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Irische Muskelspiele am Hahn lösen Bedauern aus

Irische Muskelspiele am Hahn lösen Bedauern aus

Die irische Fluggesellschaft Ryanair, mit 95 Prozent aller Passagierflüge praktisch Monopolist am Hunsrück-Flughafen Hahn, lässt wieder die Muskeln spielen. Ihre Ankündigung, neun Ziele von den Flugplänen zu streichen werden in der Landespolitik bedauert.

Die einen schimpfen auf die Bundesregierung, die anderen wiegeln ab: Auf diesen kurzen Nenner lassen sich die Reaktionen auf die von Ryanair angekündigte Flotten- und Streckenreduzierung bringen. Die Iren ziehen Konsequenzen aus der in Berlin beschlossenen Luftverkehrsabgabe, die ab 1.Januar greift. Maximal 45 Euro pro Ticket sind dann von den Kunden als Aufschlag zu zahlen, bei Kurzstrecken wie vom Hahn in der Regel acht Euro. Die Bundesregierung plant mit Einnahmen von einer Milliarde Euro.
Wirtschafts- und Verkehrsminister Hendrik Hering (SPD) sagt, die Reduzierung des Flugangebots sei bedauerlich und „der unsinnigen Luftverkehrsabgabe des Bundes geschuldet“. Vor den negativen Folgen einer einseitigen Belastung für den Standort habe er im Sommer gewarnt.

Differenziert betrachtet Alexander Licht, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, die Entwicklung. „Das ist bedauerlich. Andererseits ist es merkwürdig, wenn ein angeblich verlässlicher Partner Flüge streicht, ohne die genauen Auswirkungen der Luftverkehrsabgabe zu kennen.“ Er sei „nicht glücklich“ mit der Abgabe und hätte eine europaweite Lösung bevorzugt. „Man muss aber berücksichtigen, dass die EU ohnehin in diese Richtung drängt.“

FDP-Fraktionschef Herbert Mertin hält es für „vorgeschoben“, wenn Ryanair mit der neuen Flugsteuer argumentiert. „Es ist vielmehr eine betriebswirtschaftliche Entscheidung, nicht rentable Strecken zu streichen.“ Auf bestimmten Linien seien die Passagierzahlen schon seit geraumer Zeit rückläufig. Die Grünen kommentieren: „Die Ankündigung zeigt, dass die Landesregierung sich von Ryanair am Nasenring ziehen lässt.“ Billigfliegerei sei „ohne hohe Subventionen nicht rentabel“. Die Landesregierung stecke jährlich über 15 Millionen Euro an Steuergeld in den Hahn, ohne dass es mit den Passagierzahlen aufwärts gehe.

Alexander Licht verlangt von der Landesregierung, „größere Anstrengungen zu unternehmen, um neue Fluggesellschaften zu gewinnen“. Eben das, bekräftigt Ministeriumssprecher Joachim Winkler, geschehe derzeit. „Es eröffnen sich neue Perspektiven, denn Ryanair hatte bislang die meisten Strecken belegt.“ Seit längerem gebe es Interessenten, mit denen nun intensiv gesprochen werde. Darüber hinaus liefen Gespräche, um Investoren zum Einstieg zu bewegen. Das Land ist mit 82,5 Prozent Mehrheitseigner des Flughafens. Der Flughafenbetreiber hat ein Fünf-Punkte-Maßnahmenpaket erarbeitet, um die Einbußen beim Passagierverkehr – kalkuliert wird für 2011 mit 800000 bis einer Million Fluggästen weniger – zu kompensieren. Er will die Frachtfrequenzen erhöhen, seinerseits Passagierairlines akquirieren, bisher an externe Dienstleister ausgelagerte Aufträge vom eigenen Personal erledigen lassen, Kosten senken und den Umsatz pro Passagier erhöhen. Neue Möglichkeiten erhofft man sich zudem vom Nachtflugverbot am Flughafen Frankfurt, das im Februar ein Gericht wahrscheinlich bestätigen wird.

Während Ryanair-Manager Michael Cawley darauf setzt, dass die Bundesregierung ebenso „demütig“ wie die Niederlande die Steuer zurücknimmt, zeigt sich Wirtschaftsminister Hering überzeugt: „Langfristig wird die Entwicklung des Flughafens weiter positiv verlaufen.“ CDU-Politiker Alexander Licht pflichtet bei: „So dramatisch, wie es aussieht, wird es nicht werden.“

CHRONOLOGIE

Ryanair und der Hahn:
7.April 1999: Der erste Ryanair-Jet startet vom Hahn. Ziel: London-Stansted.
November 1999: Die dritte Ryanair-Boeing wird auf dem Hahn stationiert.
4.Oktober 2006: Der zwölfmillionste Ryanair-Hahn-Passagier wird begrüßt.
23.Oktober 2006: Beinahe-Kollision einer Ryanair-Maschine mit einem Tornado der Bundesluftwaffe.
20.Dezember 2006: Für die Pilotenausbildung am Hahn schafft Ryanair drei Simulatoren zum Stückpreis von acht Millionen Euro an. 25.April 2007: Ryanair-Boss O’Leary plant ab 2010 Flüge in die USA mit einer Langstrecken-Tochter.
18.Dezember 2008: Der Flughafen Hahn präsentiert eine geplante Flughafengebühr, den sogenannten „Hahn-Taler“. Ryanair droht mit dem Abzug von Maschinen.
12.Januar 2009: Die Flughafengesellschaft verzichtet auf den „Hahn-Taler“. Mit der Gebühr von drei Euro pro Passagier wollte der Airport aus den roten Zahlen kommen. Im Gegenzug zieht Ryanair die Drohung eines Flugzeugabzugs zurück.
25.Februar 2009: Das Oberlandesgericht Koblenz weist in einem Berufungsverfahren die Klage der Lufthansa gegen den Billigflieger Ryanair ab. Die Kranich-Linie wirft der Low-Cost-Airline Wettbewerbsverzerrung vor.
1. Oktober 2009: Ryanair-Passagiere können nur noch via Internet einchecken.
20. Mai 2010: Ryanair will 25 Millionen am Hahn in ein Schulungs- und Wartungszentrum investieren. Wegen der Flugsteuer kündigt Ryanair die Streichung von Flügen an