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Trier/Frankfurt
Immer mehr Leser in der Region greifen zum elektronischen Buch

FOTO: Jens Kalaene
Trier/Frankfurt. Soziale Netzwerke und Streamingdienste machen dem traditionellen Buchhandel zu schaffen. Trotzdem stehen kleine Verlage der Digitalisierung zurückhaltend gegenüber.

Der deutsche Buchmarkt steckt in der Krise: 6,4 Millionen Käufer hat die Branche in den vergangenen fünf Jahren verloren. Weil Verlage gegen konkurrierende soziale Netzwerke und Online-Streamingdienste um wertvolle Zeit buhlen, fordert der Bitburger Horst Schreiber, die Digitalisierung endlich als Chance zu begreifen.

Der Vorsitzende des Trierer Vereins zur Leseförderung appelliert an Buchverlage, das Lesen spannender zu machen: „Digital gibt es so viele Möglichkeiten wie nie zuvor. Verlage könnten in elektronische Bücher Videos einbinden, wo Leser eine Szene über das Internet direkt als Film verfolgen.“ Das digitale Bewusstsein sei bislang nur bei wenigen Verlagen angekommen. Zwar ist das gedruckte Buch in Büchereien der Region Trier noch mit Abstand am beliebtesten. Doch dessen Ausleihen gehen von Trier bis in die Vulkaneifel zurück, während das E-Book leicht aufholt, wie eine Umfrage des TV zeigt. Von 2016 bis 2017 stiegen in der Stadtbücherei Trier die E-Book-Ausleihen von fast 44 800 auf nahezu 50 000, in Konz von 9768 auf 14 152, in der Dauner Kreisbibliothek von 9214 auf 12 489 und im ganzen Land von gut 758 000 auf etwa 935 000. In diesem Jahr steigen die Zahlen weiter.

Auffällig in der Region: Besonders ältere Leser nutzten den Service. Für Senioren entfalle der Weg in die Bibliothek, die Schrift könne in E-Books größer gestellt werden, in Koffern werde beim Reisen kein Platz gebraucht, sagt Michael Schmitz von der Stadt Trier. Besonders in ländlichen, dünn besiedelten Gebieten sieht Vulkaneifelkreis-Sprecherin Meike Welling gute Chancen für das E-Book, weil weite Fahrten vermieden würden. Elisabeth Kurzmann von der Konzer Stadtbibliothek erwartet noch größeren Zulauf auf elektronische Medien, wenn technische Makel der Onleihe ausgemerzt werden. An dieser beteiligen sich 76 Büchereien im Land.

Bei kleinen, regionalen Verlagen stößt die Digitalisierung dagegen auf Zurückhaltung. Deutschlandweit stagniere der E-Book-Markt im Verkauf, sagt der Trierer Rainer Breuer von éditions trèves. Der Dauner Verleger Sven Nieder erwartet eine Rückbesinnung zum Buch wie von der CD zur Schallplatte, weil das gedruckte Werk mehr Lebensqualität biete. Ralf Kramp sagt, dass E-Books gerade mal 15 Prozent seines Umsatzes im Hillesheimer KBV-Verlag ausmachten.

Unter Zugzwang sieht der Eifeler beim Digitalen eher ganz kleine Verlage oder Branchenriesen, deren Existenz an Erfolgsdruck geknüpft sei. „Wer mit regionalen Geschichten wuchern kann und eine enge Bindung zu lokalen Händlern aufgebaut hat, wird zu den Gewinnern gehören“, sagte Kramp auf der Frankfurter Buchmesse. Dort gehört der Eifeler zu den regionalen Autoren, die ihre Bücher präsentieren. Hunderte Besucher aus dem Raum Trier werden zur Messe erwartet, die am Wochenende für das Publikum geöffnet ist.

Regionale Autoren und Verleger auf der Frankfurter Buchmesse: Was sie erleben, welche Anekdoten sie erzählen