Katholische Kirche: Im Kölner Dom dürfen ab sofort auch Frauen eine Hellebarde tragen

Katholische Kirche : Im Kölner Dom dürfen ab sofort auch Frauen eine Hellebarde tragen

Der Trierer Dompropst Werner Rössel winkt ab: Für uns ist das kein Thema. Nur der kleine Wallfahrtsort Klausen will dem guten Beispiel folgen.

Sie tragen eine rot-schwarze Robe samt gleichfarbiger Kopfbedeckung, weiße Handschuhe und eine goldene Hellebarde: Wann immer im Trierer Dom ein wichtiger Gottesdienst gefeiert wird, sind auch die sogenannten Domschweizer im Einsatz. Die meist ernst ­dreinschauenden Herren geleiten die Zelebranten durch den Dom Richtung Altarinsel und passen auf, dass während der Messe niemand die Würde des Ortes stört. Falls doch, wird der Betreffende unmissverständlich darauf aufmerksam gemacht, was er zu tun oder besser gesagt zu lassen hat – und das schon seit Jahrhunderten.

Denn die Dom- oder Kirchenschweizer sind ein Relikt aus dem Mittelalter. Schon damals gab es sogenannte Domstäbler oder Uffstumper, die im Kirchenschiff für Ruhe und Ordnung sorgten und bei der Ankunft des Bischofs mit dem Stab auf den Boden stampften.

Der Name Dom- oder Kirchenschweizer hat tatsächlich mit der Schweiz zu tun, denn in früheren Jahrhunderten wurden die Wachen oder Leibgardisten häufig aus dem politisch neutralen Land rekrutiert. Eines der bekanntesten Beispiele dafür ist die Schweizergarde, die seit Anfang des 16. Jahrhunderts als päpstliche Leibgarde den Vatikan bewacht.

Der Job ist von jeher eine Männerdomäne. Und das soll er in Trier zumindest vorerst auch bleiben, wie Bistumssprecherin Judith Rupp unter Verweis auf den für die älteste Bischofskirche Deutschlands zuständigen Dompropst Werner Rössel unserer Zeitung sagte: „Das ist aktuell bei uns kein Thema.“

Schweizer Gardisten bewachen seit über 500 Jahren den Vatikan. Foto: dpa/dpaweb/A1809 epa ansa Schiavella, ANSA (dpa/dpaweb)

In Köln dagegen ist es ein Thema. Im dortigen Dom soll es künftig auch Domschweizerinnen geben. „Wir glauben, dass Frauen und Männer sich insgesamt bei dieser Tätigkeit gut ergänzen“, kommentierte Dompropst Gerd Bachner den Schritt in Richtung ein Stück mehr Gleichberechtigung. Schließlich kämen ja sowohl weibliche als auch männliche Besucher in den Kölner Dom.

Zu den Aufgaben der derzeit 28 Kölner Domschweizer gehört es, für Ruhe und Ordnung zu sorgen und Besuchern als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen. Sie schließen den Dom auf und ab, läuten die Glocken und entsorgen abgebrannte Kerzen. Bewerben könne sich jeder, der sich mit der katholischen Kirche identifiziere, über eine freundliche und serviceorientierte Persönlichkeit verfüge und auch zur Arbeit an Wochenenden sowie Feiertagen bereit sei, sagte der Dompropst zu den Anforderungen. Fremdsprachenkenntnisse seien willkommen, Körpergröße und Gewicht spielten keine Rolle.

Pater Albert Seul, Pfarrer von Klausen. Foto: Petra Willems

Außer in Köln und Trier sind Kirchenschweizer auch in Mainz, Bamberg und Salzburg im Einsatz. In Trier gibt es neben den drei Domschweizern auch den ehrenamtlichen Empfangsdienst mit aktuell elf Frauen und 13 Männern. Deren Aufgabestellung laut Bistumssprecherin Judith Rupp:  den Menschen einen freundlichen Empfang bieten, Ansprechpartner im Dom sein und darauf hinwirken, dass die Würde des Ortes gewahrt bleibt.

Die Hellebarde des früheren Klausener Kirchenschweizers. Foto: Christina Bents (chb)

Bis vor einigen Jahren gab es neben Trier auch im Wallfahrtsort Klausen (Kreis Bernkastel-Wittlich) noch einen Kirchenschweizer. Seit dessen Tod habe sich niemand mehr gefunden, bedauert Pater Albert Seul. Der ­Klausener Pfarrer gibt allerdings die Hoffnung nicht auf, den vakanten Posten eines Tages wieder besetzen zu können – „gerne auch mit einer Kirchenschweizerin“, wie Pater Albert unserer Zeitung sagt. Damit könne er dann auch einen „kleinen Beitrag zur Öffnung der katholischen Kirche gegenüber Frauen“ leisten.

Mehr von Volksfreund