Immer weniger Billigflüge: Droht Flughafen Hahn das Aus?

Verkehr : Immer weniger Billigflüge: Droht Flughafen Hahn das Aus?

Alleine von Fracht kann der Airport nicht existieren, sagen Beobachter. Wirtschaftsminister Wissing will nun chinesische Firmen in den Hunsrück locken.

Der Hahn befindet sich weiter im Sinkflug. Davon ist der Flughafenplaner Dieter Faulenbach überzeugt. Der Offenbacher geht im Gespräch mit unserer Zeitung davon aus, dass sich der Billigflieger Ryanair in Raten vom Hahn verabschiedet. „Nach meiner Einschätzung wird Ryanair mit Vergünstigungen in Frankfurt gepampert, um sich dauerhaft vom Flughafen Hahn zurückzuziehen“, sagt Faulenbach. Er nehme an, dass der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport den Hahn „plattmachen“ wolle.

Alleine über die Fracht könne der Hunsrück-Flughafen keine Gewinne erwirtschaften. Die Fracht am Hahn wuchs zwar im vergangenen Jahr um 41,6 Prozent auf fast 180 000 Tonnen. Laut Faulenbach reiche die Größenordnung aber bei weitem nicht aus, um einen Flughafen in die schwarzen Zahlen zu führen. Er sehe auch ein weiteres wirtschaftliches Risiko, wenn die Zahl der Passagiere unter die Zwei-Millionen-Marke falle.

Die Zahl an Fluggästen – im vergangenen Jahr waren es rund 2,1 Millionen – dürfte am Hahn drastisch fallen. Ryanair hat in dieser Woche erklärt, Flugziele vom und zum Hunsrück fast um die Hälfte zu streichen. Der Billigflieger bietet im Winterplan nur noch 16 Strecken an, wo es im Jahr zuvor noch 29 waren.

In einer Stellungnahme wirft Ryanair Land und Bund vor, für das ausgedünnte Angebot verantwortlich zu sein. Die erhobenen Steuern seien ein Vielfaches der Flughafengebühren und beeinträchtigten die Wettbewerbsfähigkeit des Hahn. „Dieser Faktor in Verbindung mit der schwachen Performance einer Reihe von Strecken führte zu der wirtschaftlichen Entscheidung, unseren Betrieb in Hahn für den Winter zu verkleinern“, erklärt der Billigflug-Anbieter, der Maschinen auch in Luxemburg, Frankfurt und Köln/Bonn starten lässt. Die Hahn-Geschäftsführung reagierte auf telefonische TV-Anfragen nicht.

Rund 2000 Arbeitsplätze sollen in der Region am Flughafen Hahn hängen. Der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Volker Wissing (FDP) gibt den Airport nicht auf. In einem Redaktionsgespräch beim Trierischen Volksfreund sagte Wissing: „Der Hahn hat eine echte Chance, wenn die Chinesen dort wirtschaftlich etwas realisieren wollen. Die hohen Investitionen in den Flughafen machen mir Mut, dass China dort Investitionen tätigt.“ Auch Wissing selber will Firmen in die Region locken. Er plane, im Herbst nach Hainan – Sitz von Hahn-Hauptanteilseigner HNA – zu fliegen und dort über die Ansiedlung von Unternehmen im Hunsrück zu sprechen. „Wir haben unseren Landeswerbefilm auch in chinesischer Sprache aufgelegt, werben für unser Land in China. Karl Marx und Trier kommen dort gut an“, sagt Wissing.

Bei Verkehrsprojekten in der Region zeigt sich der Minister im Gespräch mit dem TV optimistisch, dass es bald vorangeht: Die Hochmoselbrücke werde in diesem Jahr fertig. Beim Moselaufstieg starte nun eine Verkehrsuntersuchung, die 90 000 Euro koste. Beim A-1-Lückenschluss peilt der Minister Baurecht bis zum Jahr 2021 an. Der Landesbetrieb Mobilität müsse zunächst aber 320 Einwendungen auswerten. Wissing spricht sich dafür aus, Planungen zu beschleunigen.

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