Immobilienpreise: So teuer ist Wohnen in den Städten der Region

Kostenpflichtiger Inhalt: Wirtschaft : Vier Zimmer, 700 000 Euro und es wird gekauft

Maklern zufolge sind es vor allem wohlhabende Senioren aus der Region, die sich teure Eigentumswohnungen in den Städten leisten. Dass das Wohnen in Luxemburg teurer ist als in München oder Hamburg, spielt natürlich auch eine Rolle.

Auf Facebook werden derzeit fleißig Immobilienanzeigen aus Trier geteilt. Allerdings wohl nicht, weil die Nutzer glauben, dass ihre Freunde ein Interesse daran hätten zuzuschlagen. Sondern weil selbst Trierer über die Preise staunen, die in ihrer stetig wachsenden Stadt inzwischen verlangt werden: 652 000 Euro soll das 124 Quadratmeter große Penthouse eines Neubaus am Trier-Wester Moselufer kosten. Hinzu kommen ein Stellplatz für 22 000 Euro und Kaufnebenkosten, die auch ein paar Zigtausend Euro ausmachen dürften. Zusammen also mehr als 700 000 Euro. Für vier Zimmer.

„Schnäppchen!“, schreibt der eine ironisch. „Die sind wahrscheinlich für die Luxemburger gebaut worden ... Unsereiner kann sich diese Preise niemals leisten“, vermutet eine andere. „Bei den vielen wohnungslosen Millionären, die in Trier wohnen, genau die richtigen Herbergen“, meint ein Dritter sarkastisch.

Wer kauft so was? Dem Trierer Immobilienmakler Stephan Franzen zufolge sind es meist wohlhabende Senioren aus dem Umland, die sich derart teure Wohnungen leisten. Die Familienstrukturen hätten sich geändert. Der Sohn sei Arzt in München, die Tochter Steuerberaterin in Hamburg. Da ziehen Ältere in die Stadt, wohnen schick, zentral und barrierefrei so lange es geht – bis sie dann womöglich irgendwann ins Heim müssen.

Ein Phänomen, das nicht nur in Trier, sondern auch in Wittlich, Saarburg oder Bitburg zu beobachten ist. Wittlich erlebt aktuell einen Bauboom: 50 neue Wohnungen entstehen bis 2020 im Wittlicher Zentrum. Auch in der Bierstadt ist die Nachfrage enorm. „Wohnungen werden schon reserviert, bevor der Bau startet“, sagt Andreas Schömann von der Bitburger Firma Immobilien Franzen. Auch dort seien viele der Käufer ältere Eifeler, die ihre riesigen Grundstücke nicht mehr pflegen wollen und lieber in die Stadt ziehen. „Die Infrastruktur gibt hier was her“, sagt Schömann. Der demografische Wandel dürfte also Hauptursache der Entwicklung sein.

Ein weiterer Faktor, der Druck auf den Markt ausübt, ist die Tatsache, dass immer mehr Menschen in ­Singlehaushalten leben. Und natürlich: Ganz unberechtigt ist die Vermutung nicht, dass die hohen Preise mit Luxemburg zusammenhängen. „Die Stadt Luxemburg ist teurer als alles, was es in Deutschland gibt“, sagt Franzen. In Belair zahle man an die 10 000 Euro pro Quadratmeter. Mehr als in München, Hamburg, Frankfurt oder Berlin.

Eine Million Euro braucht man, um sich ein 100-Quadratmeter-Appartment leisten zu können. Kein Wunder also, dass ein Großteil derer, die im Großherzogtum arbeiten, im nahen Ausland lebt. Und dass auch viele Luxemburger vor den hohen Immobilienpreisen flüchten. Dank der vergleichsweise hohen Einkommen fällt es den Pendlern leichter, teure Immobilien zu finanzieren oder andere zu überbieten. Wer selbst schon mal im Grenzgebiet auf der Haussuche war, weiß: Gut gelegene und gleich bewohnbare Immobilien gehen gerne mal über dem Angebotspreis weg.

Bei alledem verwundert es nicht, dass die Preise an Saar, Sauer oder Obermosel derart in die Höhe schnellen. Im Landkreis Trier-Saarburg ist das Preisniveau für eine Eigentumswohnung laut Landesgrundstücksmarktbericht rasant gestiegen:  von 2017 bis 2018 durchschnittlich um 5,6 Prozent und von 2018 bis 2019 durchschnittlich um weitere sechs Prozent. Bei der Preisentwicklung spielt der Landkreis in einer Liga mit der Stadt Koblenz, dem Kreis Ahrweiler oder Kaiserslautern.

Auch in den anderen Kreisen der Region sind die Preise für Eigentumswohnungen gestiegen. Allerdings moderater: Im Eifelkreis Bitburg-Prüm von 2017 auf 2018 um fünf Prozent, im Jahr darauf „nur noch“ um 2,1 Prozent. Im Landkreis Vulkaneifel und im Landkreis Bernkastel-Wittlich legten die Preise 2017/2018 um 3,1 Prozent und 2018/2019 um 2,3 Prozent zu.

Der Trierer Makler Hans-Peter Bär ist überzeugt: „Sie werden noch weiter steigen“. Das glaubt auch Franzen. „Seit 15 Jahren nehmen wir das Wort Immobilienblase in den Mund. Gekommen ist sie nicht“, sagt der Immobilienexperte. Schon als er 2006/2007 im Trierer Herz-Jesu-Garten beim Verkauf von Neubauwohnungen erstmals die 3000-Euro-Marke für den Quadratmeter knackte, hätten viele gesagt: „Das ist eine Blase“. Inzwischen wird in Trier die 5000-Euro-Marke erreicht. Und ein Ende ist nicht in Sicht.

Zumal Bauland auf längere Sicht ein extrem knappes Gut bleiben wird. Der Trierer Gutachterausschuss fürchtet, dass die Preise durch die Decke schießen, nun da feststeht, dass das Baugebiet Brubacher Hof nicht kommt. All das erhöht den Druck auf den Immobilienmarkt. In Trier, aber auch im Umland, wo die Nachfrage stellenweise ebenfalls größer ist als das Angebot.

Wer weiß, über welche Summen künftig debattiert wird, wenn Trierer Immobilienanzeigen auf Facebook teilen.

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