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Immer dahin, wo es kracht: Ein Fall für Walter Lindner

Immer dahin, wo es kracht: Ein Fall für Walter Lindner

Er ist Afrika-Experte und erfahren im Umgang mit Krisen: Walter Lindner (57) ist seit Mittwoch offiziell Ebola-Koordinator der Bundesregierung. Bereits in einigen Tagen fliegt er nach Westafrika.

Berlin. Erstmal mitten rein ins Krisengebiet. Obwohl es derzeit in Westafrika, wie er selbst sagt, schon tödlich sein kann, im Hotel die Türklinke anzufassen, reist Walter Lindner (Foto: dpa) am Sonntag in die von Ebola betroffenen Länder. "Wo\'s kracht, müssen wir sein", das ist die Berufauffassung des 57-jährigen Karrierediplomaten, der seit Mittwoch offiziell Ebola-Koordinator der Bundesregierung ist.
Vor einer Woche erreichte ihn der Anruf von Außenminister Frank-Walter Steinmeier in Caracas. Botschafter in Venezuela war die letzte Station des gebürtigen Müncheners, der aber wegen seiner langen Zeit als Botschafter in Kenia als ausgesprochener Afrika-Kenner gilt. Das ist die eine Voraussetzung für die neue Aufgabe. Die andere: Lindner war 2009/2010 schon mal Leiter des Krisenstabes im Auswärtigen Amt, zu einer Zeit, als die Piraten vor Somalia loslegten und Deutsche im Jemen entführt wurden.
So eine Krise zu bekämpfen, sei nicht immer ein Traumjob, sagt Lindner. "Aber es ist eben unser Job." Inzwischen hat er schon die ersten Sitzungen geleitet, an denen Vertreter aus den Ministerien und den Hilfsorganisationen teilnehmen. Er hat die Dimension begriffen: Die Verbreitung der Krankheit selbst muss gestoppt werden. Den Betroffenen muss Hilfe zukommen. Die Staaten müssen stabilisiert werden. "Ebola isolieren, nicht die Länder", sagt Lindner. Koordination ist seine Aufgabe. Deutschland hat bisher 17 Millionen Euro bereitgestellt, für ein mobiles Krankenhaus, für die Entsendung von 170 freiwilligen Helfern, die derzeit geschult werden, für den Aufbau einer ständigen Hilfsluftbrücke, die im November starten soll. Und es nimmt die ersten Ebola-Kranken bei sich auf.
Lindner will die Aufgabe so lange machen, "bis Ebola abgeebbt ist". Der Tag, so sagt er, hat 24 Stunden.