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Immobilienkreditrichtlinie: Für viele Familien und Senioren platzt der Traum vom Eigenheim

Immobilienkreditrichtlinie: Für viele Familien und Senioren platzt der Traum vom Eigenheim

Die eigene Immobilie gilt angesichts niedriger Zinsen gerade jetzt als Geldanlage. Doch wer derzeit ein Eigenheim kaufen will, stößt auf gewaltige Hürden. Denn neue Vorgaben des Gesetzgebers verschärfen die Kreditvergabe.

Eine junge Familie kann ihr Einfamilienhaus für 350.000 Euro nicht kaufen, weil unklar ist, ob die Frau nach der Erziehungszeit arbeiten geht. Ein Rentnerpaar kann den seniorengerechten Umbau des Eigenheims nicht finanzieren, weil es mit 73 und 68 Jahren angeblich zu alt für einen Kredit ist. Ein Zeitsoldat der Bundeswehr kann die Eigentumswohnung nicht finanzieren, weil seine Arbeitsbefristung von zehn Jahren nicht ausreicht, um seine Zahlungsfähigkeit auch künftig zu sichern. Drei Beispiele, die zeigen, dass es immer schwieriger wird, einen Immobilienkredit aufzunehmen. In Bayern haben Raiffeisenbanken bereits etwa jede fünfte Kreditanfrage abgelehnt.

Der Grund: Mit Stichtag 21. März hat die Bundesregierung die "Wohnimmobilienkreditrichtlinie" der EU in deutsches Gesetz gegossen, wonach die Banken sicherstellen müssen, dass Kredite für den Schuldner tragbar sind.

Reicht eine Finanzierung bis ins Alter, müssen die Institute nun gar eine mögliche Rente mit in ihre Berechnung einbeziehen. Denn zur Tilgung des Kredites wird nur noch das laufende Einkommen berücksichtigt. Früher dagegen galt die Immobilie selbst noch als Sicherheit für den Kredit. Denn die Bank konnte diese verkaufen, wenn der Kunde nicht mehr zahlungsfähig war. Dies fällt nun weg.

Das neue Gesetz bringt die regionalen Sparkassen sowie Volksbanken und Raiffeisenbanken deshalb auf die Barrikaden. "Die Immobilienkreditrichtlinie ist unausgegoren", sagt Norbert Friedrich, Vorstand der Volksbank Trier, beim zweiten Bankengipfel des Trierischen Volksfreunds. Gerade in der aktuellen Niedrigzinsphase, in der die Banken angehalten seien, ausreichend Kredite zu vergeben, sei das Gesetz sogar "geschäftsverhindernd".

Wenn ein Berater "bisher vier Gespräche zur Immobilienfinanzierung leisten konnte, schafft er heute nur noch zwei", sagt Ingolf Bermes, Vorstandschef der Kreissparkasse Bitburg-Prüm. Die neuen Regeln zur Immobilienfinanzierung sollen verhindern, dass in einigen Jahren massenhaft Kredite ausfallen, wenn die Zinsen wieder steigen und eine teurere Anschlussfinanzierung fällig werden könnte. Eine Sorge, die die regionalen Geldinstitute nicht teilen.

"Wir haben doch auch früher schon geschaut, ob wir jemandem einen Kredit geben können", sagt der Vorstandschef der Kreissparkasse Vulkaneifel, Dietmar Pitzen. Und sein Kollege Edmund Schermann von der Sparkasse Mittelmosel Eifel Mosel Hunsrück hält fest: "In der gesamten Region sind Zwangsversteigerungen von Immobilien die Ausnahme."

Kommentar: Warum die neue Immobilienkreditrichtlinie die Falschen trifft