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"Ich habe in Notwehr zugestochen"

"Ich habe in Notwehr zugestochen"

Im brasilianischen Belém läuft seit einiger Zeit der Prozess gegen einen 19-jährigen Einheimischen, der im April einen 46 Jahre alten Priester aus dem Bistum Trier erstochen haben soll. "In Notwehr", behauptet der Angeklagte, der inzwischen wieder auf freiem Fuß ist.

Trier. (sey) Zumindest vorerst kann Kassio Adriano des Jesus Figueiredo die Freiheit wieder genießen. Ein Richter der Provinzhauptstadt Belém im nördlichen Bundesstaat Pará entließ den zuvor unter Mordverdacht inhaftierten 19-Jährigen unlängst aus dem Untersuchungsgefängnis, weil er nicht vorbestraft sei. Figueiredo muss allerdings mehrere Auflagen erfüllen, um während des derzeit gegen ihn laufenden Prozesses nicht wieder inhaftiert zu werden. So dürfe er etwa keine Waffen mit sich führen oder Gaststätten aufsuchen und müsse jeden Abend um 22 Uhr zu Hause sein, heißt es in einer Mitteilung des Gerichts.Der junge Brasilianer soll Anfang April den als Englischlehrer in einem örtlichen Priesterseminar eingesetzten Geistlichen Wolfgang Hermann in dessen Wohnung mit 13 Messerstichen getötet haben. Der 19-Jährige hatte die Bluttat bereits direkt nach seiner Festnahme im Treppenhaus des Mehrfamilienhauses gestanden, sagte allerdings, er habe in Notwehr gehandelt. Angeblich hatte ihn der 46-jährige Priester zunächst sexuell bedrängt und den ablehnend reagierenden Angeklagten dann mit einem Messer bedroht. Kassio Figueiredo behauptet, er habe dem Priester das Messer abgenommen und "zur Selbstverteidigung" zugestochen. Örtliche Medien hatten nach der Festnahme berichtet, der junge Mann werde auch verdächtigt, im vergangenen Jahr einen Polizisten getötet und eine Apotheke überfallen zu haben. Davon ist in den Gerichtsberichten inzwischen keine Rede mehr.Wann der Prozess fortgesetzt wird, ist unklar. Es müsse noch ein Bekannter des Angeklagten gehört werden, heißt es. Ein Urteil fällt wegen Arbeitsüberlastung der zuständigen Kammer voraussichtlich erst im nächsten Jahr.Der getötete Geistliche war 1985 in Trier zum Priester geweiht worden. Als Pfarrer war der in Bad Kreuznach geborene Wolfgang Hermann in Idar-Oberstein und Münstermaifeld eingesetzt. Im September 2006 ging er nach Brasilien.Ein Sprecher des Bistums Trier hatte unmittelbar nach Bekanntwerden des Gewaltverbrechens vor voreiligen Schlüssen gewarnt, nachdem brasilianische Medien gemeldet hatten, bei dem Festgenommenen handele es sich um einen Strichjungen. Davon ist in den bislang veröffentlichten Prozess-Bulletins keine Rede mehr.Der Priester wurde in Brasilien beerdigt.