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In der Trauer ist es schwer, den Überblick zu bewahren

In der Trauer ist es schwer, den Überblick zu bewahren

Ist ein Angehöriger gestorben, müssen die Erben neben ihrer Trauer gleichzeitig viele rechtliche - zumeist auch noch fristgebundene - Angelegenheiten bewältigen. Was wann zu tun ist, damit beschäftigt sich der letzte Teil unserer Serie.

Eine der ersten Aufgaben für Angehörige eines Verstorbenen ist es, den Nachlass genau zu sichten. Dies sollten die potenziellen Erben gemeinschaftlich tun, damit es später im Familienkreis nicht zu Streitereien darüber kommt, welche Wertgegenstände zum Todeszeitpunkt noch vorhanden waren. "Den Nachlass zu regeln oder zu sichten, ist ein sehr emotionales Ereignis", weiß Steffen Breßler, Geschäftsführer der Notarkammer Koblenz.
Findet sich dabei im Nachlass ein Testament, muss dieses unbedingt sogleich zum Nachlassgericht gebracht werden. Komme man dieser Ablieferungspflicht nämlich nicht nach, könne dies sogar eine Bestrafung wegen Testamentsunterdrückung zur Folge haben, warnt Breßler. Er rät: "Um jegliches Risiko einer Strafbarkeit auszuschalten, sollte man im Zweifel jedes Dokument beim Amtsgericht abliefern, was auch nur im Entferntesten nach einem Testament aussieht."TV-Serie Erben & vererben



Die meisten Verträge gehen automatisch auf den Erben über. Daher kündigen viele diese Verhältnisse zeitig, um nach dem Tod des Erblassers nicht noch länger für Unnötiges zahlen zu müssen. Zu denken ist an Verträge über Strom, Gas, Telefon, Handy, Müll, Zeitungs- und Zeitschriftenabos sowie Internetaccounts (der TV berichtete). Um Missbräuche zu verhindern, sollten auch Vollmachten und Einzugsermächtigungen widerrufen werden, rät der Notarkammer-Geschäftsführer: "Gleichfalls sollte man EC- und Kreditkarten vorsorglich sperren lassen." Breßler warnt allerdings vor übereilten Schritten: "Kündigungen und Widerrufe sollte man nur vornehmen, wenn man sich entschieden hat, die Erbschaft auch tatsächlich anzutreten."
Der Erbe kann sich vor den Schulden des Erblassers, für die er aufkommen müsste, schützen, indem er die Erbschaft ausschlägt. Die Ausschlagung muss innerhalb von sechs Wochen in beglaubigter Form dem Nachlassgericht zugehen. Hat man die Erbschaft bereits angenommen, sind Fakten geschaffen - die Ausschlagung kann nicht mehr erklärt werden.
Zur Abwicklung des Nachlasses verlangen zahlreiche Stellen als Legitimationsnachweis den Erbschein. Der Antrag für den Erbschein ist beim Nachlassgericht am Wohnsitz des Erblassers zu Protokoll zu erklären. Alternativ kann auch jeder Notar dies tun. Die Gebühren für Gericht und Notar richten sich nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz und hängen vom Wert des Nachlasses ab. "Die Kosten für den Erbschein kann man sich allerdings sparen, wenn der Erblasser ein notarielles Testament hinterlassen hat. Das ersetzt im Gegensatz zum eigenhändig geschriebenen Letzten Willen den Erbschein. Auch wenn der Erblasser mittels einer notariellen Vollmacht vorgesorgt hat, die über den Tod hinausgeht, kommt man häufig ebenfalls ohne teuren Erbschein aus", weiß Breßler.
Befindet sich eine Immobilie im Nachlass, muss der Erbe das Grundbuch berichtigen lassen. Dafür ist zwingend ein Erbschein oder ein notarielles Testament nötig. "Der Grundbuchberichtigungsantrag sollte unbedingt innerhalb von zwei Jahren gestellt werden, da dann keine Gebühren dafür anfallen. Hat man seinen Erbscheinsantrag beim Notar erklärt, kann der Grundbuchberichtigungsantrag dort mit erledigt werden", sagt der Experte. So würden zahlreiche Behördengänge überflüssig.
Extra

Stirbt jemand zu Hause, stellt ein verständigter Arzt den Totenschein aus. Damit wird beim Standesamt eine Sterbeurkunde beantragt. Im Krankenhaus wird vieles automatisch geregelt. Verwandte, Arbeitgeber, Vermieter und Vereine müssen benachrichtigt werden. Spätestens 48 Stunden nach dem Tod müssen Institutionen informiert sein. Gibt es mehrere Erben, darf die Erbengemeinschaft nur einstimmig Geld überweisen und abheben. Damit die Bank erkennt, wer dazu- gehört, benötigt man einen Erbschein, der frühestens sechs Wochen nach dem Todesfall ausgestellt wird. Oft werden Mitkontoinhabern Verfügungen eingeräumt. Doch dürfen diese nicht einfach Geld abheben, solange der Erblasser oder der Erbe sein Okay nicht gegeben hat. Gibt es ein Testament? Ist eins hinterlegt bei Notar oder Gericht, werden Erben automatisch angeschrieben. Wer frühzeitig vorsorgen will, sollte zu Lebzeiten bei Bank oder Notar eine Kontovollmacht aufsetzen. Diese ist auch nach dem Tod gültig und erlaubt Bankgeschäfte. Infos gibt der Ratgeber der Verbraucherzentrale "Was tun, wenn jemand stirbt?" 9,90 Euro. sasExtra

Derzeit erhalten Verbraucher Post von Oliver Williams, einem angeblichen Rechtsanwalt aus Manchester/Großbritannien. Wortreich wird erklärt, ein entfernter Verwandter sei verstorben. Der Anwalt wolle 16 Millionen Dollar auszahlen. "Kriminelle versuchen mit fadenscheinigen Angaben Kasse zu machen", warnt Christian Gollner von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Doch es gebe weder die Kanzlei noch den Anwalt. Wer das angebliche Erbe antreten möchte, soll für Gebühren vorab Geld überweisen - oft mehrere Tausend Euro. "Wer zahlt, sieht sein Geld nie wieder", weiß er. Betroffene können sich bei der Verbraucherzentrale beraten lassen. sas