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Ihr seid doch die Trier-Group! - Warum sich Internationalisierung für Universitäten lohnt

Ihr seid doch die Trier-Group! - Warum sich Internationalisierung für Universitäten lohnt

Vor dem Hauptgebäude der Universität strahlt seit April 2013 ein Kunstwerk, das gleichzeitig als Sitzgruppe dient, in neuem Glanz. Jetzt, da der Frühling Einkehr gehalten hat, lädt auch dieser Ort wieder dazu ein, den Alltag an der Universität nicht nur innerhalb, sondern auch außerhalb der Gebäude zu verbringen.

Das Kunstwerk symbolisiert die architektonische Idee der Gesamtanlage und die Integration in das Tarforster Plateau. Die Gestaltung durch Diether F. Domes setzt sich im Inneren des Gebäudes fort: Fertigbauwände werden durch farbliche Gestaltung quasi in Bewegung versetzt.
Dieses Innen-/Außenspiel macht den Campus noch dynamischer, wenn es in ein Netzwerk von Partnerschaften überführt wird: Studierende und das akademische Personal sammeln so weltweit Erfahrungen. Grund genug, für den Campus in seiner klassischen Form zu werben, da dieser in jüngster Zeit vermehrt mit der Idee einer virtuellen Universität konfrontiert wird. Wenn, dann sollte die "brick university" auch eine "click university" sein.
Denn für die klassische Alma Mater spricht nach wie vor viel. Im vergangenen Jahr besuchten mich einige Studierende, die an Simulationen von Problemen im Feld der internationalen Beziehungen teilnehmen. Sie baten mich um eine ideelle Unterstützung ihres Vorhabens. Sie erzählten mir beiläufig, dass sie auf dem Campus einer englischen Elite-universität mit dem Satz "Ihr seid doch die Trier-Group" begrüßt wurden. Internationale studentische Wettbewerbe sind ein begehrtes Feld der akademischen Praxis, das bei entsprechendem Engagement für Anerkennung sorgt und quasi nebenbei mindestens genauso viel leistet wie ein elektronisches Netzwerk.
Der Auftritt auf internationalen Plattformen trägt den Namen der Heimatuniversität hinaus in die Welt und neben der eigenen Belohnung, die sich aus der Mitwirkung an solchen Programmen ergibt, profitiert der Trierer Campus davon, dass sein Name auf einer internationalen Agenda vertreten ist. Das gilt auch für die zahlreichen Moot Courts, die Gerichtsverhandlungen nachstellen. Im Februar fand hierzu in Trier ein nationaler Vorentscheid statt, in dem auch angehende Trierer Juristinnen und Juristen den Mut zur Teilnahme bewiesen.
Im Internationalen Zentrum der Universität Trier, das vor wenigen Tagen die schöne Auszeichnung "Ort der Vielfalt" erhalten hat, finden sich Studierende aus aller Welt zusammen, um den Gedanken der Internationalität aktiv zu leben. Es repräsentiert aktiv gelebte Willkommenskultur und einen Ort ungewöhnlicher Erfahrungen. In Taiwan habe ich selbst vor wenigen Wochen Überraschendes erlebt. In Taipei legt man Wert auf Musik: Pausensignale auf dem Schulhof klingen fröhlich und die Müllabfuhr macht mit Beethovens Melodie "Für Elise" auf sich aufmerksam. An großen Straßenkreuzungen regeln grüne laufende Ampelmännchen den Fußgängerverkehr. An den Universitäten herrscht reges Treiben. Wer dort studiert, kann zu Hause vieles berichten. Vielleicht geht es den Studierenden wie einem berühmten Reisebuchautor, der einmal schrieb: "Den Pass zu verlieren war die geringste Sorge, aber ein Notizbuch zu verlieren war eine Katastrophe."
So mag es auch den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Internationalen Ferienkurses gehen, wenn sie nach ihrem dreiwöchigen Aufenthalt in Trier zu Hause von ihren Erfahrungen berichten wollen. Mehr als 100 Studierende aus aller Welt kommen seit Jahren zu diesem Ereignis in unsere Moselstadt und lernen neben der deutschen Sprache auch viel über Deutschland und seine Nachbarn kennen. Ähnlich geht es den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Georgetown Summer School, die seit ebenfalls über 40 Jahren im Juni den Campus erkunden und neben dem Sprachunterricht praktische Erfahrungen in sozialen und kulturellen Einrichtungen der Region sammeln. Beide Beispiele stehen für eine Form des Studierendenaustausches, der sich kulturell, fachlich und persönlich lohnt. Über das Erasmus-Programm sind wir darüber hinaus mit vielen Ländern in Europa vernetzt, circa 200 Abkommen ermöglichen es Studierenden, einen Teil ihrer akademischen Qualifikation in Frankreich, Italien, Griechenland, Russland usw. zu verbringen. Hinzu kommen mehr als 40 Hochschulpartnerschaften auf Universitätsebene, die insbesondere Wege in Europa, nach Nordamerika und Ostasien öffnen.
Am 28. März 2014 durfte ich als Präsident der Universität erstmals an der Xiamen University den Trier University Day eröffnen, wenige Tage später wurde an der National Taipei University ein Memorandum of Understanding für weitere fünf Jahre verlängert. Demnächst wird im Rahmen einer Russlandreise eine Kooperation mit St. Petersburg folgen. Das Akademische Auslandsamt, das all diese internationalen Partnerschaften koordiniert, hat alle Hände voll zu tun.
Elf Prozent internationale Studierende und rund 20 Prozent internationale Doktorandinnen und Doktoranden, dazu eine wachsende Anzahl ausländischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, machen den Campus mehr und mehr zu einem international und interkulturell interessanten Ort. Die Zahl englischsprachiger Studienangebote nimmt zu. Ein Gästehaus ist dringend erforderlich. Internationalisierung lebt somit von der Vielfalt der beteiligten Länder und der Fachkulturen. Diversity ist zu einem wichtigen Forschungsthema an der Universität Trier geworden, besonders durch das Internationale Graduiertenkolleg, das im vergangenen Jahr seine Kooperation mit der Universität Montreal aufgenommen hat.
Das Kunstwerk vor dem A/B-Gebäude ist also in weiser Vor-aussicht bereits in den 1970er Jahren sehr bunt gestaltet worden. Ein gutes Symbol für Vielfalt, das sich in den heutigen Beziehungen der Universität widerspiegelt. Ein bedeutender deutscher Gelehrter und Vielreisender, Goethe, sagte einmal: "Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen."
Michael Jäckel