1. Region
  2. Rheinland-Pfalz

In 195 Orten der Region Trier fehlen Bürgermeister-Kandidaten

Kommunalwahl : In 195 Orten der Region fehlen Bürgermeister-Kandidaten

Innenminister Lewentz genehmigt nach der Wahl am 26. Mai höhere Entschädigungen. Doch ein Kommunalverband klagt: Geld allein reicht nicht, um Menschen für ein Amt zu begeistern.

Bürgermeister nehmen Beschwerden an, wenn sich Nachbarn streiten, kleine Straßen zu Schlaglochpisten verkommen und der Kindergarten im Ort nicht genügend Platz bietet. Doch immer weniger Ehrenamtliche in der Region haben Lust auf ein solches Amt. Bei der Kommunalwahl am 26. Mai tritt alleine in der Region Trier in 195 von 551 Orten (plus Stadt Trier) kein einziger Bürgermeister-Kandidat an. Bei der Wahl 2014 gab es in 173 Dörfern keinen Freiwilligen, der seinen Finger hob, teilt das Statistische Landesamt mit.

Die meisten Kandidaten fehlen im Eifelkreis Bitburg-Prüm (105). 45,1 Prozent der Orte bieten dort keinen Kandidaten auf. In der Vulkaneifel fehlen in der Hälfte aller Dörfer (49,5 Prozent) Freiwillige. Auch in 25 Orten im Kreis Bernkastel-Wittlich und elf Gemeinden von Trier-Saarburg können Einwohner keinen Bürgermeister wählen. „Es gibt einen Trend, den man nicht verneinen kann“, zeigt sich Karl-Heinz Frieden, Geschäftsführer des rheinland-pfälzischen Städte- und Gemeindebundes, besorgt. Der Mann, der in Nittel (Kreis Trier-Saarburg) von 1990 bis 2006 Ortsbürgermeister war, sagt: „Die Aufgaben für Bürgermeister wachsen, sie müssen trotz Berufs rund um die Uhr ansprechbar sein, im E-Mail-Zeitalter erwarten viele Menschen schnell eine Antwort.“

Frieden geht davon aus, dass sich nach der Wahl Freiwillige finden, die sich von den kommunalen Räten wählen lassen. Heinz Haas, Bürgermeister von Irrel (Eifelkreis Trier-Bitburg), ist da kritischer. Der 75-Jährige, der nicht erneut antritt, sagt: „Bei uns sieht es nicht gut aus. Ohne Bürgermeister fehlen Ansprechpartner vor Ort, die sich um die Gemeinden kümmern“, sagt Haas. Amtsträger fühlten sich oft vom Land und den Kreisen im Stich gelassen.

Um deren Engagement zu würdigen, sollen Bürgermeister mehr Geld bekommen. Innenminister Roger Lewentz (SPD) kündigt an: „Es wird eine Erhöhung von fünf Prozent bei den Aufwandsentschädigungen der ehrenamtlichen Bürgermeister geben.“ Die Regel soll ab dem 1. Juli 2019 gelten und staffelt sich nach Größe der Gemeinden. Wer Bürgermeister einer Gemeinde zwischen 1251 und 1500 Einwohnern ist, soll künftig 1173 Euro statt bislang 1118 Euro im Monat verdienen. Räte könnten die Summe bei hoher Belastung noch erhöhen.

Trotzdem hinkt Rheinland-Pfalz anderen Bundesländern hinterher, klagt der Städte- und Gemeindebund. In Bayern kann der Amtsträger einer 3000-Einwohner-Gemeinde bis zu 4386 Euro verdienen, sagt der Kommunalverband. Mehr Geld reicht nicht aus, findet Karl-Heinz Frieden. Er wirbt für Modelle wie in Luxemburg, wo ehrenamtliche Bürgermeister von Gemeinden das Recht haben, für eine gewisse Zahl von Stunden von ihrer Arbeit freigestellt zu werden.

Landesweit hat sich die Zahl der Orte ohne Bürgermeister-Kandidaten im Vergleich zu 2014 von 400 auf 465 erhöht. Dafür ist der Frauen-Anteil unter den Bewerbern von elf auf 15 Prozent gestiegen. 67 000 Bewerber gibt es für 32 000 Mandate in Räten von Städten, Kreisen, Verbandsgemeinden und Dörfern.

3,1 Millionen Menschen im Land wählen am 26. Mai auch das Europäische Parlament. Bischöfe wie der Trierer Stephan Ackermann warnen in einem Hirtenbrief davor, Europa den Rücken zu kehren.

Dörfer suchen verzweifelt Ortschefs