In „zwei, drei Jahren“ sollen Drohnen die Weinberge in Steillagen spritzen.

Weinbau : Land will mehr Drohnen und weniger Helikopter im Weinberg

Das rheinland-pfälzische Verkehrsministerium rechnet in „zwei, drei Jahren“ mit einem standardmäßigen Einsatz der Fluggeräte in Steillagen.

Der Schock saß tief im Mosel-Ort Sen­heim, als im Juli 2016 plötzlich ein Hubschrauber bei Weinbergsspritzungen abstürzte. Der Helikopter krachte in einen Weinberg, rutschte eine Böschung hinunter und blieb auf der Nebenstraße eines Wohngebiets völlig zerstört liegen. Der Pilot hatte Glück im Unglück: Er wurde nur leicht verletzt.

Neben der Gefahr des Absturzes beklagen Anwohner in Steillagen-Nähe häufig den knatternden Lärm der Hubschrauber, der ihnen Schlaf und Nerven raubt. 53 Beschwerden sind landesweit zwischen den Jahren 2015 und 2018 bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier eingegangen. Das zeigt die Antwort des rheinland-pfälzischen Verkehrsministeriums auf eine Anfrage des Vulkaneifeler FDP-Abgeordneten Marco Weber. Der Lissendorfer setzt sich dafür ein, in den Steillagen mehr Drohnen einzusetzen und Winzern den Zugang zu der Technologie zu ermöglichen.

„Wir wollen den Winzern helfen, zukünftig auf den teuren Einsatz eines Hubschraubers verzichten zu können. Der Einsatz der Helikopter ist außerdem sehr laut und kilometerweit zu hören“, sagt Weber.

Verkehrsstaatssekretärin Daniela Schmitt (FDP) brachte am Freitag gute Nachrichten in den Landtag: Sie rechne damit, dass die Weinberge an Mosel, Rhein und Ahr in „zwei, drei Jahren“ standardmäßig mit Drohnen gegen Pilzkrankheiten geschützt werden können. Wenn die gegenwärtigen Untersuchungen mit dieser Technik zum Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln abgeschlossen seien, werde der großflächige Einsatz von Drohnen in den Steillagen von Weinbergen möglich, so die Staatssekretärin.

Mit der Unterstützung von Spritzdrohnen wolle die Landesregierung „ganz klar einen Beitrag zur Erhaltung dieser wunderbaren Kulturlandschaft leisten“ und die Winzer in ihrer schweren Arbeit unterstützen, sagte Schmitt. Um die Zulassung nach dem Luftfahrtrecht kümmere sich die zuständige Fachgruppe im Landesbetrieb Mobilität (LBM), um die pflanzenrechtlichen Bestimmungen die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD).

Seit 2011 werde an dem Einsatz von Drohnen im Weinberg am Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum in Bernkastel-Kues geforscht, „wir kommen aber bis heute nicht richtig weiter“, kritisierte der Rioler CDU-Abgeordnete Arnold Schmitt. Der allgemeine Einsatz im Steillagenweinbau werde von schwierigen bürokratischen Verfahren verhindert.

Drohnen könnten im Vergleich zu den bisher eingesetzten Hubschraubern Spritzmittel gezielter einsetzen und daher die Menge reduzieren, sagte der SPD-Abgeordnete Wolfgang Schwarz. Ebenso könnten Drohnen auch andere Aufgaben im Weinberg übernehmen – wie zum Beispiel das Gewinnen frühzeitiger Erkenntnisse zu Wachstum und Reife oder möglichem Düngebedarf im Wingert.

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Jutta Blatzheim-Roegler, die in Bernkastel-Andel lebt und den Wert der Steillagen für Artenschutz lobt, berichtete: „Wenn die Hubschrauber morgens um 5 Uhr losfliegen, ist die Lärmbelästigung erheblich. Es besteht auch immer die Gefahr, dass ein Hubschrauber in Starkstrom-Leitungen fliegt und es zu tödlichen Unfällen kommt.“

Mit den Stimmen aller Fraktionen wurden zwei Anträge zum Steillagenweinbau – der eine von den Ampelfraktionen, der andere von der CDU – in den Fachausschuss überwiesen. Beide Anträge nennen auch die Unterstützung für neu gezüchtete Rebsorten, die als pilzwiderstandsfähige „Piwi-Sorten“ mit deutlich weniger Pflanzenschutzmitteln auskommen.

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