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Kassenärzte wollen Patienten abschrecken

Kassenärzte wollen Patienten abschrecken

Die Ärzte in Rheinland-Pfalz fordern, dass die Patienten ihre Behandlungen künftig selbst bezahlen. Das Gesundheitsministerium in Mainz lehnt den Vorschlag aber ab.

Trier. 18 Mal geht ein Deutscher im Schnitt pro Jahr zum Arzt - mehr als noch vor Einführung der Praxisgebühr im Jahr 2004. Offenbar schrecken die zehn Euro pro Quartal die Patienten nicht ab, öfter zum Arzt zu gehen. Viele Arztbesuche seien nicht unbedingt notwendig und raubten den Medizinern nur Zeit, sagen Ärztevertreter. Das führe zu einer Art Fließband-Abfertigung in den Praxen, Behandlungen fänden im Minutentakt statt, Ärzte hätten kaum noch Zeit für ihre Patienten.

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz, Günter Gerhardt, will das ändern. Und zwar dadurch, dass die Patienten noch mehr zur Kasse gebeten werden sollen. Wenn diese sich schon nicht durch die zehn Euro Praxisgebühr und Zuzahlungen zu Medikamenten abschrecken ließen, dann seien sie sicherlich auch bereit, einen Teil der Behandlungskosten selbst zu bezahlen, sagt Gerhardt. Zehn Prozent soll nach den Vorstellungen des KV-Chefs die Eigenbeteiligung der gesetzlich Versicherten betragen.

Bereits Anfang des Jahres hatte Gerhardt im TV angekündigt, für das Kostenerstattungsprinzip bei der Politik werben zu wollen. Mittlerweile habe er es auch Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) vorgestellt, sagt Gerhardt. Nun sollen die Patienten über das System aufgeklärt und ihnen die Angst genommen werden.

Die Ärzte hätten klar benennbare Vorteile durch das Kostenerstattungsprinzip. Sie würden von dem von Gerhardt propagierten Umbau des Honorarsystems profitieren. Denn dann dürften die Mediziner auch bei den Kassenpatienten nach der Gebührenordnung für Privatpatienten abrechnen und daher für eine Behandlung mehr Geld als bisher verlangen. Das, so Gerhardt, führe zu "mehr Zufriedenheit" bei den Ärzten.

Allerdings müssten diese für jede Behandlung dem Patienten eine Rechnung schreiben, die dieser dann entweder selbst bezahlt oder bei seiner Krankenkasse einreicht. Die Kasse würde allerdings nur so viel bezahlen wie für gesetzlich Versicherte üblich, den Rest müsste der Patient dann aus eigener Tasche bezahlen. Dadurch, so Gerhardt, würde sich die Zahl der Arztbesuche drastisch reduzieren, die Ärzte hätten wieder mehr Zeit für die Patienten und würden mehr Geld einnehmen. "Die Kostenerstattung führt zu mehr Honorargerechtigkeit bei den Ärzten", sagt Gerhardt.

In einer Umfrage der KV unter ihren 7000 Mitgliedern haben sich von 3134 Teilnehmern 2451 für die Kostenerstattung ausgesprochen.

Hintergrund des Vorschlags könnte auch sein, dass Gerhardt im Herbst erneut als KV-Vorsitzender gewählt werden will und damit nun in den Wahlkampf einsteigt. Unterstützt wird er vom Ärzteverband Hartmannbund. Dessen Vorsitzender Kuno Winno bezeichnet die Kostenerstattung als "eine intelligente Zuzahlungsregelung und einen geeigneten Anreiz für kosten- und gesundheitsbewusstes Verhalten".

Dass Rheinland-Pfalz aber tatsächlich, wie von Gerhardt vorgeschlagen, Testregion für den Umbau des Gesundheitswesens wird, ist unwahrscheinlich. Im Mainzer Gesundheitsministerium erteilt man dem Vorschlag eine Absage. "Die Patienten tragen das Risiko und bleiben womöglich auf ihren Kosten sitzen", sagt Ministeriumssprecherin Beate Fasbender. Zwar müsse das Honorarsystem der Ärzte reformiert werden, aber nicht zulasten der gesetzlich Versicherten.