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Europawahl
Ein Arbeitstier will nach Brüssel

 Will für die Freien Wähler ins EU-Parlament einziehen: Stephan Wefelscheid.
Will für die Freien Wähler ins EU-Parlament einziehen: Stephan Wefelscheid. FOTO: TV / Bernd Wientjes
Trier. Kandidaten im Porträt: Stephan Wefelscheid tritt für die FW zur Europawahl an. Von Bernd Wientjes

Wer Stephan Wefelscheid zuhört, könnte meinen, der 40-Jährige sei Mitglied der CSU. Wenn er etwa scharf die Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin kritisiert und fordert, dass illegale Migration an den EU-Außengrenzen gestoppt werden und Flüchtlinge in Zentren „auf afrikanischem Boden“ Asyl beantragen müssten. „Da bin ich bei Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz“, sagt Wefelscheid und fügt hinzu: „Ein toller Kanzler.“   Wefelscheid ist seit zehn Jahren bei den Freien Wählern. Es passt zu dem quirligen Politiker, dass er mit 18 in die CSU eintreten wollte – und das beim damaligen Vorsitzenden der bayrischen CDU-Schwester, Edmund Stoiber, per Brief mitgeteilt hat. Dieser habe ihm zurückgeschrieben, dass er als Rheinland-Pfälzer nicht Mitglied der CSU werden könne. Was Wefelscheid heute noch schade findet.

Mittlerweile hat der selbstständige Rechtsanwalt aus Koblenz in der FW seine Heimat gefunden, sitzt seit zehn Jahren für sie im Koblenzer Stadtrat. Doch nun will er den Sprung nach Brüssel wagen. Wefelscheid tritt bei den Freien Wählern für die Europawahl an, steht auf dem aussichtsreichen Platz drei der bundesweiten Liste. Das sei nicht einfach gewesen, sagt Wefelscheid, schließlich hätten die in Bayern mitregierenden Freien Anspruch auf den Platz erhoben. Doch er habe die Delegierten überzeugt. Und nun bereitet er sich vor, ab dem  26. Mai Berufspolitiker zu werden.

Derzeit stehen die Freien Wähler bei Umfragen für die Europawahl bei drei Prozent. Das würde reichen, um mit den drei Listenkandidaten ins Europaparlament zu kommen. „Ich bin ein Arbeitstier. Ich brenne für die Politik“, sagt der gebürtige Koblenzer Wefelscheid. Er freue sich auf die Herausforderung. „Die Musik spielt in Brüssel.“ Dass es mit dem Sprung dorthin nicht klappen könnte, das hat der 40-Jährige nicht auf dem Schirm.

Er weiß auch schon, was seine Themen sein werden. Europa brauche eine eigene Armee („Ich habe gedient.“) und zwar eine Armee, die unter der Aufsicht des EU-Parlaments steht.

Ein erster Schritt wäre in seinen Augen, die Bundeswehr und die Armeen der Benelux-Staaten unter ein Kommando zu stellen. Auch Rüstungsfragen sollen laut Wefelscheids Vorstellung künftig europaweit beraten werden. Eine weitere Forderung: Die europäische Agentur für die Grenz- und Küstenwache (Frontex) müsse sofort personell deutlich aufgestockt werden, sie brauche auch ein politisches Mandat, um etwa schon in Marokko, Tunesien oder Libyen aktiv werden zu können und zu verhindern, dass Flüchtlinge übers Mittelmeer nach Europa kommen. „Flüchtlingsströme wie 2015 darf es nicht mehr geben.“

Dass er mit solchen Forderungen vielleicht auf Kritik stoßen wird – in seiner Partei und auch in der Allianz der Liberalen und Demokraten (Alde), zu der die Freien Wähler im EU-Parlament gehören werden –, weiß Wefelscheid. Den Liberalen fühlt er sich dabei am wenigsten verbunden.

FOTO: TV / Lambrecht, Jana

Er will auch seine Erfahrungen als Anwalt ins Parlament einbringen. Länderübergreifende Rechtsstreitigkeiten innerhalb der EU müssten einfacher werden. Die Rechtssysteme im Zivilrecht müssten angepasst werden, fordert er. Und er kündigt an, Druck auf Länder wie Luxemburg und Irland zu machen: Solche Steueroasen dürfe es nicht geben. Konzernen wie Amazon, die auf Steuersparmodelle in solchen EU-Staaten setzten, will er in die Schranken weisen.

Keine Frage, der gewiefte Politiker, der auch weiterhin in der Kommunalpolitik in seiner Heimatstadt aktiv bleiben will, strotzt vor Selbstbewusstsein und Energie. Und er macht deutlich, dass Brüssel für ihn und die rheinland-pfälzische FW nur eine Durchgangsstation ist: Ziel sei es, in den Landtag zu kommen und – wie in Bayern – mitzuregieren.

Am 26. Mai sind die Europawahlen. Wer geht für welche Partei oder Wählergruppierung an den Start? Der TV stellt die regionalen Kandidaten in loser Abfolge vor.