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In Irland müssen Warnhinweise auf Weinflaschen: Was heißt das für Moselwinzer?​

Getränke : Vorsicht, Alkohol! In Irland müssen jetzt Warnhinweise auf Weinflaschen: Was heißt das für die Moselwinzer?

Auf Zigarettenpackungen wird in der EU schon länger vor Gesundheitsgefahren gewarnt. Jetzt führt Irland als erstes europäisches Land auch Warnhinweise auf alkoholischen Getränken ein. Die Italiener sind empört. Welches Land folgt als nächstes?

Nicht nur viele Winzer sind auf dem Bäumchen: Als erstes Land in der Europäischen Union führt Irland Warnhinweise auf Wein- oder Bierflaschen ein. Alle Einspruchsfristen der EU seien abgelaufen, schreiben mehrere Fachmedien. Irland sei bereits beim 2004 verhängten Rauchverbot in allen Pubs, am Arbeitsplatz und in öffentlichen Gebäuden Vorreiter gewesen, heißt es. Jetzt will das Fünf-Millionen-Einwohner-Land auch vor den Gefahren von Alkoholkonsum warnen. Nach den Plänen der irischen Regierung soll künftig jedes alkoholische Produkt einen Warnhinweis bekommen, wonach Alkohol Krebs verursachen könne. Schwangere sollen besonders gewarnt werden.

Alkoholwarnung: So empört reagieren die Italiener

Italienische Weinhersteller haben bereits eine Kampagne gegen die Schocketiketten angekündigt. Die Präsidentin des Verbands der italienischen Weinproduzenten kritisiert die irische Regelung als „einseitig, diskriminierend und unverhältnismäßig“. Dass die EU grünes Licht für die Warnetiketten gegeben habe, sei ein direkter Angriff auf den weltweit führenden Weinerzeuger und -exporteur Italien, schimpfte auch der italienische Landwirtschaftsverband Coldiretti.

Alkoholwarnung:Das sagen die Moselwinzer

Demgegenüber klingen die Töne aus Deutschland noch eher gemäßigt. Die neue irische Regelung sei bedauerlich, sagte der Geschäftsführer des Weinbauverbands Mosel, Maximilian Hendgen, unserer Redaktion. Die Warnungen seien undifferenziert und bildeten nicht den wissenschaftlichen Erkenntnisstand zu diesem Thema ab, sagt Hendgen. Zudem würden die Harmonisierung der Rechtsvorschriften innerhalb der EU und die Warenverkehrsfreiheit durch den nationalen Alleingang Irlands blockiert.

So viel Moselwein trinken die Iren

Laut dem Geschäftsführer des Vereins Moselwein, Ansgar Schmitz, ist Irland kein bedeutender Markt für den Moselwein-Export, wenn auch in den vergangenen Jahren der Trend der Ausfuhren nach oben zeige. In der Liste der Exportländer für Weine der geschützten Ursprungsbezeichnung Mosel habe Irland im Jahr 2021 auf Platz 31 (von 100 aufgeführten Ländern) gestanden.

In der Liste der Exportländer für Weine der geschützten Ursprungsbezeichnung Mosel stand Irland im Jahr 2021 auf Platz 31 (von 100 aufgeführten Ländern). 100.000 Liter Wein seien im vorletzten Jahr auf die Insel exportiert worden.

Alkoholkonsum: Warnhinweise? Ja, aber...!

Moselwein-Geschäftsführer Schmitz geht davon aus, dass die Warnhinweise für die Ausfuhren von Moselwein nach Irland „vermutlich nicht förderlich sein“ werden. Generell hätten Weine von der Mosel aber den Vorteil, dass sie meist einen relativ niedrigen Alkoholgehalt haben. Für bewusst einkaufende Verbraucher könne es durchaus ein Argument sein, einen Wein mit acht oder zehn Volumenprozent Alkohol zu wählen statt einen mit 13 oder mehr, sagt Schmitz. Nach seinen Angaben ist die Weinwerbung grundsätzlich für Aufklärung über die Gefahren von Alkoholmissbrauch und über einen moderaten und bewussten Genuss von Wein. Die drastischen Warnhinweise halte er aber für übertrieben.

Auch der Weinbauverband Mosel ist nach Angaben seines Geschäftsführers nicht generell gegen eine Regelung mit Warnhinweisen. Nur müsse diese Regelung „verhältnismäßig, europaweit einheitlich, praktisch gut umzusetzen und von allen Seiten akzeptiert“ sein. „Damit wäre auch unseren Winzern geholfen“, die vor allem Planungssicherheit und Konstanz bräuchten, sagt Maximilian Hendgen.

Vor allem mit der Planungssicherheit ist es derzeit so eine Sache. Nach Informationen der Lebensmittelzeitung plant nicht nur Irland Warnhinweise auf alkoholischen Getränken; auch Brüssel habe das Thema auf dem Radar. Spätestens im Frühjahr wolle die EU hierüber debattieren.