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Immer mehr Jugendliche in der Region rauchen gefährliche Kräuter

Immer mehr Jugendliche in der Region rauchen gefährliche Kräuter

Jede Woche landen Jugendliche in Krankenhäusern der Region, nachdem sie gefährliche Kräutermischungen geraucht haben. Die Polizei spricht von einer neuen Dimension. Die Zahl der Ermittlungsverfahren wegen dieser Legals Highs steigt rasant.

Die Namen auf den kleinen bunten Plastikpäckchen klingen harmlos: Vulkan, Galaxy, Ibiza. Doch der Inhalt ist gefährlich. Die Drei- oder Viergramm-Packungen enthalten irgendwelche getrockneten Kräuter, die mit chemischen Stoffen, etwa Zusatzmitteln für Farben, gemischt wurden. Geraucht versetzen die Stoffe in einen Rausch. Ein Rausch, der für viele lebensgefährlich wird: Bewusstlosigkeit, Atemnot, Herzstillstand können die Folgen sein.

Die sogenannten Legal Highs bereiten Polizei, Medizinern und Jugendschützern in der Region große Sorge. Bereits 13-Jährige rauchen die Mischungen. Allein in den vergangenen zwei Monaten wurde in der Wittlicher Kinderklinik fast wöchentlich ein Jugendlicher nach dem Konsum von Legal Highs eingeliefert. In einer Nacht seien es sogar vier Jugendliche gewesen, einer davon habe auf der Intensivstation behandelt werden müssen, berichtet der Wittlicher Chefarzt Klaus Mahler. Auch im Trierer Mutterhaus landen immer häufiger Opfer der Kräutermischungen.

Die Polizei schlägt Alarm. Allein in diesem Jahr hat sie bis Ende Juni 93 Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz im Zusammenhang mit Kräutermischungen eingeleitet. Von Mai bis Dezember vergangenen Jahres waren es nur 45. Wird jemand mit Legal Highs erwischt, dann leitet die Polizei automatisch ein Ermittlungsverfahren ein. Enthält die Mischung verbotene Substanzen, dann droht eine Strafe.

Wie gefährlich die Mischungen sind, zeigte sich erst vergangene Woche, als ein 33-Jähriger in Trier nach dem Rauchen von Kräuterdrogen vor den Augen von Polizisten kollabierte. Der Notarzt musste den Mann retten.

Marc Powierski, zuständig für Jugendstrafsachen bei der Polizeidirektion Trier, spricht im Zusammenhang mit der raschen Verbreitung der Legal Highs von einer neuen, bisher nicht gekannten Dimension auf dem Rauschgiftmarkt. Grund dafür sei die einfache Beschaffung übers Internet. Und der Preis. Mit neun bis zehn Euro pro Gramm seien die Kräutermischungen billiger als Cannabis. Aber auch viel gefährlicher. Bei den zugesetzten Chemikalien handele es sich zumeist um hochgiftige Stoffe, so Powierski. Mehr zum Thema

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