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In der Region fehlen Gewerbeflächen

Wirtschaft : In der Region fehlen Gewerbeflächen

Dem Brexit und Herrn Trump zum Trotz: Die Politik muss einem drohenden wirtschaftlichen Abschwung nicht tatenlos zuschauen, sagt die Industrie- und Handelskammer in Trier.

In der Region herrscht nahezu Vollbeschäftigung, Handwerker melden volle Auftragsbücher, Unternehmer suchen händeringend nach Fachkräften: Die Wirtschaft in der Region wächst seit Jahren. Doch immer schneller brauen sich die dunklen Wolken am Himmel zusammen, die auch Firmen im Raum Trier Kopfzerbrechen bereiten. Der offene Brexit, die „America-First“-Politik von US-Präsident Donald Trump und Handelskonflikte mit China haben den heißen Motor der Weltwirtschaft mächtig abkühlen lassen. Auch im Raum Trier, trotz der Nähe zu Luxemburg. „Die Region ist keineswegs von der deutschlandweiten Wirtschaftsentwicklung abgekoppelt, so dass auch hier mit einem sinkenden Wachstum zu rechnen ist“, sagt Sabine Plate-Betz, Geschäftsführerin der Vereinigung Trierer Unternehmer (VTU).

Nun fordert die regionale Wirtschaft die Politik zum Handeln auf, ehe es zu spät ist. Jan Glockauer, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier, verlangt mehr Reformen von Bund und Land. „Wir müssen auf der Bundesebene dafür sorgen, dass die Wettbewerbsfähigkeit erhalten bleibt und in Breitbandausbau, Stromnetze und Infrastruktur investieren. Das sind existenzielle Stellschrauben, um die Wirtschaft weiter wachsen zu lassen. Beim Industriepark in Föhren sehen wir, was möglich ist“, sagt Glockauer.

Aus Berlin erhofft er sich auch eine Unternehmenssteuerreform, die der umstrittene Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) zwar befürwortet, Finanzminister Olaf Scholz (SPD) aber ablehnt. „Daran führt kein Weg vorbei“, sagt Glockauer, der auch regionale Unternehmer im internationalen Vergleich benachteiligt sieht. „Bei den Unternehmenssteuern tragen wir im internationalen Vergleich bald die rote Laterne. Andere Länder senken die Steuern massiv. Wenn wir Unternehmen entlasten, steigen am Ende auch wieder die Steuereinnahmen“, fordert der Trierer IHK-Geschäftsführer.

Er moniert, dass nach den Jahren des Aufschwungs mehr über Sozialpolitik und die sogenannte Respektrente geredet werde. Ähnlich sieht es Landesvereinigung der Unternehmerverbände (LVU) in Rheinland-Pfalz. „Die Bundesregierung hat es versäumt, die zurückliegenden guten Jahre für eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und der Innovationskraft unserer Unternehmen zu nutzen. Im Zentrum stehen das Zurückdrehen der Agenda-2010-Reformen und eine sehr expansive Sozialpolitik. Das rächt sich nun“, sagt Präsident Gerhard Braun. Worte, die nicht jedem Gewerkschafter gefallen dürften.

Doch auch das Land muss aufs Gaspedal treten, fordert die Wirtschaft. Glockauer mangelt es an großen, ausgewiesenen Gewerbeflächen – auch in der Region Trier. „Selbst in Wittlich sind fast alle Flächen vergeben. Wir könnten mehr Anfragen bedienen, wenn mehr Flächen vorhanden wären“, sagt der Trierer IHK-Hauptgeschäftsführer. Es gebe zwar einen Standortfinder, wenn ein Investor eine Fläche in einem rheinland-pfälzischen Ort anfrage. Das reiche aber nicht aus. Immerhin: Ein Gutachten zu Gewerbeflächen sei vom Land in Planung. „Ein wichtiges Signal“, findet Glockauer.

Vom Land fordert der Trierer auch, bei Auftragsvergaben mehr Bürokratie abzubauen, die kleine Firmen abschreckten. Im Tourismus müssten Hotel-Betreiber nach der Übernahme ihres Betriebs prompt hohe Hürden überspringen, was hohe Summen koste – wie beim Brandschutz. Das erschwere neue Gründungen.

„Berufsschulen brauchen mehr Investitionen und neue Mitarbeiter, die sich gezielt um die digitale Infrastruktur kümmern. Der Informatik-Lehrer kann das nicht wie früher nebenher machen“, fordert die Trierer IHK ferner. Oft fehle es dort überhaupt an einer schnellen Internet-Verbindung. Die LVU erwartet auch, Gewerbegebiete stärker ans schnelle Internet anzubinden. Darauf lege die Landesregierung nach wie vor keinen Schwerpunkt, kritisiert die Unternehmervereinigung, die trotz dunkler Wolken am Himmel aber derzeit kein Gewitter in Form einer Rezession erkennt.

„Wir dürfen nicht vergessen, dass unsere Unternehmen seit Jahren stark ausgelastet sind und über dem langjährigen Durchschnitt produzieren“, sagt Gerhard Braun. Er schätzt, dass auch der Beschäftigungsaufbau weitergeht – „wenn auch verlangsamt“.