In Fußballvereinen riskiert jeder zweite Mann Geld bei Sportwetten

In Fußballvereinen riskiert jeder zweite Mann Geld bei Sportwetten

Immer mehr Menschen in Rheinland-Pfalz wetten auf Sportergebnisse. Die Zahl der Wettsüchtigen nimmt zu, auch in der Region Trier. Es ist ein Problem, das besonders junge Männer betrifft, die in Fußballvereinen aktiv sind.

Internet und Smartphone machen es möglich: Zu jeder Tageszeit und an fast jedem Ort sind Wetten auf Fußballergebnisse, für Handball, Formel I oder Tennis möglich. Vermeintlich hohe Gewinne, besonders bei Live-Wetten, locken vor allem junge Männer. "Noch ist die Zahl der Wettspielsüchtigen im Vergleich zu Alkohol und Drogen scheinbar gering", sagt Andreas Stamm, Leiter der Suchtberatungsstelle Die Tür in Trier. Er schätzt, das mindestens 250 Menschen in der Region Trier von Sportwetten abhängig sind. Aber: "Diese Zahl wird zunehmen."

Anders als beim Glücksspiel mit Automaten lassen sich fast ausschließlich Männer auf das riskante Spiel mit Sportwetten ein. Sie sind im Durchschnitt zwischen 20 und 30 Jahre alt, stehen im Berufsleben und sehen sich selbst als Sportexperten. Da überrascht es nicht, wenn die Landeszentrale für Gesundheitsförderung (LZG) festgestellt hat, dass sich zwar lediglich drei Prozent der Gesamtbevölkerung an Sportwetten beteiligen. Bei Mitgliedern von Fußballvereinen steige diese Zahl aber auf mehr als 50 Prozent.

Problematisches Wettverhalten führt junge, fußballbegeisterte Menschen besonders häufig in eine psychische und soziale Notlage. 70 000 Euro hat zum Beispiel Christian J. (30) aus Bitburg in nur wenigen Jahren verspielt. Seine Beziehung ging in die Brüche. Über die Geschichte seiner Sucht hat er mit dem Trierischen Volksfreund gesprochen.

Unter dem Motto "Ins Abseits gespielt?" hat die LZG gemeinsam mit dem südwestdeutschen Fußballverband und dem Fußballverband Rheinland Ende September eine Informationskampagne gestartet, um besonders junge Amateurfußballer für die Suchtgefahr von Sportwetten zu sensibilisieren. Die Informationskampagne stößt bei den Vereinen selbst noch auf keine Resonanz, wie Suchtberater Andreas Stamm bedauert. Ein Sprecher des Fußballverbandes Rheinland sieht darin aber keinen Hinweis auf ein generelles Desinteresse: "Die Vereine sind noch nicht über die Angebote der LZG informiert worden. Dies wird aber zeitnah erfolgen."

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