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Inzwischen gibt es eine Vielzahl von Bestattungsformen

Trauer : Das Thema ist kein Tabu mehr

Auf Friedhöfen hat sich viel verändert. Die Vielzahl der Bestattungsformen hilft auch Menschen ohne Geld beim würdigen Abschied.

Auf den rund 32 000 Friedhöfen in Deutschland hat es über Jahrhunderte wenig Wandel gegeben. Die Deutschen entschieden sich meist traditionell für eine Erdbestattung oder ein Urnengrab – je nach Glauben. Doch nach 1945 gab es erste Veränderungen, etwa weil wenig neue Familiengrüfte hinzukamen. So hat das Institut tns Infratest herausgefunden, dass sich nur noch 43 Prozent der Deutschen für ein klassisches Sarg- oder Urnengrab entscheiden. Und zwei von drei Bestattungstypen erfolgen in der Urne. Tendenz steigend. Derzeit sucht sogar die Kreisverwaltung Trier-Saarburg einen Amtsarzt mit Schwerpunkt Leichenschau, weil vor einer Einäscherung immer eine Amtsarztprüfung fällig ist.

Der Wunsch nach Individualisierung bei Bestattungen nimmt zu. Darauf hat auch die Diözese Trier reagiert, die als erste in Deutschland vor zehn Jahren die Bestattung in einem Friedwald zugelassen hat. Der Anteil sogenannter pflegefreier Beisetzungsformen wie Waldbestattung, Urnenwand oder anonymes Urnenfeld hat sich allein von 2013 auf 2016 um sechs Punkte auf nun 32 Prozent erhöht. Dies liegt zum einen daran, dass die Hälfte der Deutschen, die Eltern im Alter von 70 Jahren und älter haben, mehr als zwei Fahrstunden entfernt wohnen und sich daher nicht um die Grabpflege kümmern können oder wollen.

Andererseits nimmt die Zahl der Sozial- und Armengräber zu: plus 64 Prozent innerhalb von zehn Jahren auf 23 400 Fälle im Jahr 2015 laut dem Statistischen Bundesamt. „Wenn das komplette Vermögen für die Pflege verbraucht ist, ist häufig eine klassische Erdbestattung nicht finanzierbar, so dass nur noch ein Sozialbegräbnis bleibt“, sagt Caroline Klasen vom Betreuungsverein Sozialdienst katholischer Frauen (SKF) in Trier. Zwar habe die Erhöhung des Schonvermögens für Sozialhilfeempfänger im April 2017 auf 5000 Euro dazu beigetragen, eine Wunschbestattung zu erhalten. „Aber häufig kennen die Angehörigen die finanzielle Situation des Verstorbenen nicht.“ Und der Staat muss einspringen. Von 500 Euro (Stadt Wittlich) bis 830 Euro (Stadt Trier) für eine anonyme Urnenbestattung bis hin zu 1000 bis 2300 Euro für eine Sargbestattung im Reihengrab reichen da die kommunalen Kosten in der Region Trier.

Die Folge: eine Zunahme von billigsten und pflegeleichtesten Grabformen meist als anonyme Bestattungen, sagt Bestatter Guido Eis aus Wittlich und Vorstand im Bestatterverband Rheinland-Pfalz: „Anonyme Armenbegräbnisse liegen auch bei den Bestattern in der Hierarchie weit unten und gehen in Richtung ‚Entsorgung’“, bemängelt er. Mittellose aus der Stadt Wittlich etwa werden anonym auf den Friedhöfen der Krematorien in Braubach-Dachsenhausen (Westerwald) und Hermeskeil (Trier-Saarburg) bestattet. Historisch betrachtet wurde mit solchen Bestattungen bis zum 19. Jahrhundert die kirchliche und gesellschaftliche Ächtung eines Menschen zum Ausdruck gebracht.

Aber auch immer mehr Menschen wählen bewusst eine anonyme Grabstätte. „Wir erleben allerdings, dass diese Menschen ihren Angehörigen eine aufwendige Grabpflege ersparen wollen und doch innerlich oft nicht froh mit ihrer Wahl sind“, sagt Günther Crames vom Betreuungsverein Sozialdienst katholischer Männer (SKM) in Trier. Denn laut dem Theologen werde den Angehörigen so der Umgang mit Trauer und Schmerz nicht erspart. Und so komme es immer wieder vor, dass Angehörige die Anonymisierung später wieder rückgängig gemacht haben.  Daher sei es gut, schon vorher mit einer Vertrauensperson über die Wünsche oder eine spezielle Vorsorge zu sprechen (siehe unten).

„Das Thema Bestattungsvorsorge ist wichtiger geworden. Wem dies finanziell möglich und ein wichtiges Anliegen ist, sollte seine Bestattung frühestmöglich regeln“, rät Caroline Klasen vom SKF Trier.  Die Bestattungsformen hätten sich erheblich geändert, so dass es inzwischen für Menschen ohne großes Einkommen möglich sei, „menschenwürdig bestattet zu werden“.

Vor allem mit der Eröffnung der Urnengruft im Trierer Stadtteil Maria­hof vor acht Jahren hat sich dies verändert. „Niemand soll aus finanzieller Not oder aus Scham vor einem verwahrlosten Grab eine Verstreuung der Asche oder ein anonymes Grab wählen müssen“, hatte die Pfarreiengemeinschaft Trier-Heiligkreuz, St.-Maternus-St. Michael, ihre Idee formuliert. „Und weil es mehr Optionen auch für kleinere Geldbeutel gibt, können auch ärmere Menschen in Absprache mit dem Ordnungs- und Sozialamt eine gewünschte und würdige Form der Bestattung erhalten“, sagt Caroline Klasen. Nur seien die Wahlmöglichkeiten oft nicht bekannt. Für Guido Eis und seine Mitarbeiter bedeutet dies in erster Linie, dass sich das Spektrum der Arbeit erweitert hat. Haben Bestatter oder Schreiner früher allein einen Sarg verkauft und wurde Grabaushub und Blumenschmuck von Nachbarn oder Angehörigen erledigt, sind Bestatter heute Dienstleister von der Trauerkarte bis zur Trauerfeier. Allein bei Eis sind zwei Mitarbeiter beschäftigt, die Grabreden halten. Gerade mit persönlichen Wünschen und  Vorsorgeverträgen werden die Bestatter immer häufiger konfrontiert. Bei Vorsrogeverträgen schließen Menschen bereits zu Lebzeiten mit einem Bestatter ihrer Wahl einen Vertrag ab, der ihnen die Bestattung nach persönlicher Festlegung sichert. „Wurde früher ein Vorsorgevertrag pro Monat abgeschlossen, sind es heute zwei pro Woche“, sagt Eis. Für viele bedeute dies eine Erleichterung und Absicherung: „Erstens wissen die Leute, was mit ihnen passiert. Zweitens passiert genau das, was sie sich wünschen, und drittens ist die Finanzierung ihrer Wünsche abgesichert.“