Hohe Auflagen für Windräder im Wald

Hohe Auflagen für Windräder im Wald

Zwar herrscht im Land und in der Region Einigkeit über den Ausbau der Windenergie. Aber die dafür notwendige geänderte Regionalplanung ist noch nicht verabschiedet. Trotzdem werden die ersten Projekte bereits geplant.

Trier. Streng genommen dürften derzeit noch gar keine Windrad-Projekte in Wäldern genehmigt werden. Zwar hat die seit einem Jahr im Amt befindliche rot-grüne Landesregierung beschlossen, zwei Prozent des rheinland-pfälzischen Waldes für Windenergie freizugeben. Doch die Fortschreibung des Landesentwicklungsplans (LEP), in dem das Ziel festgeschrieben ist, befindet sich derzeit noch in der Beratung im Wirtschaftsministerium.
Zuständig für die konkrete Umsetzung des landesweiten Ziels, mehr Windräder zuzulassen, sind die regionalen Planungsgemeinschaften. Kurz nach dem Beschluss der Landesregierung hat im vergangenen Jahr die Planungsgemeinschaft Region Trier beschlossen, die Genehmigungungsauflagen für Windräder zu lockern und auch Waldflächen dafür zuzulassen. Allerdings muss dafür der seit 2004 geltende Regionalplan, in dem neben den Vorgaben für Windenergie auch die Siedlungsentwicklung und der Hochwasserschutz für die Region festgelegt sind, erst noch entsprechend geändert werden. Roland Wernig, Leitender Planer bei der Planungsgemeinschaft, geht davon aus, dass noch im Laufe des Jahres ein erster Entwurf des neuen Regionalplans vorliegt. Nach der Anhörung der zuständigen Gremien (Kommunen und Wirtschaftsvertreter) muss der Plan vom Land genehmigt werden. Wernig geht davon aus, dass der neue Regionalplan nicht vor Ende 2013 in Kraft treten wird.
Trotzdem hat das Rennen um die besten Windrad-Standorte in Wäldern längst begonnen. Die ersten Projekte werden bereits geplant. So etwa in der Gemeinde Beuren (Trier-Saarburg). Dort wollen die Trierer Stadtwerke zusammen mit dem Trierer Projektentwickler Uwe Seher im Jahr 2014 auf 75 Hektar Fläche sieben Windräder entlang der Autobahn 1 aufstellen. Und das, obwohl das Gebiet eigentlich in einem Naturpark liegt. Doch durch die Lockerung der planungsrechtlichen Vorgaben für die Nutzung von Windkraft sind solche Flächen nicht mehr unbedingt tabu. Eine Forderung, die Windradbauer schon seit längerem erheben: Naturschutzgebiete und Naturparks dürften nicht generell für die Windenergie ausgeschlossen werden.
"Durch die technische Entwicklung konnte die Waldverträglichkeit von Windkraftanlagen in den vergangenen Jahren deutlich gesteigert werden", sagt die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken. Nach Angaben des Bundesverbandes Windenergie sollten sich die Rotoren der Anlagen mehr als 60 Meter über den Baumkronen drehen können, um möglichst viel Energie produzieren zu können.
Für Windrad-Standorte im Wald bestehen laut Seher immer noch hohe Naturschutzauflagen. Er hat für das Projekt in Beuren verschiedene Gutachten etwa für den Schutz von Vögeln, Wildkatzen oder Fledermäusen in Auftrag gegeben - für einen sechsstelligen Betrag, wie er sagt. Windräder im Wald kosteten ungleich mehr als Windräder auf freien Flächen, erklärt Seher. Man brauche für die notwendigerweise über die Baumspitzen ragenden oft 150 Meter hohen Anlagen größere Standflächen, es müssten Wege angelegt werden, auf denen schwere LKW samt Kran zum Bau der Windräder fahren können, und es müssten oft sehr lange Trassen für Stromkabel gelegt werden. Doch für die Haushalte der Kommunen, die die Flächen zur Verfügung stellen, lohnt sich Windenergie. Laut einer Aufstellung des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums erzielt eine durchschnittliche Anlage in 20 Jahren 1,5 Millionen Euro Pachteinnahmen und sorgt in dieser Zeit für eine Million Euro an Gewerbesteuern im Kommunalhaushalt.Extra

Windkraft-Pakt: Die rot-grüne Landesregierung will den Bau von Windkraftanlagen in Wäldern vorantreiben. Bislang steht laut Umweltministerium jedes zehnte der insgesamt 1125 Windräder im Wald. Um die Akzeptanz solcher Projekte bei Bürgern und Kommunen zu steigern, sollen diese sich über Betreibergemeinschaften finanziell beteiligen. Das Land hat mit dem Städte- und Gemeindebund einen Solidarpakt geschlossen: Die Kommunen sollen sich zusammenschließen und gemeinsam nach Windkraftstandorten suchen, um so einer "Verspargelung" der Landschaft vorzubeugen. Dafür erhalten sie 20 Prozent der Einnahmen. wieExtra

Will die Windkraft im Land ausbauen: Umweltministerin Ulrike Höfken. Foto: Archiv.

Die rheinland-pfälzischen Jäger betrachten die Pläne des Landes, zwei Prozent des Waldes für Windenergie freizugeben, mit Sorge. Der Landesjagdverband fordert größere Sorgfalt bei der Auswahl der Standorte für Windräder. Auch die Auswirkungen auf das heimische Wild müssten untersucht werden, fordert der Landesjagdverband. Nicht nur die Jäger sehen Windräder im Wald kritisch. Fledermausschützer befürchten den Tod zahlreicher Tiere durch die sich drehenden Rotoren. Pro Anlage im Wald würden bis zu 20 Fledermäuse im Jahr sterben. wie