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Invasion der Plagegeister - Lästige Arten erobern das Land

Invasion der Plagegeister - Lästige Arten erobern das Land

Invasionen haben noch selten Frieden und Freude gebracht. Und so verheißt auch das Wörtchen invasiv nichts Gutes.

 voll erblühtes drüsiges Springkraut am Saarufer bei Saarburg
voll erblühtes drüsiges Springkraut am Saarufer bei Saarburg Foto: Karl-Otto Heuser

Biologen benutzen es für Pflanzen- oder Tierarten, die nicht nur gebietsfremd sind, sondern die sich zudem aggressiv auf Kosten anderer Arten ausbreiten und unerwünschte Auswirkungen haben.

Die meisten der mehr als 2400 eingewanderten Gefäßpflanzen, die es deutschlandweit gibt, sind völlig harmlos. Sie bereichern die heimische Flora.

38 Arten hingegen sind richtige Plagegeister. 42 weitere Pflanzenarten stehen bundesweit im Verdacht, dass sie noch zum Problem werden könnten. Hinzu kommen invasive Tierarten, Insekten und Pilze, die Krankheiten übertragen, Rohre verstopfen, Deiche zerlöchern, Rotes Obst sauer machen, Maiswurzeln anbohren oder Bäume zerstören. Hier finden sich einige Beispiele für Arten, die in Rheinland-Pfalz und der Region Trier neuerdings ihr Unwesen treiben.

Stinktierkohl (Lysichiton americanus) stammt aus Nordamerika, gehört zu den Aronstabgewächsen und kann bis zu 80 Jahre alt werden. Er verdankt seinen Namen der ebenso auffälligen wie übel riechenden Blüte und wächst in Sümpfen und feuchten Wäldern. Im Salmwald (Vulkaneifel) wird er bekämpft, da er seltene heimische Gewächse verdrängt. Bekämpfung: Samt Wurzel ausgraben.

Orientalisches Zackenschötchen (Bunias orientalis): Das aus Südosteuropa eingeschleppte, dem Raps sehr ähnliche Zackenschötchen breitet sich seit kurzem stark aus: Es erobert Wiesen, Weiden, Trockenhänge, Brachflächen und Weinberge. Problematisch ist dies, weil die Bestände so flächig wachsen, dass Gras und andere Pflanzen keine Chance mehr haben. Grünland wird so entwertet. Denn "Fressfeinde" fehlen: Auch Kühen und Pferden schmeckt das Schötchen viel zu bitter. Im Winter verwelkt die mehrjährige Pflanze, so dass der Boden ungeschützt der Erosion ausgesetzt ist. Bekämpfung: Die wirksamste Bekämpfung besteht im vollständigen Ausstechen der Pflanze samt Pfahlwurzel. Größere Bestände sollten ab Mitte Mai im Abstand von 10 Tagen gemäht werden, bevor sich die eigentlichen Blüten (gelb) bilden. Maßnahme so lange wiederholen, bis keine Blüten mehr auftreten.

Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera): Dieses violett blühende Springkraut wurde im 19. Jahrhundert als Zierpflanze nach Europa gebracht. In feuchten Wäldern, insbesondere entlang der Bäche und Flüsse der Region wuchert es üppig. Problematisch ist dies, da die Bestände der rund zwei Meter hohen Pflanze andere Arten oder gar ganze Pflanzengesellschaften bedrohen. Bekämpfung: Die einjährige Pflanze lässt sich durch Ausreißen und Mähen gut bekämpfen. Dies sollte vor der Blüte passieren.

Kirschessigfliege (Drosophila suzukii): Diese aus Asien stammende Verwandte der heimischen Taufliegen ist besonders bei Gärtnern, Winzern und Obstbauern verhasst. Sie vermehrt sich rasant und bohrt rote Früchte an, um ihre Eier darin abzulegen. Diese werden ungenießbar. Die Landesregierung lässt aktuell nach umweltschonenden Verfahren zur Bekämpfung der Kirschessigfliege forschen.

Zebramuschel (Dreissena polymorpha): Die dreieckige Zebra- oder auch Wandermuschel lebt im Süßwasser. Sie ist so konkurrenzstark, dass sie Ökosysteme verändern kann. Während Wasservögel und Karpfen dank der neuen Muschel schlemmen können, sorgt sie in manchem Kühlsystem und in mancher Schiffsrohrleitung für Verstopfung. Systematisch zurückdrängen lässt sie sich nicht. Fressfeinde können die Muschel aber in Schach halten.

Buchsbaumzünsler (Cydalima perspectalis): Die rheinland-pfälzische Landwirtschaftskmmer fürchtet, dass man sich in Europa langfristig vom Buchsbaum verabschieden muss. 2007 tauchte der Buchsbaumzünsler, ein ostasiatischer Kleinschmetterling, erstmals in Deutschland auf und hat sich seitdem stark verbreitet. Seine Raupen fressen die Büsche kahl. Bekämpfung: Raupen absammeln, Lichtfallen, spritzen.

Der Signalkrebs (Pacifastacus liniusculus) ist aus Nordamerika eingewandert und stellt eine Gefahr für heimische Flusskrebse dar. Denn er ist nicht nur größer und aggressiver, sondern auch resistent gegenüber der ebenfalls aus Nordamerika stammenden Krebspest. Die Tiere haben einen virulenten Stamm des Erregers mit nach Europa gebracht.

Gewöhnlicher Staudenknöterich (Fallopia japonica): Der Siegeszug des Staudenknöterichs hat in heimischen Gärten begonnen. Er ist laut Umweltministerium in Rheinland-Pfalz eine der problematischsten Pflanzenarten, nicht nur, weil er sich stark ausbreitet, riesig wird, andere Pflanzen verdrängt und kaum kleinzukriegen ist. Sondern auch, weil er mit seinen Kriechsprossen Deiche und Uferböschungen so durchlöchert, dass sie instabil werden. Bekämpfung: Weil der Knöterich riesige, robuste Rhizome (unterirdische Sprosse) ausbildet, ist die Bekämpfung extrem schwierig. Am besten: Gar nicht erst anpflanzen. Junge Pflanzen lassen sich noch herausreißen (Achtung: Teile nicht auf den Kompost, sondern in den Müll werfen). Bei größeren Beständen hilft nur, sie durch regelmäßige Mahd auszuhungern.

Die Spanische Wegschnecke (Arion lusitanicus) ist der natürliche Feind jedes Gärtners. Sie verdrängt die rote Wegschnecke.

Küchenschaben (Blatta orientalis) überleben in beheizten Gebäuden und verunreinigen Lebensmittel.

Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum): Bloß nicht berühren! So lautet die wichtigste Regel im Umgang mit den riesigen Pflanzen, die in den Tälern der Region - zum Beispiel entlang der Kyll - inzwischen weit verbreitet sind. Denn die Pflanzen sind - ganz besonders für Kinder - eine echte Gesundheitsgefahr. Sie enthalten Stoffe, die fototoxische Reaktionen hervorrufen: Trifft Sonnenlicht auf die Stellen, die mit der Pflanze in Kontakt kamen, kann es zu Hautrötungen, -entzündungen und sogar Verbrennungen zweiten Grades kommen. Wer doch Kontakt mit einem Riesen-Bärenklau hatte, sollte direkte Sonneneinstrahlung mehrere Tage lang meiden. Bekämpfung: Es hilft, die Pflanze ab Mitte Juli, wenn sie bereits Früchte bildet, abzuschneiden und im Restmüll zu entsorgen. Allerdings treibt sie oft später wieder aus. Daher ist Ausgraben am nachhaltigsten. Größere Bestände werden gemäht oder mit Pflanzenschutzmitteln behandelt. Im Eifelkreis hat sich gezeigt, dass eine systematische Bekämpfung zu teuer und zeitaufwendig wäre.