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Hochfliegende Pläne für den Ring

Hochfliegende Pläne für den Ring

Die Insolvenzexperten Thomas B. Schmidt und Jens Lieser haben den Auftrag zur Rettung des Nürburgrings gerade erst übernommen. Trotzdem haben die beiden Juristen schon Pläne, wie dies gelingen könnte.

Nürburg/Trier. Anfang Dezember 2009 gingen der Mainzer Ministerpräsident Kurt Beck und sein damaliger Wirtschaftsminister Hendrik Hering (beide SPD) an die Öffentlichkeit und stellten ihr neues Zukunftskonzept für den finanziell aus dem Ruder gelaufenen Ring vor. Das Besondere daran: Künftig sollte strikt zwischen Besitz und Betrieb getrennt werden, die öffentliche Hand sollte mit dem operativen Geschäft nichts mehr zu tun haben. Gut zwei Jahre und eine aktuelle Insolvenz später heißt das Kommando "kehrt, schwenk, marsch". Ausgegeben haben es die beiden Rechtsanwälte Thomas B. Schmidt (Trier) und Jens Lieser (Koblenz), die seit einigen Tagen mit der Wiedergenesung des seit Jahren dahinsiechenden Patienten Nürburgring betraut sind. "Besitz und Betrieb müssen schnellstmöglich wieder in eine Hand, um ein Vermarktungskonzept aus einem Guss präsentieren zu können", lautete ihre erste Diagnose.
Heißt im Klartext: Schmidt und Lieser müssen sich zunächst mit der privaten Betreibergesellschaft Nürburgring Automotive GmbH (NAG) über eine Beendigung des Pachtvertrags und die anschließende Räumung verständigen. Das hatte zuvor auch das Land schon versucht, war aber mit seinen Plänen gescheitert - angeblich wegen zu hoher Abfindungsforderungen der Pächter Jörg Lindner und Kai Richter. Diese schließen nicht aus, bei der Ausschreibung der Rennstrecke eventuell mitzubieten.
Möglich, dass die Ausgangsposition der Nürburgring-Besitzgesellschaft nach dem Gang zum Insolvenzgericht eine bessere ist. Jedenfalls soll es schon in den nächsten Tagen ein Gespräch geben zwischen dem neuen Alleingeschäftsführer Schmidt und den gekündigten Betreibern. Kommt es zu einer Einigung, können die beiden Sanierungsexperten Schmidt und Lieser Verträge abschließen und auf die Suche nach Investoren gehen. Alle Beschäftigten sollen jedenfalls ihre Jobs behalten, heißt es. Eine weitere Zusicherung: "Es wird für den Ring nur eine Gesamtlösung geben, keine Rosinenpickerei."
Wie diese Gesamtlösung aussehen könnte, ist allerdings noch weitgehend offen. Schmidt will jedenfalls weltweit nach potenziellen Investoren Ausschau halten, sagt der 53-jährige Fachhochschulprofessor. Die werden umso eher interessiert sein, je weniger Altschulden der Nürburgring mit sich herumträgt.
Vor diesem Hintergrund eine Lösung zu finden, dürfte eine der Aufgaben sein, die die nach eigenen Angaben als Doppelspitze agierenden beiden Insolvenzfachleute jetzt angehen werden.
Das Land als bisheriger Mehrheitseigner dürfte in Zukunft beim Nürburgring allenfalls noch eine untergeordnete Rolle spielen. Ein Großteil des Geldes, das in den viel zu großen Freizeitpark investiert wurde, ist wohl futsch. Mit etwas Glück kommen noch ein paar Euro wieder rein. "Es ist ja noch möglich, dass das Land Geld aus der Vermarktung bekommt", sagt Ringgeschäftsführer Thomas B. Schmidt.Extra: Vier Fragen an...

... den Nürburgring-Sanierer Thomas B. Schmidt (53). Wie haben Sie von dem möglichen Auftrag zur Nürburgring-Sanierung erfahren? Schmidt: Ende vergangener Woche habe ich den Anruf eines der rechtlichen Berater des Landes bekommen, der mich fragte, ob ich mir die Übernahme dieser Aufgabe vorstellen könnte. Was reizt Sie an der Aufgabe? Schmidt: Der besondere Reiz dieses Verfahrens liegt in seiner überragenden Bedeutung für eine ganze Region und der Komplexität der zu bewältigenden Aufgaben. Dies unter Einbindungen aller Betroffenen zu einem für alle Seiten befriedigenden Ergebnis zu führen, ist eine wirklich außergewöhnliche Herausforderung, auf die ich mich sehr freue. Wovor haben Sie Bammel? Schmidt: Angst macht mir in diesem Verfahren nichts. Ich befürchte allerdings, dass die politischen Implikationen dazu führen werden, dass man auch mit sachfremden Angriffen zu rechnen hat. Aber damit werde ich umzugehen wissen. Wie optimistisch sind Sie, den schlingernden Nürburgring wieder auf Kurs zu bringen? Schmidt: Ich glaube fest an einen erfolgreichen Abschluss dieser Insolvenz, insbesondere wenn mit dem derzeitigen (gekündigten) Pächter des Rings eine zeitnahe und vernünftige Vereinbarung über die Rückgabe der Immobilien herbeigeführt wird. Die schon vor Einleitung der Insolvenz geführten Gespräche der Parteien geben Anlass zu der Hoffnung, dass dies gelingen kann. seyExtra

Die Nürburgring GmbH (NG) gehört zu 90 Prozent dem Land Rheinland-Pfalz und zu zehn Prozent dem Kreis Ahrweiler. Seit Mai 2010 ist die NG nur eine Besitzgesellschaft und Verpächterin der Formel-1-Rennstrecke und weiterer Einrichtungen wie Freizeitpark, Hotels und Geschäfte. Die NG beschäftigt 30 Mitarbeiter. sey