Immer öfter fallen Züge aus, weil Lokführer fehlen

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In der Region Trier fehlen nicht nur Busfahrer. Auch Lokführer werden verzweifelt gesucht. Die Folge: Immer öfter kommt es zu Zugausfällen.

Immer öfter kommt es zu Zugausfällen, weil Lokführer fehlen. Davor warnt die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) in Rheinland-Pfalz. Das bekämen auch die Bahnfahrer in der Region zu spüren, sagt Lars Kreer, EVG-Landesvorsitzender. Fast alle in Rheinland-Pfalz fahrenden Bahnunternehmen suchen händeringend nach Lokführern. Allein die Deutsche Bahn sucht im Internet über 700 Lokführer. Allerdings setzt sie dabei auf Quereinsteiger. So geht aus einer Internetstellenazeige des Unternehmens hervor, dass es Bewerber für den Standort Trier für kommendes Jahr sucht.

Mindestalter: 20 Jahre, Hauptschulabschluss, gute Deutschkenntnisse, abgeschlossene Berufsausbildung. Das sind die Voraussetzungen, um Lokführer zu werden. Und zwar innerhalb von neun Monaten. „Als ausgebildeter Lokführer sorgst Du dafür, dass unsere Reisenden sicher, pünktlich und bequem ihr Ziel erreichen“, heißt es in der Internetstellenanzeige der Deutschen Bahn, in der sie für 1. Januar jemanden für den Quereinstieg zum Lokführer für den Standort Trier sucht.

In neun Monaten zum Triebwagenführer, wie der Beruf offiziell heißt. Das stößt bei den Gewerkschaften auf Protest. Normalerweise dauere eine umfassende Ausbildung zum Lokführer drei Jahre, heißt es bei der Eisenbahner- und Verkehrsgewerkschaft. Die Qualifikation für den Beruf sei auch genau festgelegt.

Weil aber der Markt an Lokführern bundesweit leergefegt ist, wie der Geschäftsführer des für den Schienennahverkehr zuständigen Zweckverbands SPNV Nord, Thorsten Müller, kürzlich bei der Verbandsversammlung sagte, setzen die Unternehmen wie die Deutsche Bahn auf Quereinsteiger. Bundesweit fehlen demnach über 2000 Lokführer. Bei der Bahn erhielten in diesem Jahr bereits 1600 Bewerber eine Jobzusage als Lokführer. Laut dem Bündnis „Allianz pro Schiene“ kommen bundesweit auf 100 offene Lokführerstellen nur 25 Bewerber.

Das bekommen auch zunehmend die Bahnnutzer zu spüren. Züge fallen aus. In der Region Trier ist die Lage noch nicht so dramatisch wie am Mittelrhein. Das private Bahnunternehmen Transregio musste wegen Lokführermangels die Zugfahrten zwischen Mainz und Köln reduzieren. Am Wochenende fahren nur noch alle zwei Stunden Züge, außerdem werden Busse eingesetzt, um alle Fahrgäste transportieren zu können.

Um Quereinsteiger zu finden, die sich zum Lokführer ausbilden lassen wollen, wirbt das Unternehmen mit einer Antrittsprämie von 3000 Euro brutto. „Sie sind technikbegeistert und wünschen sich einen sicheren Arbeitsplatz?“, wirbt Transregio um Bewerber.

Doch ist der Job des Lokführers tatsächlich so sicher angesichts der Entwicklung beim autonomen Fahren? Werden Lokführer auf absehbare Zeit überhaupt noch benötigt?  Es sei klar, dass autonome Züge in den kommenden zehn bis 20 Jahren nicht in der Fläche fahren werden, sagt der Bundesvorsitzende der Lokführergewerkschaft, Claus Weselsky. Auch für die Deutsche Bahn liegt ein solches Vorhaben den Unternehmensangaben zufolge aufgrund des komplexen Schienennetzes noch in ferner Zukunft.

In der Region Trier komme es wegen fehlender Lokführer immer wieder einmal zu Zugausfällen, sagt Lars Kreer, Landesvorsitzender der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft. Allein die Deutsche Bahn sucht im Internet über 700 Lokführer. Wie sich die Situation bei der Bahn konkret darstellt, wie viele Lokführer fehlen, ist unklar. Eine Anfrage unserer Zeitung bei der Deutschen Bahn ist bislang unbeantwortet geblieben.

Laut der Lokführergewerkschaft macht sich auch hier der Lokführermangel bemerkbar. Viele seiner Kollegen müssten Überstunden leisten, weil Personal fehle, sagt Christian Bußer, Bezirksvorsitzender der Gewerkschaft der Lokführer. Als einen Grund für den Personalmangel nennt er, dass bei den Ausschreibungen zumeist das Unternehmen den Zuschlag bekomme, das das günstigste Angebot abgebe. „Es werden gerade nur so viele Kollegen beschäftigt, damit man dem Verkehrsvertrag gerecht wird“, sagt Bußer.

Ein anderes Problem in der Region Trier sei das benachbarte Luxemburg. Auch dort suche  man Lokomotivführer. Viele seiner Kollegen wechselten zur dortigen Bahn.  „Man kann es ihnen nicht verübeln, denn dort verdient der Lokführer circa 1000 Euro mehr.“ Das Einstiegsgehalt in Deutschland liegt für einen Lokführer zwischen 1800 und 2400 Euro brutto. Danach verdienen DB-Lokführer bei der Deutschen Bahn etwa 2700 Euro brutto monatlich.

Neben diesen Gründen führe die hohe Belastung der Lokführer auch dazu, dass immer mehr Kollegen krank und damit dienstunfähig würden und ausfielen. Diese Ausfälle seien nicht von heute auf morgen zu kompensieren. „Lokführer ist längst kein Traumberuf mehr“, sagt Bußer.

Um dauerhaft gutes und motiviertes Personal zu finden und auch an sich zu binden, müssten sich die Arbeitsbedingungen des Zugpersonals deutlich verbessern. Und auch die Wertschätzung der Bevölkerung müsse wieder steigen. „Schließlich“, so Bußer, „waren die Lokführer trotz der Widrigkeiten immer bereit, Mehrarbeit und eine hohe Anzahl an Wochenenddiensten abzuleisten, damit die Fahrgäste an ihr Ziel gelangen.“

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