"Ich hab’s für meine Familie getan"

"Ich hab’s für meine Familie getan"

TRIER. Weil er Ende April eine Bank in Trierweiler (Kreis Trier-Saarburg) überfallen hat, muss ein 53 Jahre alter Kriminalbeamter für viereinhalb Jahre ins Gefängnis. Das hat gestern Nachmittag das Trierer Landgericht entschieden.

Hätte Peter G. an jenem Samstag im April nur die richtige Klebemasse gekauft, womöglich wäre sein Überfall auf die Trierweiler Volksbankfiliale nie aufgeklärt worden. Dann wäre der lange Jahre beim Trierer Polizeipräsidium beschäftigte Kriminaloberkommissar wohl immer noch der "beliebte, sympathische, ausgeglichene, ruhige" Mensch, als den ihn seine Kollegen beschreiben. "Aggressionsfrei, unauffällig, besonnen" sei Peter G., lobt ihn sein vorgesetzter Kommissariatsleiter noch heute. "Wir wissen, wo Sie wohnen"

Doch die Klebemasse, die Peter G. an jenem Aprilsamstag in einem Trierer Autogeschäft gekauft hat, hält zwei Tage später nicht - der Anfang vom raschen Ende seiner Karriere als Bankräuber. Dabei ist der Plan des nach eigenen Angaben völlig überschuldeten Kriminalbeamten durchdacht: Mit dem mit falschen Kennzeichen versehenen Auto einer luxemburgischen Freundin will er an jenem frühen Montagmorgen zur Bank in Trierweiler fahren, dort das Geld kassieren und dann möglichst rasch über die Grenze ins benachbarte Großherzogtum türmen. Zunächst läuft auch alles glatt: Der maskierte und mit seiner Dienstpistole bewaffnete Kripomann hält dem Filialleiter einen Zettel unter die Nase ("Alles Geld, Tresor, EC-Automat. Keine Tricks, wir wissen, wo Sie wohnen"), bekommt daraufhin das geforderte Geld (80 000 Euro) und macht sich aus dem Staub. Als er kurz hinter Trierweiler auf der Straße anhält, um die zuvor mit der Klebemasse befestigten gefälschten Kennzeichen zu entfernen, stockt dem 53-Jährigen der Atem. Das vordere falsche Nummernschild fehlt. "Voller Panik", wie der Kripomann im Prozess sagt, wendet er den Peugeot 206 und fährt zurück in Richtung Bank, um das abgefallene Kennzeichen zu suchen. Das Schild darf seinen von den Bankangestellten längst alarmierten Kollegen auf keinen Fall in die Hände fallen, weil es ein manipuliertes Tarnkennzeichen des Trie-rer Polizeipräsidiums ist. Unterwegs kommen dem Kriminaloberkommissar auf Abwegen bereits seine Kollegen mit Blaulicht entgegen, bemerken ihn allerdings nicht. In einem Waldweg, wo Peter G. sich und den Wagen zuvor für den Überfall präpariert hat, findet er schließlich das abgefallene Kennzeichen. Er montiert auch das andere falsche Nummernschild ab, verstaut alle Sachen in einer Ikea-Tüte und versteckt diese in einem Busch. Nur mit der Beute in einer Tasche macht sich der 53-Jährige dann zu Fuß davon. Unterwegs, das Geld hat der Kommissar bis auf ein paar Hunderter zwischenzeitlich ebenfalls versteckt, fällt ihm plötzlich ein, dass der Schlüssel seines im luxemburgischen Wasserbillig geparkten eigenen Autos in der Ikea-Tasche liegt. So marschiert er zu Fuß nach Hause, greift sich dort den Zweitschlüssel und fährt mit dem Rad nach Wasserbillig. "Da war mir klar, dass ich verloren hatte"

Zu diesem Zeitpunkt sind ihm seine Kollegen schon fast auf der Spur. Sie haben den in dem Waldweg abgestellten Peugeot entdeckt, über das luxemburgische Kennzeichen die Halterin ausfindig gemacht und auch schon gehört, dass diese einen Freund bei der deutschen Polizei hat. Als Peter G. seine Freundin wenig später von einer Familienfeier in Belgien abholt, weiß die Frau bereits vom dringenden Tatverdacht gegen ihren Bekannten. Per Handy ruft der Polizist seinen Trierer Kommissariatsleiter an und verspricht, noch am gleichen Abend ins Präsidium zu kommen. "Da war mir klar, dass ich verloren hatte", sagt er am Montag im Gerichtssaal. Peter G. stellt sich erst am Morgen nach der Tat. Es ist ein äußerst rüder Empfang, als er seine alte Dienststelle in Trier-West betritt: Beamte eines Sondereinsatzkommandos strecken den vermeintlich bewaffneten Kollegen mit einem Elektroschocker nieder und fesseln ihn schließlich. Sofort gesteht er die Tat und führt die Koblenzer Ermittler zur Beute. "Ich habe es für meine Familie getan", sagt er gestern in der Verhandlung. Es habe finanziell einfach "hinten und vorne nicht mehr gelangt". Ein Finanzermittler errechnet später einen Schuldenstand von rund 80 000 Euro. "Das ist keine finanzielle Notlage", sagt Staatsanwalt Sebastian Jakobs. "Da müssten ganz andere Menschen Banküberfälle begehen."

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