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Hundequäler von Betzdorf: Hetzjagd im Internet hält Polizei auf Trab

Hundequäler von Betzdorf: Hetzjagd im Internet hält Polizei auf Trab

Das Video, das einen 20-jährigen Mann aus Betzdorf (Kreis Altenkirchen) dabei zeigt, wie er brutal auf einen Hundewelpen einprügelt, hatte Anfang März bundesweit Entsetzen hervorgerufen. Wie die Polizei in Betzdorf auf Anfrage mitteilt, sind die Ermittlungen gegen den Mann mittlerweile abgeschlossen.

Der 20-jährige Mann, der brutal ein Hundewelpen misshandelt hat, wird sich wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz und wegen Bedrohung verantworten müssen. Die Akten liegen nun bei der Staatsanwaltschaft Koblenz. Ob Anklage erhoben oder ein Strafbefehl erlassen wird, ist noch offen.

Wesentlich mehr Arbeit hatten die Betzdorfer Beamten nach einem Bericht der Rhein-Zeitung (Koblenz) mit den Folgen, die die Veröffentlichung des Videos im Internet auf Facebook, YouTube und anderen Foren nach sich zog. Während einige Nutzer auf diesen Seiten im Netz nur ihr Unverständnis äußerten, kannten viele andere überhaupt keine Grenzen mehr . Sie wünschten dem Hundequäler den Tod, drohten ihm offen mit Gewalt, veröffentlichten sowohl seinen Namen als auch seine Wohnanschrift und riefen dazu auf, ihm dort aufzulauern und ihn zur Strecke zu bringen.

Was die Internetnutzer offenbar in ihrer grenzenlosen Wut nicht bedacht hatten: Sie haben sich mit ihren hasserfüllten Kommentaren selbst strafbar gemacht. Norbert Skalski, Leiter der Polizeiinspektion Betzdorf, hat daher in den vergangenen Wochen mit seinem Team im Auftrag der Staatsanwaltschaft Ermittlungen in einem Ausmaß aufgenommen, die alle bisherigen Fälle in den Schatten stellen. "So etwas haben wir bisher noch nicht erlebt", berichtet Skalski mit Verweis auf die Anzahl derjenigen, die sich an der beispiellosen Hetzjagd im Internet beteiligten.

In der Betzdorfer Polizeidienststelle wurde eigens eine Schwerpunktermittlungsgruppe eingerichtet, die die einschlägigen Internetseiten auf strafbare Inhalte durchforstete. Immer dann, wenn Nutzer auf Facebook, YouTube und Co. den Boden des Gesetzes verließen, wurden die Polizisten tätig. Und das ist gar nicht so einfach, erklärt Skalski: "Oft verstecken sich die Leute hinter falschen Namen. Dann müssen wir die Klarnamen herausfinden." Das ist in vielen Fällen auch gelungen, in anderen musste die Polizei aufgeben, weil die Täter nicht zu ermitteln sind.

Was die Ermittlungsarbeit so langwierig und zeitraubend macht: Um herauszufinden, wer hinter einem strafbaren Kommentar steckt, muss in der Regel der Internetprovider beziehungsweise der Betreiber der jeweiligen Internetseite angeschrieben und zur Herausgabe der Kundendaten aufgefordert werden. Bis die Antwort vorliegt, gehen schnell Wochen ins Land. Ist der Autor eines Hass-Kommentars, der etwa zur Begehung von Straftaten aufruft, ermittelt, bekommt dieser Post oder Besuch von der Polizei. So sind inzwischen mehrere Hundert Verfahren zusammengekommen, wie Inspektionsleiter Skalski bestätigt. Die Zahl bewege sich in dreistelliger Höhe.

Bei der Recherche haben die Beamten eine interessante Beobachtung gemacht: Zwar haben sich im Lauf der Tage Mitte März immer häufiger besonnene Menschen im Internet zu Wort gemeldet, zur Mäßigung aufgerufen und auf die Strafbarkeit etlicher Postings (Internetkommentare) hingewiesen. Doch diese vernünftigen Nutzer sahen sich in Windeseile selbst handfesten Bedrohungen ausgesetzt. Mit anderen Worten: Nicht nur der 20-jährige Betzdorfer, der auf dem Video zu sehen ist, wurde massiv bedroht, sondern auch diejenigen, die der Hetzjagd im Internet ein Ende setzen wollten.

Im Überschwang des Hasses

Wie Skalski feststellt, ist die Polizei technisch gut für die Ermittlungsarbeit in der virtuellen Welt ausgestattet. So verfügt die Betzdorfer Polizei selbst über Internetspezialisten. Außerdem haben die Beamten Zugriff auf weitere Profis im Koblenzer Polizeipräsidium und beim Landeskriminalamt.

Was die einzelnen Internettäter jetzt genau erwartet, ist noch offen. Skalski weist darauf hin, dass es ein Unterschied sei, ob jemand im Überschwang der Hassgefühle erstmalig seiner Wut im Netz freien Lauf ließ oder ob es sich um einen Wiederholungs- oder Dauertäter handelt. Daher dürfte es viele Fälle geben, in denen ein Strafbefehl ausreicht, in anderen wird es Gerichtsverhandlungen geben. Für Oberstaatsanwalt Rolf Wissen jedenfalls ist das Ende der Ermittlungen zur Hetzjagd im Netz noch nicht absehbar.