"Jeder Bürger muss sich entscheiden"

"Jeder Bürger muss sich entscheiden"

Die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Malu Dreyer hat sich gegen eine Widerspruchsregelung ausgesprochen. Im TV-Interview erläutert sie, warum sie dafür ist, dass sie Menschen, sich aktiv für oder gegen Organspende entscheiden sollen.

Trier. Malu Dreyer (SPD) nahm gestern an der Gesundheitsministerkonferenz in Frankfurt teil. Vor der Konferenz sprach unser Redakteur Bernd Wientjes mit der Ministerin.
Frau Dreyer, warum sind Sie gegen die Widerspruchsregelung bei der Organspende?
Dreyer: Die Widerspruchslösung ist schon ein sehr, sehr starker Eingriff ins Persönlichkeitsrecht. Es wird unterstellt, wer nicht widerspricht, will Organe spenden.
Bei einem so sensiblen Thema sollte man die Menschen auffordern, sich aktiv für oder gegen eine Organspende zu entscheiden. Mit der Widerspruchslösung unterstellt man ja, dass sich die Menschen dafür entschieden haben.
Wo liegt das Hauptproblem bei der geltenden Zustimmungsregelung?
Dreyer: Das Hauptproblem ist das Sich-Nicht-Kümmern der Bürger. Die meisten Menschen sagen, dass sie grundsätzlich bereit sind zur Organspende. Doch die wenigsten setzen sich damit ernsthaft auseinander und werden Organspender.
Worin liegt der Unterschied zwischen der geltenden Regelung und der von Ihnen favorisierten Entscheidungslösung?
Dreyer: Jeder Bürger wird aktiv aufgefordert, sich mit dem Thema zu beschäftigen und sich zu entscheiden.
Wenn jeder die Pflicht hat, sich zur Organspende zu äußern, wird die Zahl der Spender auch steigen. Die Zustimmung zur Organspende soll unbürokratisch auf dem Personalausweis oder dem Führerschein vermerkt werden können.
Wie kann den Menschen die Angst genommen werden, Organspender zu werden?
Dreyer: Durch unabhängige Beratung und Information. Daher halte ich die derzeitige Debatte über das Thema für sinnvoll. Die Menschen werden dadurch für das Thema Organspende sensibilisiert.

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