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"Ich habe einen tollen Job"

"Ich habe einen tollen Job"

Etliche Politiker stolpern über Fehler oder Verfehlungen, eine sitzt seit zehn Jahren fest im Sattel: Malu Dreyer. Die Trierer Sozialdemokratin ist bundesweit dienstälteste Ministerin der Ressorts Arbeit, Gesundheit und Soziales.

Mainz. Malu Dreyer arbeitet im März 2002 als Sozialdezernentin der Stadt Mainz, als plötzlich Ministerpräsident Kurt Beck anruft. Sozialminister Florian Gerster ist zum Chef der Bundesarbeitsagentur ernannt worden, Beck sucht einen Nachfolger - und findet Dreyer.
"Ich wurde aus heiterem Himmel Ministerin", erinnert sich die gebürtige Pfälzerin. "Eine Woche später saß ich schon in Berlin in der Kommission zur Gesundheitsreform."
Damals ahnte die heute 51-Jährige sicher nicht, dass sie in ihren Fachgebieten zu einer der angesehensten Politikerinnen in Deutschland werden würde. Sie vertritt Rheinland-Pfalz im Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat und koordiniert in Berlin die SPD-geführten sogenannten A-Länder.
Malu Dreyer blickt zurück auf:
Ihre schönsten Erfolge: "Es war mein Hauptanliegen, Rheinland-Pfalz als soziales Gesicht zu prägen. Jeder weiß, dass wir ein soziales Land sind." Sozial, solidarisch und selbstbestimmt sind für sie die wichtigsten politischen Begriffe. Als Errungenschaften bezeichnet Dreyer das Tariftreuegesetz, das Kinderschutzgesetz, die Krankenhausplanung und die 135 Pflegestützpunkte im Land. Die SPD-Politikerin freut sich auch, "dass wir bisher die Abwehrschlacht gegen die Privatisierung der Krankenversicherung gewonnen haben".
Ihre schwersten Fehler: "Ach, Fehler gehören doch zum Alltag", sagt Dreyer. Man sage oft "Mensch, Mensch, Mensch, was ist denn da passiert". Haften geblieben sei ihr nichts. Wichtig sei, Fehler gleich zu korrigieren.
Ihre härteste Zeit: Als eine Erzieherin in einem Erziehungsheim in Rodalben von Jugendlichen erstochen wurde, geriet Malu Dreyer unter Beschuss. 2003 beschäftigte sich ein Untersuchungsausschuss des Landtags mit dem tragischen Vorfall. "Das war teilweise schon extrem unfair", sagt Dreyer rückblickend. Politik spiele sich auf sachlicher Ebene ab. Hier sei es aber zu einer Vermischung mit Privatem gekommen. "Das war menschlich sehr schwer auszuhalten."
Ihre stärkste Zeit: "Die Arbeit macht mir jeden Tag Spaß. Ich habe einen tollen Job." Sie sei in die Politik gegangen, weil man dabei gestalten könne, und habe das nie bereut. Aktuell stelle sich die neue Aufgabe, den demografischen Wandel mit einer älter werdenden und schrumpfenden Bevölkerung zu gestalten. Dreyer freut sich besonders über "das gute Klima im Haus mit motivierten Mitarbeitern".
Ihre bemerkenswertesten Begegnungen: "Zu Ulla Schmidt (von 2001 bis 2009 Bundesministerin für Gesundheit, Anm. d. Red.) hat sich eine Freundschaft entwickelt. Mit ihr konnte nicht jeder. Aber ich mag das, wenn jemand klar seine Meinung äußert. Von ihr wird man nie gelinkt." Dreyer denkt auch gerne an Helmut Schmidt zurück, an das erste Betreten des "gigantischen Kanzleramtes" oder an die "hochspannende, von großer Nervosität geprägte Bundesversammlung", als Joachim Gauck verlor und Christian Wulff zum Bundespräsidenten gewählt wurde.
Ihr lustigstes Ereignis: "Ich lache viel, auch über mich selber." Sie sei bekannt für Versprecher. "Einmal habe ich im Landtag davon gesprochen, kein Feuer ins Öl zu gießen."
Ihre traurigste Erkenntnis: "Wenn die Gesellschaft Dinge braucht und parteitaktisches Gezerre ein Ergebnis verhindert." Die Ministerin nennt als Beispiel, "dass wir das einzige Land mit zwei Krankenversicherungssystemen sind. Das ist idiotisch".
Ihren größten Fauxpas: Dreyer erinnert sich schmunzelnd an eine Pressekonferenz mit Jürgen Klopp, damals noch Trainer des Fußball-Bundesligisten Mainz 05, zur Kampagne "Bewegung im Alltag". Sie habe an eine Freundin gedacht und als Gesundheitsministerin geraten: "Wenn Sie Zigaretten holen, gehen Sie zu Fuß!"
Ihren größten politischen Wunsch: "Endlich eine Mehrheit für flächendeckende Mindestlöhne finden!" Auch die Leiharbeit und die Minijobs müssten dringend reguliert werden.