"Irgendwann habe ich völlig den Überblick verloren"

"Irgendwann habe ich völlig den Überblick verloren"

Wegen gewerbsmäßiger Untreue in 138 Fällen muss sich ein ehemaliger Mitarbeiter der Universität Trier vor dem Amtsgericht verantworten. Der 57-Jährige soll durch jahrelange Finanztricksereien über 120 000 Euro veruntreut haben. Gestern legte er ein Teilgeständnis ab.

Trier. Immer den Überblick zu bewahren, fällt an diesem Donnerstagmorgen im Saal 54 des Trierer Justizgebäudes nicht leicht. Welche Gelder wann aus welchem Grund wohin transferiert worden sind, darüber kann auch der Angeklagte in vielen Fällen nur noch mutmaßen. "Vielleicht war das eine Ausgabe für Kaffee und Milch", sagt er einmal, "das müsste für Bettbezüge gewesen sein", ein anderes Mal.

Der heute 57-Jährige war beim Akademischen Auslandsamt an der Universität Trier jahrelang für die Betreuung der ausländischen Studenten zuständig: Er vermittelte den Studis Zimmer und behielt die Provision ein, er organisierte Veranstaltungen und Reisen, kümmerte sich um Zuschüsse und Stipendien. Und für die Seniorenstudenten war der Mann auch noch zuständig. "Was ich damals allein gemacht habe", sagt er rückblickend, "machen heute vier, fünf Leute."

Fakt ist: Dem seit 1988 beim Akademischen Auslandsamt beschäftigten Mann wuchsen seine Aufgaben irgendwann über den Kopf. "Allein die ganze Zimmervermittlung hat mich an den Rand des Wahnsinns gebracht", sagt er dem Vorsitzenden Richter Helmut Reusch und fügt hinzu: "Fragen Sie ruhig meinen Arzt."

Aber es geht in diesem Prozess nicht um die Gesundheit des Mannes, sondern seine finanziellen Transaktionen. Einfach gesagt, soll er private und berufliche Geldgeschäfte so vermischt haben, dass er selbst nicht mehr durchblickte. "Irgendwann", sagt er, "habe ich den Überblick völlig verloren." Kam irgendwo Geld herein, etwa die monatliche Mietzahlung eines Studenten, wurde davon gleich das Loch auf einem anderen Konto gestopft. Auch wenn es sich dabei um die Kosten einer Seniorenreise handelte, die noch nicht gezahlt waren, oder die noch offene eigene Telefon-Rechnung.

Möglich war das alles nur, weil der Uni-Angestellte auch die dienstlichen Geldgeschäfte über Konten abwickelte, die auf seinen Namen liefen. Gestört hat das von den Hochschul-Verantwortlichen offenbar niemanden, obwohl es warnende Stimmen gegeben haben soll. "Ich bin zwölf Jahre lang nie kontrolliert worden", sagt der Angeklagte.

"Ich war ein chaotischer Buchhalter"



Fast unvorstellbar, jonglierte er doch nach eigenen Angaben jährlich mit einer dreiviertel Million Euro Studierendengelder herum. "Ich war ein chaotischer Buchhalter", sagt der Angeklagte und fügt nach einer kleinen Pause hinzu: "Ich war gar kein Buchhalter." Vor knapp fünf Jahren flog der Schwindel auf, dem für sein Engagement sogar ausgezeichneten Uni-Mitarbeiter wurde fristlos gekündigt. Die Ermittlungen - eine Sisyphusarbeit, die Staatsanwalt Sebastian Jakobs jahrelang beschäftigte. Auf 121 000 Euro schätzt er den Gesamtschaden. Gestern räumt der Angeklagte ein, rund 14 000 Euro für private Zwecke abgezweigt zu haben. Studierende, die etwa eine Kaution zunächst nicht zurückbekommen hatten, sollen von der Uni entschädigt worden sein.

Der Prozess wird übernächste Woche fortgesetzt.