1. Region
  2. Rheinland-Pfalz

Hirndoping an Hochschulen: Jeder fünfte Studierende nimmt Pillen zur Leistungssteigerung

Hirndoping an Hochschulen: Jeder fünfte Studierende nimmt Pillen zur Leistungssteigerung

Koffeintabletten, Ritalin, Amphetamine: Zu solchen Medikamenten greifen insbesondere Studienanfänger – angeblich, um die geistige Leistung zu steigern. Dies haben Forscher der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Mainz herausgefunden.

Heute beginnt für die Erstsemester an Triers Hochschulen ein neuer Lebensabschnitt; die Vorlesungen des Wintersemesters starten. Laut einer Mainzer Studie sind die Uni-Neulinge besonders gefährdet: Die jüngeren Studierenden griffen häufiger zu Medikamenten, um bessere Ergebnisse zu erzielen. In höheren Semestern gehe der Missbrauch von Pillen zurück.

Die Befragung von rund 2600 Studierenden ergibt, dass jeder fünfte Student seinen Geist mit Pillen puscht. Besonders häufig komme Hirndoping bei Sportstudenten, am seltensten bei Sprach- und Pädagogikstudenten vor. Einer der Forscher ist Andreas Franke von der Mainzer Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Ihm zufolge nehmen Studenten Substanzen wie Koffeintabletten, Ritalin und Amphetamine ein, um besser mit Leistungsdruck und Stress im Privatleben umzugehen. Welche Ursachen dahinter stecken und ob Studenten regelmäßig oder nur gelegentlich zu Medikamenten greifen, müsse tiefergehender erforscht werden.

Die Studie spiegelt wider, was die Mediziner Frank Soedradjat und Hansjörg Lucas in ihrer Praxis in Fell (Kreis Trier-Saarburg) erleben. "Zunehmend kommen Studenten zu uns, die dem Leistungsdruck nicht standhalten", sagt Lucas, auch Gesunde schluckten Medikamente. Die Ärzte warnen vor Folgeschäden.

"Uns liegen zum Hirndoping keine Zahlen vor", sagt Triers Uni-Präsident Michael Jäckel. Auch in der psychosozialen Beratung sei dies kein Thema, sagt Andreas Wagner, Geschäftsführer des Studierendenwerks Trier. Gerrit Fröhlich, Soziologe an der Uni Trier, glaubt, dass das Ergebnis der Studie eine Antwort auf den Trend sei, sich selbst permanent optimieren zu müssen. Medikamente stellten einen Versuch dar, auf einfache Weise das Maximale aus sich herauszuholen. Psychologin Anette Müller-Bungert vom Pädagogischen Landesinstitut in Trier rät, Methoden zur Stressbewältigung zu erlernen statt nach Pillen zu greifen.