HINTERGRUND

Schwerarbeiter dürfen früher gehen In Sachen Renten blickt derzeit die Berliner Politik gerne Richtung Österreich. Den so genannten Malocher-Bonus, den die SPD für mehr Gerechtigkeit bei der Rente mit 67 in Deutschland einführen will, gilt in der Alpenrepublik ab 2007. Der Bonus wird dort Hacklerregelung genannt.

Zusammen mit den Gewerkschaften haben sich Arbeitgeber und Regierung in Österreich darauf verständigt, für bestimmte Berufsgruppen mit besonders erschwerten Arbeitsbedingungen einen früheren Renteneintritt zu ermöglichen. Frauen, die nach dem 1. Juli 1955 und Männer, die nach 1. Juli 1950 geboren sind und mehr als die Hälfte ihrer Beitragsmonate, also 20 Jahre, körperlich oder physisch hart gearbeitet haben, haben Anspruch auf eine vorzeitige Rente mit 55 oder 60 Jahren - bei nur geringen Abzügen. Eine Übergangsregelung sieht vor, dass Personen, die 45 Jahre gearbeitet und in den letzten 20 Jahren vor Rentenantritt zehn Jahre Schwerarbeit geleistet haben, mit 60 in Pension gehen können. Ab 2020 reicht es, dass man - über das gesamte Erwerbsleben verteilt - 15 Jahre schwer gearbeitet hat, um früher in die begünstigte Rente gehen zu können. Doch welche Tätigkeiten unter diese Regelung fallen, darüber tobt seit Wochen ein heftiger Streit in Österreich. Arbeitet jemand, der nur unregelmäßig nachts ranmuss, härter als jemand, der ständig auf Nachtschicht muss oder als eine Betreuerin krebskranker Kinder? Derzeit wird überlegt, ob die Arbeitgeber die Tätigkeit ihrer Mitarbeiter einstufen und diese, entsprechend der Rentenversicherung, melden sollen. Auch die Tatsache, dass vorerst nur die letzten 20 Jahre Schwerarbeit ins Gewicht fallen sollen, sorgt für Diskussionen. Experten sehen dadurch eine ungleiche Behandlung der Rentner. Seit 2000 wird in Österreich über den Ersatz der Frühverrentung gesprochen. Eigentlich sollte die Hacklerregelung bereits in diesem Jahr kommen. Doch noch immer beraten Arbeitsgruppen über eine Ausgestaltung der Reform. Bernd Wientjes