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Hunsrück: Schritt für Schritt zur kontrollierten Wildnis

 Eine Rodung, in der ein Moor entstehen soll, ist im Nationalpark Hunsrück zu sehen. Foto: Harald Tittel/Archiv
Eine Rodung, in der ein Moor entstehen soll, ist im Nationalpark Hunsrück zu sehen. Foto: Harald Tittel/Archiv
Mainz. Mehr als drei Jahre nach seiner Eröffnung zeigt der Nationalpark Hunsrück-Hochwald erste Anzeichen für die angestrebte Entwicklung zu einem weitgehend der Natur überlassenen Wald. Bei jungen Bäumen habe die Buche bereits einen Anteil von 83 Prozent, teilte das Umwelt- und Forstministerium Rheinland-Pfalz auf eine Landtagsanfrage aus der Grünen-Fraktion mit. dpa

Bei älteren Bäumen sind es hingegen nur 46 Prozent. Umgekehrt sind nur noch 15 Prozent der jungen Bäume Fichten, während es bei älteren noch 39 Prozent sind. „Natürlicherweise wäre der Großteil des Nationalparks von Buche bedeckt“, erklärte Umweltstaatssekretär Thomas Griese (Grüne).

Mit dieser Verschiebung bei den Baumarten soll auch das Risiko verringert werden, dass sich Borkenkäfer ausbreiten. Von diesem Käfer befallene und umgestürzte Fichten bleiben ebenso wie von Sturm umgeworfene Bäume als Totholz liegen. „Der hohe Totholzanteil stellt ein Alleinstellungsmerkmal dar, welches für viele auf diesen Lebensraum spezialisierte Arten notwendig ist.“

Gezielte Rodungen von Fichtenbeständen gab es etwa zur Renaturierung von Mooren und Feuchtwiesen bei Börfink. Diese Projekt an den „Hangbrüchern“ stehe kurz vor dem Abschluss, erklärte das Ministerium. Ehemalige Entwässerungsgräben werden auch in diesem Jahr noch weiter verschlossen, so dass sich die vor den menschlichen Eingriffen dort bestehende Moorlandschaft entwickeln kann. Auch im Trauntal wurde durch „Entnahme der Fichten“ dafür gesorgt, dass sich dort eine naturnahe Aue entwickeln kann. Geplant ist auch eine Renaturierung des Götzenbachs.

In diesem Jahr soll mit der Umsetzung eines Wegeplans begonnen werden. Ziel ist ein weniger dichtes Wegenetz: In den nächsten zehn Jahren soll ein Drittel der Wege der Natur überlassen werden, so dass etwa Pflanzen sie überwachsen und Gewässer sie überfließen können. „Indem rund ein Drittel der alten Waldwege verschwinden, können bislang durch die Wegführung unterbrochene Gebiete zu einem großen Biotopverbund verknüpft werden“, erklärte der umweltpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Andreas Hartenfels.

Für Wanderer werden der Saar-Hunsrück-Steig und die „Traumschleifen“ gepflegt, für Radwanderer eine rund um den Nationalpark führende Radroute mit einer Länge von nahezu 90 Kilometern. „Es darf allerdings nicht verkannt werden, dass die primäre Zielsetzung in Großschutzgebieten nicht der Tourismus, sondern der Schutz und die Entwicklung der Natur- und Kulturlandschaft sind“, erklärte Griese.

Die tourismuspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Jutta Blatzheim-Roegler, begrüßte, dass bislang 41 Gastronomiebetriebe die Kriterien als „Nationalpark-Partner“ erfüllt hätten. In der Nationalpark-Region werde spürbar, dass „der nachhaltige, naturnahe Tourismus“ zunehmend an Bedeutung gewinne.

Nationalpark Hunsrück-Hochwald