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Jetzt wackelt am Hahn der Stuhl von Flughafenchef Heinz Rethage

Jetzt wackelt am Hahn der Stuhl von Flughafenchef Heinz Rethage

In der Debatte um den krisengeplagten Flughafen Hahn gerät dessen Geschäftsführer Heinz Rethage unter Druck. Er soll den Aufsichtsrat in einer brisanten Angelegenheit bewusst falsch informiert haben. CDU und FDP in Rheinland-Pfalz verlangen nun seine Ablösung.

Flughafenchef Heinz Rethage ist im Februar 2013 von der Landesregierung mit dem Auftrag installiert worden, den Hunsrück-Airport zu sanieren. Doch in Regierungskreisen keimt der Verdacht, der 64-Jährige habe es mit dem Eifer übertrieben. Zumal der Betriebsrat gegen Rethage Anzeige erstattet hat (der TV berichtete) und Vorwürfe gegen ihn laut werden.

Wie Aufsichtsratschef Salvatore Barbaro am Donnerstag im Innenausschuss des Landtags sagte, hat Rethage am 6. Dezember eine E-Mail erhalten, über die er das Kontrollgremium am 19.?Dezember nicht informierte. In der Mail wurden die Treuhänder benannt, die hinter der Firma SSD stecken, die mit der Passagierabfertigung am Hahn hohe Gewinne macht.

Wegen der Geschäftsverbidung ermittelt die Staatsanwaltschaft Koblenz gegen Ex-Hahn-Chef Jörg Schumacher und Ex-Prokurist Stefan Maxeiner - Verdacht der Untreue. Die Ermittler versuchen zu klären, an welche Treuhänder der SSD die Gewinne abfließen. Rethage aber soll die Information, dass die Treuhänder nicht Schumacher oder Maxeiner heißen, dem Aufsichtsrat verschwiegen und den Verdacht auf beide gelenkt haben. Laut Aufsichtsratschef Barbaro hat Rethage dazu erklärt, die Mail nicht geöffnet zu haben.

CDU-Fraktionsvize Alexander Licht: "Rethage ist nicht mehr tragbar." FDP-Landeschef Volker Wissing sagt: "Wenn Führungskräfte vor Ort bewiesen haben, dass sie nicht in der Lage sind, Probleme zu lösen, müssen sie ausgetauscht werden." Innenstaatssekretär Günther Kern (SPD) verspricht: "Wir werden uns mit dem Thema beschäftigen." Aufsichtsratschef Barbaro will abwarten, was die Wirtschaftsprüfer von Dornbach und Partner und die Staatsanwaltschaft herausfinden.

Derweil trifft den Flughafen diese Nachricht: Hauptkunde Ryanair, der am Hahn zuletzt zahlreiche Strecken gestrichen hat, fliegt ab Oktober ab Köln-Bonn. Während der Billigflieger seine Flotte im Hunsrück von neun auf sechs Flugzeuge verkleinert hat, soll im Ruhrgebiet künftig ein Flugzeug stationiert sein.

Von hier starten dann wöchentlich 68 Flüge in acht europäische Städte. Der Billigflieger rechnet dadurch nach eigenen Angaben mit 700 000 zusätzlichen Passagieren im Jahr. Zudem, so Ryanair-Vertreter, würden durch die Ausweitung des Streckennetzes 700 neue Arbeitsplätze am Flughafen sowie in der Region Köln-Bonn geschaffen.

Der ramponierte Flughafen-Sanierer