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Im Land fehlen vor allem Impfstoffe für Kinder

Im Land fehlen vor allem Impfstoffe für Kinder

In Deutschland gibt es einen Mangel an Human-Impfstoffen. Auch in Rheinland-Pfalz herrscht seit Wochen ein Engpass für diverse Kombinationspräparate. Betroffen sind vor allem Kinder.

Trier. Wenn es um Fragen zum Thema Impfen geht, ist das Paul-Ehrlich-Institut erster Ansprechpartner. 30 Human-Impfstoffe führt das Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit aktuell auf seiner Liste der Lieferengpässe. Das deckt sich mit den Erfahrungen von Eltern aus dem Raum Trier, die unserer Redaktion von wochenlangen Verzögerungen bei der Impfung ihrer Kinder berichtet haben.
"Es gibt derzeit Lieferprobleme für diverse Kombinationspräparate", bestätigt Dr. Harald Michels vom Gesundheitsamt in Trier. "Die Situation ist nicht günstig, aber es gibt in der Regel Ausweichmöglichkeiten. Und wenn diverse Impfungen etwas später erfolgen, ist das nicht wirklich schlimm."
Der Landesapothekerverband (LAV) Rheinland-Pfalz bezeichnet die Situation im Vergleich zum Herbst sogar als entspannt. Allerdings seien die Lücken bei der Impfstoff-Lieferfähigkeit noch nicht vollständig geschlossen.
Vor allem Kombinationspräparate zur Vorsorge unter anderem vor Diphterie, Keuchhusten, Kinderlähmung, Wundstarrkrampf und Hepatitis B stehen auf der aktuellen Engpass-Liste. Das sind vor allem Präparate für die Immunisierung von Kindern.
LAV-Sprecher Frank Eickmann: "Sollte ein Kombinationsstoff nicht lieferbar sein, kann der behandelnde Arzt auf Einzel-Impfungen oder auf Kombi-Impfstoffe mit geringerer Indikationsbreite ausweichen."
Ob es tatsächlich zu einer Verschiebung bei der Behandlung von Kindern kommt, hängt allerdings auch von den behandelnden Ärzten ab. "Viele Kollegen legten in einem gewissen Umfang Vorräte an, um Lieferengpässe auszugleichen", sagt Dr. Stephan Güntzer, Obmann des Berufsverbandes Kinderärzte im Bezirk Trier. "Denn diese schlagen in den Praxen unmittelbar durch. Eine Erstimmunisierung der Kinder ist aber auch unabhängig davon in der Regel möglich, weil es neben den Kombipräparaten auch Einzelimpfstoffe gibt. Größere Vorräte dürfen und können wir aber nicht vorhalten.""Hersteller in der Pflicht"


Der Apothekerverband sieht sich nicht in der Verantwortung, wenn bestimmte Impstoffe zeitweise knapp werden. "Die Mengensteuerung obliegt den Herstellern", sagt Frank Eickmann. Allerdings sei die Produktion von Impfstoffen ein komplexer Prozess, in dem es viele Unwägbarkeiten gebe.
Das bestätigt auch das Paul-Ehrlich-Institut. Je nach Krankheit müssten spezielle Bakterien oder Viren vermehrt werden. Wenn das nicht auf Anhieb funktioniere, verzögere sich auch die Herstellung und Auslieferung des Impfstoffs. Gerade im grenznahen Raum empfiehlt der eine oder andere Arzt, im Zweifelsfall mit Privatrezept einen Impfstoff in Luxemburg zu besorgen. Vor allem bei Tot-Impfstoffen wie die gegen Kinderlähmung sei das unproblematisch. Der Apothekerverband hält das allerdings für wenig sinnvoll und auch nicht aussichtsreich. Denn zum einen seien Impfstoffe ausgesprochen sensible Arzneimittel, die auch der besonderen Behandlung bei Transport und Lagerung bedürfen.
Zudem gelte für ganz Europa gleichermaßen, dass es nur einen überschaubaren Markt an Herstellern gebe. "Insofern sind Impfstoffe als Importe oder Re-Importe bei den einschlägigen Import-Großhändlern nicht nur nicht gängig, sondern im Normalfall nicht erhältlich."
Gefährlich sind die Engpässe bei Impfstoffen also nach Meinung aller Experten in der Regel nicht. "Es ist besser, ein wenig länger mit einer Auffrischung zu warten als zu kurz hintereinander zu impfen", sagt Amtsarzt Harald Michels. "Pech ist es natürlich, wenn in einer solchen Wartezeit eine Infektion genau in dem Bereich passiert, für den kein Schutz oder nur ein Teilschutz existiert.

Mehr Informationen bietet das Paul-Ehrlich-Institut unter www.pei.de