Jetzt auch in Trier: Bei Ärger drohen Elektroschocks

Jetzt auch in Trier: Bei Ärger drohen Elektroschocks

Die Trierer Polizei setzt Strompistolen ein. Innenminister Lewentz hofft auf ein Mittel, das Verletzungen bei Unruhestiftern und Beamten eindämmt. Doch Menschenrechtler warnen.

Erst vor wenigen Wochen erlebten Polizisten in Trier eine böse Überraschung, als sie den handgreiflichen Streit eines Paares schlichten wollten. Bei einem erzürnten Mann zeigte Pfefferspray keine Wirkung, der Diensthund biss den Gewalttäter daraufhin, was ihn noch mehr in Rage brachte. Der Mann würgte das Tier und griff einen Polizisten an, der zum Schlagstock griff. Die Bilanz des traurigen Abends: Mehrere Polizisten trugen leichte Blessuren davon, der Bewohner des Hauses hatte Bisswunden an Armen, Schultern und Rücken. Ralf Krämer, Chef der Polizeiinspektion, sagt: "Es war kein erfolgreicher Einsatz, wir konnten aber auch nicht anders reagieren." Mehr zum Thema

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Nun haben die Trierer Polizisten ein neues Mittel an der Hand, das sie gegen gewalttätige Unruhestifter einsetzen können: eine Elektroschockpistole, den sogenannten Taser. Polizisten können mit dem Gerät einen Schuss von 50.000 Volt abgeben, was die Muskulatur der Angreifer für fünf Sekunden lähmt und sie außer Gefecht setzt. Das Land startet von nun an bei der Polizeiinspektion Trier ein einjähriges Pilotprojekt und stattet jeden der zehn Streifenwagen mit einem Taser aus. 41.000 Euro kostet die gesamte Ausrüstung. Innenminister Roger Lewentz (SPD) hofft auf einen größeren Schutz für Unruhestifter und Beamte, die in manchen Fällen möglicherweise seltener den Schlagstock oder gar die Waffe einsetzen müssten. "Im Extremfall kann der Tod eines Menschen verhindert werden", sagt Lewentz.

Den Taser-Einsatz will er aber auch als Zeichen an die Polizisten verstanden wissen. 2163 Angriffe gab es im Jahr 2015 auf Beamte, "häufig mit massiven körperlichen und psychischen Folgen." Ralf Krämer sieht die Strompistolen als Chance, aggressive, körperlich überlegene Angreifer zu bändigen. Grenzen sieht er aber auch gesteckt: Der Taser werde bei "akuter Lebensgefahr" nicht die Schusswaffe ersetzen und sei für Massenveranstaltungen nicht gedacht. 84 Beamte wurden in Trier im Umgang mit den Elektroschockpistolen bereits geschult. Einsetzen durften die Waffen bislang nur Spezialkräfte oder Streifen in Berlin.

Der CDU-Opposition im Landtag reicht das Konzept nicht aus. Matthias Lammert, innenpolitischer Sprecher, fordert einen Einsatz in allen Polizeipräsidien des Landes. Mathias John von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International warnt indes vor gesundheitlichen Folgen. "Der Einsatz der Taser kann zu Todesfällen führen."

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