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Immer mehr Menschen leben alleine: Trier ist eine Single-Hochburg

Immer mehr Menschen leben alleine: Trier ist eine Single-Hochburg

Mehr als die Hälfte aller Trierer Haushalte wird nur von einem einzigen Menschen bewohnt. Die Stadt zählt damit zu den „Single-Hochburgen“ Deutschlands – und spiegelt einen gesellschaftlichen Trend wider. Ein Zeichen dafür, dass Menschen keine Beziehungen mehr eingehen wollen, sei das allerdings nicht, sagt ein Trierer Soziologe.

Heiraten, Häuschen bauen, Kinder zeugen und als Familie zusammenleben: Was noch vor gar nicht allzu langer Zeit normal war, wird offenbar immer seltener. Prognosen des Statistischen Bundesamts zufolge werden 2030 mehr als 80 Prozent der Haushalte nur noch aus ein oder zwei Personen bestehen.

Auch in Rheinland-Pfalz bestätigt sich der Trend: Die Zahl der Haushalte steigt, die Zahl der Bewohner pro Haushalt sinkt. 2005 lebten laut Statistischem Landesamt noch 2,2 Millionen Rheinland-Pfälzer in Haushalten mit drei oder mehr Mitgliedern. Rund zehn Jahre später waren es nur noch etwa 1,9 der insgesamt vier Millionen Menschen im Land - ein Minus von 4,5 Prozentpunkten.

Gleichzeitig ist die Zahl der Single-Haushalte um 1,2 Prozentpunkte auf fast 37 Prozent gestiegen, jener der Zweipersonen-Haushalte um 2,3 Prozentpunkte auf rund 36 Prozent.
Regional kann es große Unterschiede geben. Denn Familien wohnen eher auf dem Land, Singles eher in der Stadt. Trier zählt im Bundesvergleich zu den Single-Hochburgen: Ende 2015 hatten dem Rathaus zufolge 54,3 Prozent der 64.430 Haushalte nur einen Bewohner. Wie stark diese "Versingelung" den Druck auf den ohnehin schon angespannten Wohnungsmarkt erhöht, kann niemand sagen. Fest steht: Der Bedarf an Wohnraum wird in Städten wie Trier trotz des demografischen Wandels weiter steigen - und mit ihm womöglich auch die Mietpreise.

Soziologen betonen, dass es sich bei den Alleinlebenden nicht unbedingt um Singles im klassischen Sinn handelt. "Darunter sind viele verwitwete Frauen und Studenten", sagt der Trierer Soziologieprofessor Johannes Kopp.

Eine Krise der Beziehungen kann er nicht ausmachen. Im Gegenteil, Studien hätten gezeigt, dass die Jugend Partnerschaft und Familie als erstrebenswerte Ziele empfinde. "Was sich geändert hat, ist die Akzeptanz anderer Lebensformen. Die Menschen finden es okay, alleine zu leben", sagt Kopp. Zudem ziehe man heute später zusammen und bekomme auch später Kinder als früher. Mehr zum Thema

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