Immer mehr Rheinland-Pfälzer trinken bis zur Bewusstlosigkeit - 86 000 Abhängige im Land

Trier · Prosit bedeutet wörtlich „es möge nützen“. Eine Devise, von der sich beim Griff zur Flasche jährlich Tausende Rheinland-Pfälzer verabschieden. 2014 ist die Zahl derer, die mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus mussten, deutlich gestiegen – insbesondere die Zahl der Jugendlichen.

Mit ein paar Bierchen, die über den Durst getrunken wurden, lassen sich solche Zahlen nicht mehr erklären: 7127 Rheinland-Pfälzer mussten 2014 vollstationär behandelt werden, weil sie unter akuter Alkoholvergiftung litten.

Das sind laut Statistischem Landesamt rund vier Prozent mehr als im Vorjahr. "Diese Entwicklung trifft leider auch für unser Haus zu", sagt Christoph Hahn, Oberarzt am Trierer Mutterhaus. Die Zahl derjenigen, die mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus kommen, steige seit Jahren stetig. Und das, obwohl bekannt ist, dass "Komasaufen" tödlich enden kann. Nicht selten landen die Patienten auf der Intensivstation. 1600 Euro, so schätzt die Techniker Krankenkasse, kostet die Behandlung pro Fall.

Offensichtlich gehen Frauen vorsichtiger mit Alkohol um: Sieben von zehn Betrunkenen waren Männer. Meist handelte es sich um Erwachsene. Dennoch beruhigt die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die eingeliefert wurden, keineswegs. Denn sie ist - allen Präventionsprogrammen zum Trotz - wieder stark gestiegen: 1486 der Komatrinker waren Zehn- bis 20-Jährige. Das sind zwar immer noch weniger als im "Rekordjahr" 2012, aber fast acht Prozent mehr als 2013. 2012 war es in Trier, wo sich an Weiberfastnacht Dutzende Jugendliche krankenhausreif tranken, zu dramatischen Bildern gekommen. 2014 stand die Stadt, die für Weiberdonnerstag ein Alkoholverbot erlassen hatte, im Landesvergleich gut da: "Nur" fünf von 1000 Jugendlichen mussten wegen Rauschtrinkens behandelt werden. Am schlechtesten schnitt Pirmasens ab. Hier waren es 14 von 1000.

Im Vergleich der Landkreise zeigt sich, dass die Jugend im Kreis Bernkastel-Wittlich offenbar hemmungsloser trinkt als jene anderer Gegenden. Der Eifelkreis und Trier-Saarburg landen im Mittelfeld, während die Vulkaneifel verhältnismäßig wenige Fälle verzeichnet. Weil Alkohol gesellschaftlich akzeptiert ist, werden die Gefahren, die von der Droge ausgehen, oft unterschätzt: Dem Suchtsurvey des Instituts für Therapieforschung zufolge sind 3,4 Prozent oder 1,8 Millionen der deutschen Erwachsenen alkoholabhängig. Auf Rheinland-Pfalz umgerechnet wären dies 85.700 Menschen.