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Jeder vierte Corona-Tote in Rheinland-Pfalz ist Heimbewohner

Rheinland-Pfalz : Besonders viele Corona-Tote in Heimen

Rund ein Viertel aller Todesfälle im Land betreffen Senioreneinrichtungen. Wie die Politik handelte.

Jeder vierte Corona-Tote in Rheinland-Pfalz kam aus einem Altenheim. Seit Beginn der Pandemie starben im Land bis kurz vor Weihnachten 1137 Menschen, die nachweislich mit dem Coronavirus infiziert waren. Etwas mehr als 25 Prozent dieser Fälle lassen sich auf Pflegeeinrichtungen zurückführen – und das, obwohl nur ein Prozent der Rheinland-Pfälzer in solchen Einrichtungen lebt. Allerdings: Die Maßnahmen der Landesregierung seit Beginn der zweiten Welle könnten greifen – das legt eine Statistik nahe.

Der Schutz von Alten- und Pflegeeinrichtungen spielt seit Beginn der Pandemie eine große Rolle. Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) hatte in der ersten Welle vor allem auf Besuchsverbote und andere restriktive Auflagen für die Einrichtungen gesetzt. Zudem wurde zusätzliche Schutzkleidung geliefert. Im Oktober sollte die aufbrandende zweite Welle mit einer neuen Teststrategie bekämpft werden: Pro Bewohner sollen stationäre Heime im Monat 20 Tests erhalten, in ambulanten Pflegeeinrichtungen sollten es zehn Tests pro Patient sein. Damit können alle Bewohner einmal pro Woche getestet werden.

Zunächst warteten die Heime vergeblich auf die Tests, doch dann klappte die Versorgung immer besser. Inzwischen stehen sogar 30 Tests pro Patient und Monat zur Verfügung. Im Dezember wurden zudem die Besuchsregeln erneut verschärft. Seit dem 1. Dezember durften Heimbewohner nur noch einen Besucher pro Tag empfangen. Zwei Besucher aus demselben Haushalt sind ebenfalls zulässig, teilt das Gesundheitsministerium mit. Während des gesamten Aufenthalts in einem Pflegeheim müssen Besucher eine sogenannte FFP2-Maske tragen, die sie grundsätzlich selbst in die Einrichtung mitbringen müssen.

Kurz vor Weihnachten rief Bätzing-Lichtenthäler eine Kriseneinheit ins Leben. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) kündigte zudem eine Testpflicht für Besucher an.

Doch wie wirkungsvoll waren die Maßnahmen? Im Zeitraum zwischen dem Beginn der Pandemie Anfang des Jahres und dem 1. Oktober starben 265 Menschen im Land an oder mit Corona. Die Zahl in Alters- und Pflegeheimen: 92 Tote. Das entspricht 34 Prozent aller Corona-Toten. Zum Vergleich: Im Land leben etwas mehr als vier Millionen Menschen, rund 644 000 von ihnen sind älter als 70 Jahre. Das entspricht 16 Prozent aller Rheinland-Pfälzer. Dass die Heimbewohner bei den Toten überrepräsentiert sind, ist nicht verwunderlich: Wer stationär oder teilstationär gepflegt wird, ist schließlich nahezu immer gesundheitlich beeinträchtigt.

Offenbar griffen aber die Schutzmaßnahmen, die Bätzing-Lichten­thäler zu Beginn der zweiten Welle einführte, besser als die Ideen aus dem Frühjahr und dem Sommer. Der Anteil der Corona-Toten, die zuvor in Altenheimen gelebt haben sank in der Zeit von Oktober bis zum 22. Dezember im Vergleich mit den Monaten zuvor von eben jenen 34 Prozent auf 22 Prozent. Im Mittelwert ergeben sich so die 25 Prozent. Im Vergleich zum Nachbarbundesland Hessen schützt das Land seine älteren Menschen damit vergleichsweise gut. In Hessen lag der Anteil der Heimbewohner an der Gesamtzahl der Corona-Toten während der ersten Corona-Welle laut dem zuständigen Regierungspräsidium Gießen bei 40 Prozent – und damit höher als in Rheinland-Pfalz. Im November, als die Werte links des Rheins gedrückt wurden, explodierten sie in Hessen: Zwei von drei Corona-Toten steckten sich in Heimen an (63 Prozent).

Deutschlandweit war in der ersten Welle laut der Universität Bremen jeder zweite Mensch, der im Zusammenhang mit Corona starb, ein Heimbewohner.

Die Forscher weisen aber darauf hin, dass die Zahlen die Werte nicht exakt wiedergeben: Die Statistik zählt die Toten gemäß des Infektionsschutzgesetzes, das auch andere Gemeinschaftseinrichtungen wie Obdachlosenunterkünfte, Justizvollzugsanstalten oder Flüchtlingseinrichtungen unter diesem Paragrafen zusammenzählt.Angesichts deren Altersstruktur sind die dortigen Zahlen aber zu vernachlässigen.