Kostenpflichtiger Inhalt: Archiv November 2019 : Nach fast zehn Jahren: Hochmoselübergang vor Eröffnung

Ab dem 21. November kann der Verkehr rollen. Blick zurück auf ein Bauprojekt der Extreme, das weiter für Diskussionen sorgt.

Nur noch wenige Tage, dann werden Menschen in schwindelerregender Höhe bei einem Bürgerfest auf den Hochmoselübergang anstoßen – auf eine neue Brücke zwischen Eifel und Mosel, auf eine neue Verbindung zwischen Rotterdam und dem Rhein-Main-Gebiet, die nach Jahrzehnten der Planung und Jahren des Bauens am 21. November für den Verkehr freigegeben wird. Nur noch rund eine Minute wird es dann dauern, von dem einem Mittelgebirge ins nächste zu fahren.

Während die Planer davon ausgehen, dass sich die Verkehrsströme grundlegend ändern und 2025 mehr als 25 000 Fahrzeuge über die neue B 50 rollen, zweifeln die Brückengegner weiter am Nutzen des Bauwerks, das aus ihrer Sicht die Landschaft verschandelt und viel zu viel Steuergeld verschlingt.

Fahrt über den Hochmoselübergang

483 Millionen Euro kosten die 25 Kilometer Bundesstraße, drei Kilometer Zubringerwege und 41 Bauwerke des Hochmoselübergangs den letzten Berechnungen zufolge. 426 Millionen Euro davon wurden laut Landesbetrieb Mobilität (LBM) schon ausgezahlt. Die endgültigen Kosten stünden erst fest, wenn mögliche Nachträge abgerechnet seien, teilt der LBM mit, der im Laufe der Jahre immer wieder einräumen musste, dass das einst mit 330 Millionen Euro veranschlagte Projekt teurer wird und sich verzögert. Ursprünglich sollten 2016 die ersten Autos rollen.

In jeder Hinsicht entpuppte sich der Hochmoselübergang als ein Vorhaben der Extreme. „Das gesamte Projekt stellte in jeder Phase eine Herausforderung dar“, resümiert das Mainzer Verkehrsministerium. Insbesondere wegen seines 1,7 Kilometer langen, 160 Meter hohen und extrem umstrittenen Herzstücks: der Hochmoselbrücke. Bereits Mitte der 60er Jahre begannen die Planungen. Lange wurde um die Linienführung gerungen. Immer wieder klagten Naturschutzverbände und Bürgerinitiativen. Nachdem dann 2007 die letzte Klage abgewiesen war, erfolgte 2009 der Spatenstich für die B 50neu. 2011 ermöglichte die rot-grüne Landesregierung dann die größte Brückenbaustelle Europas.

Noch nie zuvor hatten Ingenieure eine so riesige Brücke in einem Berg gegründet, der langsam abwärts kriecht. Die Frage nach der Standsicherheit des Eifelhangs sorgte denn auch für reichlich Schlagzeilen. Der ehemalige Chef-Geologe des Landes erhielt einen Maulkorb und wurde versetzt, nachdem er öffentlich auf die Risiken hingewiesen hatte, die der schwierige Baugrund mit sich bringt. Erst nachdem weitere Experten warnten, den Planern Leichtsinn und Regelverstöße vorwarfen und immer mehr Medien berichteten, wurde der Hang dann doch aufwendig gesichert: mit 40 Meter tiefen Riesendübeln.

Für die Bürgerinitiative bleibt die Brücke bitter. „Jetzt haben wir da ein Dinosauerierbauwerk aus dem letzten Jahrhundert stehen“, klagt Karl-Gustav Kwasny, Gründungsmitglied der seit mehr als 20 Jahren aktiven Initiative Pro Mosel. „Die Politik sollte sich schämen“, findet er, denn mit dem Geld hätte man aus seiner Sicht besseres machen können – zum Beispiel eine Magnetschwebebahn zwischen Luxemburg und Frankfurt bauen. Auch bei der Standsicherheit bleibt er skeptisch.

Im Anhang habe ich am späten Nachmittag von der Ürziger Höhe ein stimmungsvolles Panoramabild fotografiert. Ich musste bisserl in die Weinberge kraxeln um diesen Blick zu haben. Mit freundlichen Grüßen Daniela Schmitt. Foto: Daniela Schmitt

Die Industrie- und Handelskammer Trier hingegen geht davon aus, dass neben den Moselgemeinden, denen künftig viel Verkehr erspart bleibt, auch die regionale Wirtschaft profitiert.  „Schon die Fertigstellung des ersten Abschnitts der B 50neu hat wichtige Impulse für die Entwicklung der Region Trier gebracht und insbesondere im Raum Wittlich die Nachfrage nach Gewerbeflächen deutlich beflügelt“, sagt IHK-Verkehrs-Experte Wilfried Ebel.  

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die größte Brückenbaustelle Europas – eine  Bildergeschichte