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Jeder fünfte Polizist in der Region nur bedingt einsatzbereit

Jeder fünfte Polizist in der Region nur bedingt einsatzbereit

Die Beamten beim Polizeipräsidium Trier sind durchschnittlich mehr als 50 Jahre alt, und fast 20 Prozent von ihnen sind nur eingeschränkt dienstfähig. Insbesondere im Wechselschichtdienst führt dies zu personellen Engpässen, die offenbar nur mit Mühe überwunden werden können.

Trier. Dass Verbrecherbanden durch die ländliche Region Trier ziehen, in Wohnungen einbrechen, Bankautomaten knacken oder wie in Großlittgen die Dreistigkeit besitzen, eine ganze Bankfiliale in die Luft zu sprengen, ist für Hans Jörg Krames aus Wittlich kein Zufall. Der 52-jährige Polizeibeamte ist überzeugt, "dass die Zunahme der Kriminalität mit dem massiven Personalmangel bei der rheinland-pfälzischen Polizei zusammenhängt". "Die wissen, dass die Polizei nicht direkt vor Ort ist", sagt Krames, der seit 34 Jahren Polizist ist und betont, es sei noch nie so schlimm gewesen wie jetzt.

"Die Ansicht, dass es zwischen dem Personalstand und Einbrüchen wie jenem in Großlittgen einen direkten Zusammenhang gibt, teilen wir nicht", sagt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Trier - räumt jedoch ein, dass die Personalsituation im Wechselschichtdienst "punktuell angespannt" sei. Man sei bemüht, dies durch "interne Maßnahmen sowie durch Rotationskräfte der Bereitschaftspolizei" zu kompensieren. Ohne die Springer und die "vielen familienfeindlichen Zusatzdienste" ginge es laut Krames auch gar nicht. Und auch nicht ohne Überstunden: Die Antworten auf eine große Anfrage der Landes-CDU zeigen, dass das Polizeipräsidium Trier Ende 2012 fast 160 000 Überstunden vor sich herschob. Inzwischen dürften es noch mehr sein.

Ein Grund für all das scheint auch die hohe Zahl der nur eingeschränkt dienstfähigen Polizisten zu sein: Von den 1104 Beamten, die für das Polizeipräsidium Trier arbeiten, sind 207 nicht voll einsetzbar. So müssen gesunde Kollegen zum Beispiel die Nachtschichten übernehmen. "Das zieht immer stärkere gesundheitliche, familiäre und soziale Belastungen nach sich", sagt Josef Schumacher, Sprecher der Polizeigewerkschaft, - und weitere Fälle eingeschränkter Dienstfähigkeit

Als Ursache dafür, dass so viele Polizisten Probleme haben, gilt auch der hohe Altersdurchschnitt: Der liegt mit 50,8 Jahren im Bereich des Polizeipräsidiums Trier so hoch wie nirgendwo sonst in Rheinland-Pfalz.

Die Gewerkschaft beklagt, dass die Zahl der rheinland-pfälzischen Polizisten bis 2016 auf 9014 gesenkt werden soll. 2011, als dies mit dem Koalitionsvertrag beschlossen wurde, gab es noch 9360 Polizisten.Mehr zum Thema

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