Waffen: „Jede einzelne Waffe ist eine zu viel“

Waffen : „Jede einzelne Waffe ist eine zu viel“

Die Gewerkschaft der Polizei begrüßt, dass illegale Pistolen und Gewehre freiwillig abgegeben werden können. Sie hofft, dass sich die Gefahr von Gewaltdelikten dadurch reduziert. Weniger als fünf Prozent der Waffenbesitzer in der Region werden regelmäßig kontrolliert.

Die Schredderanlage einer Trierer Spezialfirma dürfte in den nächsten Wochen einiges zu tun bekommen. Dorthin wird ein Großteil der in den vergangenen Monaten freiwillig von ihren Besitzern bei den rheinland-pfälzischen Waffenbehörden abgegebenen Waffen gebracht und vernichtet. Seit Juli vergangenen Jahres waren das immerhin 6651 Schusswaffen. Darunter waren 2847 illegale Waffen, also Pistolen, Gewehre und Stichwaffen, für die die Besitzer keine Genehmigung hatten und die nicht bei den Behörden registriert waren. Wird der Besitzer einer illegalen Waffe erwischt, drohen ihm bis zu fünf Jahren Haft. Im Rahmen einer bundesweiten Amnestie wird den Besitzern ermöglicht, ihre nicht registrierten Waffen innerhalb eines Jahres straffrei abzugeben. Die jüngste Amnestie ist vor wenigen Wochen abgelaufen. Jede einzelne Waffe sei zu viel, sagt Bernd Becker, stellvertretender Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Waffen begünstigten die Gelegenheiten für gravierende Gewaltdelikte. Deshalb begrüße die GdP die wiederkehrende Straffreiheit für Besitzer illegaler Waffen bei deren Abgabe.

In den wenigsten Fällen allerdings werden bei den Straftaten im Land Schusswaffen benutzt. 510-mal war das im vergangenen Jahr der Fall, wie aus der Kriminalstatistik hervorgeht. Das mache im Verhältnis zur Gesamtzahl der registrierten Straftaten von 251 713 gerade mal 0,2 Prozent aus. In 267 dieser Fälle wurde tatsächlich geschossen, in den restlichen drohten die Täter mit der Waffe. Die meisten davon dürften illegal sein, also nicht offiziell bei den Waffenbehörden registriert.

Wie hoch die tatsächliche Zahl der illegalen Waffen ist, darüber gibt es keine Statistik. Und klar ist auch, dass Straftäter sich wohl kaum durch die Amnestie angesprochen fühlen. „Wir sind nicht blauäugig“, sagt Becker, „eine Waffe, die ein Krimineller aus kriminellen Motiven im Besitz hat, wird auf diese Weise nicht bei den Behörden abgegeben.“ Bei der Möglichkeit der freiwilligen Waffenrückgabe gehe es ja auch vielmehr „um Menschen, die ihre Meinung oder die Einstellung zu Waffen geändert haben und sie irgendwie loswerden wollen. Eine Familie vielleicht, die Nachwuchs bekommen hat und sicherstellen will, dass dem Kind keine Waffe zugänglich sein wird. „Fund- oder Erbstücke, bei denen der legale Zeitpunkt der Meldung und Abgabe versäumt wurde, machen sicher eine erklecklichen Anteil aus“, meint der Gewerkschafter. Die meisten illegalen Waffen stammen in der Tat aus Altbeständen, die etwa bei Haushaltsauflösungen nach Sterbefällen gefunden werden. Oft sind es auch Waffen, die vererbt wurden, deren neue Besitzer aber die Waffen nicht registrieren lassen oder auch nicht sicher aufbewaren.

Alle bei den Behörden registrierten Waffenbesitzern müssen damit rechnen, kontrolliert zu werden. Allein in Trier-Saarburg gibt es im Schnitt bei jeder dritten Kontrolle Beanstandungen, zumeist handelt es sich um nicht ordnungsgemäß gelagerte oder um gemeinsam mit Munition gelagerte Waffen. Oder einzelne gefundene Waffen wurden nicht in die Waffenbesitzkarte eingetragen. Allerdings müssen die rund 10 000 Waffenbesitzer in der Region nicht allzu oft damit rechnen, dass bei ihnen ein Mitarbeiter der zuständigen Kreisverwaltung oder der Stadt Trier klingelt. 402 Kontrollen haben im vorigen Jahr in der Region stattgefunden, wie eine Nachfrage unserer Zeitung bei den Waffenbehörden ergeben hat. Die meisten davon (328) im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Im Vulkaneifelkreis finden nach Auskunft der  Kreisverwaltung nur anlassbezogene Kontrollen statt, wenn also der Verdacht auf einen Verstoß besteht.

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