In den Kindergärten der Region fehlen Fachkräfte

In den Kindergärten der Region fehlen Fachkräfte

Der Kreis Trier-Saarburg bietet für die Hälfte aller Kinder unter drei Jahren einen Betreuungsplatz an - im landesweiten Vergleich spitze. Die hohen Ausbaukosten haben die Gemeinden trotz gegenteiliger Versprechen von Bund und Land vorwiegend selbst tragen müssen.

Trier/Mainz. Heidi Thelen (Name geändert) ist verzweifelt. Seit Monaten sucht die alleinerziehende Mutter in Trier nach einem Betreuungsplatz für ihren zweijährigen Sohn Kilian. Weder in einem Kindergarten noch in einer Tagespflege ist etwas frei. Die junge, gut ausgebildete Frau muss irgendwie ihren Job mit der Erziehung ihres Sohnes in Einklang bringen. Weil es nicht anders geht, springt täglich Thelens 86-jährige Mutter ein. Womit die Seniorin deutlich überlastet ist.
Thelen ärgert sich: "Die Politiker quatschen ständig von der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Davon kommt bei mir nichts an." Sie sei mit ihrem Problem keinesfalls alleine, hat die 33-Jährige festgestellt. Auch einige Bekannte würden Kinderbetreuungsplätze suchen.
Eine TV-Anfrage bei der Verwaltung in Trier ergab: Es gibt derzeit etwa 2600 Kinder unter drei Jahren in der Römerstadt. Für mehr als die Hälfte davon (1487) haben Eltern einen Bedarf angemeldet. Zur Verfügung stehen vorerst aber nur 902 Plätze.
Trier ist damit keine Ausnahme. In vielen großen Städten des Landes, ob in Mainz, Koblenz oder Kaiserslautern, ist die Lage ähnlich.
Verschärfen könnte sich das Problem ab dem 1. August. Dann gilt bundesweit ein Rechtsanspruch für Kinder ab vollendetem ersten Lebensjahr. Nach Angaben des Familienministeriums leben etwa 32 000 einjährige Kinder in Rheinland-Pfalz. Bislang werde nur für 15 Prozent davon ein Betreuungsplatz beansprucht. Experten gehen davon aus, dass sich diese Quote deutlich erhöhen wird.
Im ländlichen Raum sieht die Sache besser aus. Der Kreis Trier-Saarburg hat für 3560 Kinder unter drei Jahren 1745 Plätze, das entspricht einer Quote von etwa 49 Prozent und liegt weit über dem Landesdurchschnitt. "Bisher konnten wir dem Bedarf in jedem Einzelfall entsprechen", betont Sprecherin Martina Bosch.
Obwohl im Eifelkreis Bitburg-Prüm, im Vulkaneifelkreis und im Kreis Bernkastel-Wittlich der genaue Bedarf an Plätzen (noch) nicht bekannt ist, wird auch hier die Kinderbetreuung massiv ausgebaut. Der Eifelkreis bietet zum 1. August 79 Plätz für Kinder unter zwei Jahren an und will nach Abschluss von Baumaßnahmen auf 223 Plätze kommen. Bernkastel-Wittlich hat 350 U2-Plätze bei 750 U2-Kindern, die im Landkreis leben. Der Vulkaneifelkreis bietet bis November für 426 Kinder 176 Plätze.
Mal deutlich, mal zurückhaltender kritisieren sowohl die Stadt Trier als auch die vier Kreise der Region, dass ihnen trotz leerer Kassen Kosten für den Kita-Ausbau aufgedrückt wurden. Die Beteiligung von Bund und Land mache "nur einen Teil aus", sagt Verena Bernardy, Sprecherin des Vulkaneifelkreises. Von einer "finanziellen Belastung der Kommunen" spricht ihr Wittlicher Kollege Manuel Follmann.
Der Kreis Trier-Saarburg hat genau gerechnet: 36 Millionen Euro seien für Aus-, Um- und Neubauten ausgegeben worden. 28 Millionen Euro davon hätten die Kommunen im Kreis finanziert. Beim "Krippengipfel 2007" sei aber eine Drittelfinanzierung von Bund, Ländern und Kommunen vereinbart worden. Der Kreis sei mithin auf 16 Millionen Euro, vier vom Bund und zwölf vom Land, sitzengeblieben.
Familienministerin Irne Alt nennt diese Zahlen: Seit 2008 seien 103,5 Millionen Euro des Bundes geflossen. In diesem und im nächsten Jahr kämen aus Berlin weitere 27,2 Millionen Euro in zwei Tranchen, eine davon finanziere das Land vor. Die Landesmittel beliefen sich auf 28,5 Millionen Euro. Die mit den kommunalen Spitzenverbänden vereinbarten Förderpauschalen seien ausreichend. Allerdings seien aufgrund des hohen Bedarfs mehr Plätze geschaffen worden als vereinbart, sagt Alt.
Ein anderes Problem stellt sich mancherorts und wird sich wohl noch verschärfen: Während die Stadt Trier freie Stellen für Erzieherinnen in Kindertagesstätten laut Pressesprecher Ralf Frühauf bislang "weitgehend besetzen kann" und auch im Eifelkreis "keine Anhaltspunkte für nicht besetzte Stellen bestehen", fehlen in Trier-Saarburg schon 18 Fachkräfte.
Der Kreis arbeitet mit Springern und Aushilfen. Aus Bernkastel-Wittlich heißt es, die Situation sei schwierig, eine "Personalauswahl kaum möglich".Meinung

Den Letzten beißen die Hunde
Was ist die Landesregierung stolz, dass der Ausbau der Kinderbetreuung in Rheinland-Pfalz besser funktioniert als in den meisten anderen Ländern. Rot-Grün schreibt sich das auf die Fahne. Es passt so schön ins Bild der kinderfreundlichen Politik mit kostenlosen Kitas, Universitäten und Schulbussen. Eltern, die bislang vergeblich für ihren Nachwuchs Betreuung suchen - und davon gibt es vor allem in den Städten viele -, muss das wie Hohn vorkommen. Ihnen klingen die vollmundigen Versprechen der Politiker im Ohr, die sich nicht erfüllt haben. Und wenn ein Platz gefunden ist, mangelt es immer häufiger an geeignetem Personal. Beim Ausbau der Kinderbetreuung leistet das Land seit Jahren finanziell nur einen kümmerlichen Beitrag. Der Bund zahlt seinen Anteil weitgehend. Doch ein großer Teil der Last bleibt bei denen hängen, die den Ausbau gar nicht beschlossen haben: den Städten und Gemeinden. Wie so oft beißen den Letzten die Hunde. Ausgemacht war eine Drittelaufteilung zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Rheinland-Pfalz drückt sich vor dieser Verantwortung. Man zieht sich auf den Standpunkt zurück, das stehe nicht wörtlich in der Vereinbarung von 2007. Erbärmlich, denn vom Geiste her ist sie eindeutig so formuliert. Das Land bringt zwar sehr viel Geld für die Betriebskosten der Kitas auf. Das hilft den Kommunen allerdings wenig, wenn die Maurer, Elektriker und Klempner anrücken. f.giarra@volksfreund.de

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