachtsfälle häufen, liegt daran, dass die Krankheit bei Schafen und Ziegen weitgehend symptomfrei verläuft. Rinder zeigen zwar leichte Symptome wie Fieber, Durchfall oder eine verringerte Milchleistung. Doch richtig bemerkbar macht sich die weitgehend unerforschte Krankheit erst dann, wenn die betroffenen Tiere ihre Jungen zur Welt bringen. Derzeit landen auf den Seziertischen der Untersuchungsämter hauptsächlich missgebildete Lämmer. Doch es ist zu befürchten, dass im Laufe des Frühjahrs auch Ziegen und Kälbchen hinzukommen.
Tiere vor Stechmücken schützen



Einen Impfstoff gegen diese für den Menschen ungefährliche Krankheit gibt es derzeit nicht. Ihn zu entwickeln wird nach Auskunft des Forschungsinstituts Monate dauern. Das Einzige, was man tun könne, sei daher, die Tiere vor Mücken zu schützen.
Allerdings haben die Wissenschaftler die Hoffnung, dass einmal infizierte Tiere einen Immunschutz entwickeln, der die Missbildung des künftigen Nachwuchses verhindert. Ob auch andere Tiere angesteckt werden können, ist derzeit nicht abzuschätzen - ebenso wie die Größe des finanziellen Schadens, den die mysteriöse Krankheit verursachen könnte.Extra

In der Region Trier werden sehr viele Schafe, Ziegen und Rinder gehalten. Laut Statistischem Landesamt gab es 2010 im Eifelkreis Bitburg-Prüm 1110 Rinderzüchter (102 475 Rinder), 100 Schafzüchter (6511 Schafe) und 29 Ziegenzüchter. Vulkaneifelkreis: 404 Rinderzüchter (31 264 Rinder), 77 Schafzüchter (7458 Schafe), 31 Ziegenzüchter. Kreis Trier-Saarburg: 316 Rinderzüchter (14 990 Rinder), Schafe: keine Angaben, 32 Ziegenzüchter. Kreis Bernkastel-Wittlich: 337 Rinderzüchter (24 206 Rinder), 68 Schafzüchter (6440 Schafe), zehn Ziegenzüchter.kah