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In Trier sind Gräber viel teurer als in Bitburg, Daun oder Morbach

Kostenpflichtiger Inhalt: Gesellschaft : In Trier sind Gräber viel teurer als in Bitburg, Daun oder Morbach

Viele rheinland-pfälzische Städte haben ihre Bestattungsgebühren erhöht. Wie teuer eine Beerdigung wird, hängt in der Region sehr stark davon ab, wo man lebt. Die Unterschiede sind gewaltig.

Stiefmütterchen auf einer riesigen, glänzenden Granitplatte, ein flackerndes Kerzenlicht in der Messinglaterne, ein Grabstein mit eingravierten Namen. Auf Friedhöfen ein ganz normaler Anblick – und doch wollen sich heute nur noch die wenigsten so bestatten lassen. Zwei Drittel der Deutschen wählen nach Einschätzung des Bundesverbandes Deutscher Bestatter inzwischen die Feuerbestattung.

Vielleicht, weil sie ihren Angehörigen die Grabpflege ersparen wollen. Zumal die Kinder mit ihren Familien oft weit entfernt leben. Vielleicht, weil die Vorstellung, im Boden zu verwesen, zu abschreckend ist. Vielleicht auch ganz einfach, weil Urnenbestattungen meist günstiger sind als Erdbestattungen.

Ins Geld geht eine Beerdigung allerdings immer. Eine Analyse des Steuerzahlerbundes und des Vereins Aeternitas zeigt, dass die Friedhofsgebühren in 36 von 60 betrachteten rheinland-pfälzischen Kommunen seit 2013 deutlich gestiegen sind. Auf die Frage nach dem Grund für die Erhöhung, teilt die Stadt Koblenz mit, es gebe inzwischen nur noch wenige Erdbestattungen. „Zurzeit finden etwa 75 Prozent Urnenbeisetzungen und nur noch 25 Prozent Erdbestattungen statt.“ Das bedeute für die Stadt Kosten. „Denn durch die kleineren Grabflächen bei den Urnengräbern, verbleiben immer mehr Freiflächen, die es zu pflegen gilt“, erläuterte ein Sprecher die Lage. Neben dem Trend zur Urne hin schlügen außerdem gestiegene Personalkosten zu Buche.

Auch in Trier kennt man dieses Problem, auf das die Stadt schon vor Jahren reagiert hat: Auf vielen städtischen Friedhöfen wurden Grünflächen angelegt, die leichter zu pflegen sind und zudem als öffentliches Grün nun aus dem städtischen Haushalt finanziert werden – und nicht über die Bestattungsgebühren, die schon jetzt deutlich höher sind als in vielen anderen Gemeinden der Region.
So kostet das Nutzungsrecht für ein Reihengrab in Trier aktuell 1100 Euro, hinzu kommen 620 Euro Bestattungsgebühren und Verwaltungsgebühren. In anderen Städten wie Konz und Bitburg sind die Bestattungsgebühren zwar exakt genauso hoch. Das Reihengrab kostet in Konz allerdings 300 weniger, in Bitburg 280 Euro weniger. In Wittlich zahlt man 678 für die Überlassung eines Reihengrabs, In Morbach nur 400 Euro und in Watzerath (Verbandsgemeinde Prüm) sogar nur 180 Euro. Auch sind die Gebühren für das Ausheben und Schließen eines Grabes vielerorts deutlich niedriger als in der Moselmetropole.
Noch gewaltiger sind die Unterschiede bei den Urnengräbern. So kostet ein Urnenreihengrab in Watzerath nur 100 Euro, in Bitburg 230 Euro, in Morbach 300, in Wittlich 395, in Daun 500 Euro, in Trier 330 (anonym), 950 Euro (normal), oder 1300 Euro (in Gemeinschaftsanlage) und in Konz 1200 (anonym) bis 1800 Euro (in Gemeinschaftsanlage).

Der Steuerzahlerbund kritisiert diese enormen Unterschiede in einer 2018 veröffentlichten Studie und fordert mehr Übersichtlichkeit, Transparenz und Gerechtigkeit. Auch fordert er, Friedhöfe sparsamer zu führen, zum Beispiel indem Städte auf eigene Friedhofsgärtnereien verzichten und günstige private Dienstleister beauftragen.

Die Friedhofsgebühren einfach so senken, können hoch verschuldete Kommunen wie Trier allerdings nicht. Gemeinden mit einem defizitären Haushalt sind schließlich angehalten, zu sparen, andererseits müssen sie ihre Einnahmequellen ausschöpfen, etwa bei den Grundsteuern oder den Friedhofsgebühren.

Und so sind auch in Trier weitere Erhöhungen nicht ausgeschlossen. „Geändert werden die Gebühren voraussichtlich im späten Frühjahr 2020“, teilt die Stadtverwaltung mit. Eine entsprechende Vorlage sei derzeit in Arbeit. Denn die bisherige Kostenkalkulation sei schon neun Jahre alt. Wie die Gebühren 2020 verändert würden, sei noch nicht absehbar.

In Mainz gab es dem Wirtschaftsbetrieb der Stadt zufolge in den vergangenen Jahren drei Gebührenerhöhungen. In diesem Jahr werde sich aber nichts ändern, erklärte ein Sprecher. Der Grund für die höheren Kosten: Die Zahl der Beerdigungen sei im Laufe der Jahre weitgehend konstant geblieben, aber immer mehr Leute wollten eine vergleichsweise günstige Urnenbestattung.

Anfang der 1990er seien etwa 40 Prozent aller Beerdigungen eine Urnenbestattung gewesen, heute seien es 75 Prozent. So fehle es an Einnahmen. Personal oder Bagger müssten aber dennoch bezahlt werden. Auch dann, wenn sich die Bestattungskultur grundlegend wandelt und die klassischen Doppelgräber mit ihren riesigen glänzenden Granitplatten immer seltener zu sehen sind.