Kammer: Wildschäden weiter gravierendes Problem

Kammer: Wildschäden weiter gravierendes Problem

Die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz spricht in Bezug auf Wildschäden in der Landwirtschaft von einem Missverständnis mit Ministerin Ulrike Höfken, die einen Rückgang berichtet hatte. Das Ausmaß der Schäden sei in Zahl und Höhe unverändert hoch.

Mainz. Empörte Bauen beklagen sich dieser Tage bei der Landwirtschaftskammer. Grund: Ministerin Ulrike Höfken hatte im Umweltausschuss des Landtags berichtet, die Wildschäden in der Landwirtschaft hätten abgenommen, und dabei auf Auskünfte von der Kammer verwiesen. Die sagt jetzt: Alles ein Missverständnis. Das Ministerium habe sich bei Kammer-Justiziar Holger Konrad nur nach drastischen Fällen mit Millionenschäden oder juristischer Brisanz erkundigt.
Die Kammer sieht "ein anhaltend großes Problem" durch Aufbruch- und Fraßschäden von Schwarz- und Rotwild in Getreidefeldern. Die Fälle würden zwar nicht statistisch erfasst, doch regelmäßig würden von Bauern Schäden in Raps- und vor allem in Maisflächen gemeldet.
Die Kammer betrachtet die Situation "insgesamt als dramatisch bis katastrophal". Präsident Norbert Schindler habe schon mehrfach auf die Brisanz hingewiesen und eine konsequente Begrenzung des Rot- und Schwarzwildbestandes durch intensive Bejagung angemahnt. Eine Entspannung sieht die Kammer lediglich bei der Schadensregelung. Meist komme es zu gütlichen Einigungen zwischen Landwirten und Jagdpächtern.
Bucheckern und Eicheln


Der Eifeler CDU-Abgeordnete Michael Billen, selbst Bauer und Jäger, widerspricht der Kammer und hält an seiner Position fest, die er im Umweltausschuss vertreten hatte: Es gebe zwar noch Probleme durch Wildschäden, diese seien aber nicht so gravierend wie im Vorjahr.
Billen nennt dafür folgende Begründung: "Wildschäden sind abhängig von der Buchecker- und Eichelmast der Bäume." Im vergangenen Jahr habe es keine solche Mast gegeben, weshalb Rot- und Schwarzwild Futter auf den Feldern gesucht hätten. Begünstigt durch den Klimawandel gebe es aber dieses Jahr wieder eine Buchecker- und Eichenmast, so dass zum Beispiel Wildschweine mehr zu fressen im Wald fänden.
Landwirtschaftsministerin Ulrike Höfken "bedauert, dass es zu einem Missverständnis mit der Kammer gekommen ist". Im Vergleich zum Vorjahr sei die Lage etwas besser, weil das Schwarzwild viel Futter im Wald finde. "Klar ist aber auch, dass wir noch erhebliche Probleme bekommen werden", sagt die Grüne.