Hoffnungsschimmer für den Hahn: Land dürfte Flughafen momentan mit Darlehen helfen

Hoffnungsschimmer für den Hahn: Land dürfte Flughafen momentan mit Darlehen helfen

Bleibt der Flughafen Hahn von der Insolvenz verschont? Bis Ende Oktober reicht das Geld noch. Dann könnte ein Landesdarlehen helfen. Jetzt würden die Ampeln dafür auf Grün stehen. Doch das könnte sich ändern - trotz eines neuen Fünfjahresvertrags mit der Ryanair.

Es gibt wichtige Fragen zu klären bei der Aufsichtsratssitzung der Flughafen-Gesellschaft. Und das dauert. Um 17.30 Uhr soll die Hahn-Führungsriege am Montag eigentlich in einer Pressekonferenz informieren, wie es am Hunsrück-Airport weitergeht. Doch erst um 18.27 Uhr betritt Aufsichtsratschef Salvatore Barbaro den Raum im elften Stock des Wissenschafsministeriums. Worüber er spricht, ist ein kleiner Hoffnungsschimmer für den Hahn. Barbaro sagt, die bestehende positive Fortführungsprognose für den Flughafen müsse momentan nicht revidiert werden.

Das große Aber

Das heißt: Das Land dürfte den Flughafen momentan mit einem Darlehen von 34 Millionen Euro unterstützen, das bereits in den Haushalt eingestellt ist. Bis Ende Oktober soll das Geld am Hahn noch reichen, sagt Barbaro. Danach könnte eine erste Teilzahlung bei der Gesellschaft eingehen, je nach Liquidität am Flughafen.

Bereits am Montag tagte in Mainz ein rot-gelb-grüner Koalitionsausschuss mit Ministern, Staatssekretären und Fraktionschefs. Dort soll es auch um das Darlehen gegangen sein. Die Rhein-Zeitung spekuliert, eine erste Zahlung an den Hahn könnte sich zwischen sieben und neun Millionen Euro bewegen.

Das Geld darf nur fließen, wenn die Geschäftsprognose günstig ist. Und da die Landesregierung den Flughafen derzeit verkauft, hängt ein solches Gutachten davon ab, ob die Bieter etwas taugen. Der in das Verkaufsverfahren eingebundene Wirtschaftsprüfer Martin Jonas habe der Flughafen-Gesellschaft mitgeteilt, nach einer am 6. September erhaltenen Beurteilung des Bieterverfahrens laufe dieses planmäßig, es gebe Interessenbekundungen. Dieses sei "ein gutes Zwischenergebnis und somit eine ausreichende Grundlage, um den Verkaufsprozess zu konkretisieren und weiterzuführen". Das große Aber, so warnt Barbaro: "Das heißt nicht, dass wir in acht Wochen zum gleichen Ergebnis kommen müssen."

Das bedeutet: Sollte kein Bieter für den Hahn in Frage kommen, gibt es auch kein Darlehen - und dann droht dem Flughafen die Insolvenz.

13 Interessenten bieten derzeit für den Hahn. Zu diesen zählen unter anderem das chinesisch-pfälzische Unternehmen ADC mit der Fluggesellschaft HNA im Rücken, aber auch der Trierer Projektentwickler Triwo, der den Hahn eher zu einem Gewerbepark umbauen könnte. Wirtschaftsberater prüfen derzeit die Angebote. Barbaro wagt den Verkauf nicht zu beurteilen. "Ich kenne weder Namen noch Konzept eines Bieters."

Das Leben am Flughafen geht derweil weiter. Den Vertrag mit dem Flugunternehmen Ryanair hat der Hahn um fünf Jahre verlängert. Er beginnt im April 2017 und läuft dann bis April 2022. Mögliche Bieter fühlen sich hinter den Kulissen hintergangen von dem Vertrag und bezeichnen ihn als "kritisch", weil ein Verlustgeschäft drohe. Flughafen-Geschäftsführer Markus Bunk hält dagegen, der Vertrag trage dazu bei, Gesamtkosten am Flughafen zu decken.

Er spricht von "einem guten Geschäft" - und wehrt sich gegen Vorwürfe, durch den neuen Vertrag mögliche Hahn-Bieter abzuschrecken. "So lange es keinen neuen Auftraggeber gibt, den die Gesellschaft mir präsentiert, ist es mein Job, den Flughafenbetrieb geordnet laufen zu lassen."

Beraterlohn: 214 Euro die Stunde

Der Verkauf des Hahn liegt beim Innenministerium, das mit Béla Anda einen neuen Kommunikationsberater für das Verfahren beschäftigt. Das Ministerium verrät nun, dass der Auftrag für Andas Beratungsfirma ABC bei rund 30.000 Euro liegt - und bei 140 vereinbarten Stunden. Das entspräche einem Stundensatz von gut 214 Euro für den Ex-Kanzlersprecher von Gerhard Schröder.

CDU-Fraktionschefin Julia Klöckner hatte es bereits vergangene Woche kritisiert, für den Hahn-Verkauf einen neuen Posten zu schaffen. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Alexander Schweitzer konterte die Kritik am Montag. "Frau Klöckner hat in ihrer Verantwortung mehr Pressesprecher geführt als der FC Bayern Spieler im Kader hat."
Meinung

Flughafen Hahn. Foto: Klaus Kimmling


Ganz schön teures Verfahren

Von Florian Schlecht

Dem Land sind keine Kosten entstanden. So sagt es die rheinland-pfälzische Ampelregierung, wenn sie für den verpatzten ersten Hahn-Verkauf an die SYT kritisiert wird. Tatsächlich sind an den dubiosen chinesischen Bieter keine Subventionen geflossen. Aber: Kosten sind dem Land mehr als genug entstanden. Durch Wirtschaftsberater wie die KPMG, die bislang mindestens 6,25 Millionen Euro erhalten hat und im zweiten Bieterverfahren erneut kräftig kassieren dürfte. Durch deren neuen Aufpasser aus Düsseldorf, einen Wirtschaftsberater, der nun alle wesentlichen Schritte prüfen soll. Gut 214 Euro pro Stunde verdient der neue Kommunikationsberater. Und auch ein mögliches Darlehen wären neue Ausgaben. Diese wären immerhin bei einem erfolgreichen Verkauf gut angelegt, weil sie eine Insolvenz verhindern würden. Und der Verkauf sollte nun unbedingt klappen. Denn der Weg bis jetzt war ziemlich teuer.
f.schlecht@volksfreund.de

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