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Katholische Kirche lässt Missbrauch erforschen

Katholische Kirche lässt Missbrauch erforschen

Wie konnte es zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche kommen? Welche Motive hatten die Täter? Wie ist die Kirche damit umgegangen? Zwei wissenschaftliche Forschungsprojekte sollen Antworten finden. Dazu gewähren die Bischöfe dem Kriminologischem Forschungsinstitut Niedersachsen Zugriff auf Personalakten in allen 27 Diözesen.

In den kommenden drei Jahren werden Fälle sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche untersucht. Nach Informationen unserer Zeitung werden das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) um dessen Leiter Christian Pfeiffer (67) und das Institut für Forensische Psychiatrie der Universität Duisburg-Essen die Arbeit im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz übernehmen.

Pfeiffer sagte der Hessischen Niedersächsischen Allgemeinen: "Das Zölibat ist nicht die Ursache für sexuellen Missbrauch." Er warnte vor Pauschalverurteilungen der Institution Kirche. Sie trage aber "Mitverantwortung an sexuellem Missbrauch, wenn sie Täter nur versetzt hat und die sich später erneut an Kindern vergangen haben".

Was genau passiert ist, sollen der KFN-Chef und sein Team jetzt untersuchen. Die Bischöfe würden dem KFN in allen 27 Diözesen Zugriff auf sämtliche Personalakten der vergangenen zehn Jahre gewähren, schreibt das Magazin Spiegel. Zusätzlich werde in neun der 27 Bistümer bis ins Jahr 1945 zurück untersucht.

Einen einstimmigen Beschluss dazu fasste die Deutsche Bischofskonferenz am 20. Juni. Mitarbeiter der Kirche sollen
nun unter Aufsicht eines KFNTeams, bestehend aus pensionierten Staatsanwälten und Richtern, die Akten auf Hinweise zu sexuellen Übergriffen durchforsten.

In einem zweiten Schritt soll das KFN-Team die Verdachtsakten auswerten. Vorgesehen ist demnach auch, allen noch
erreichbaren Opfern einen Fragebogen auszuhändigen, in dem sie Angaben zu dem jeweiligen Vorfall machen können. Auch Interviews mit Tätern sind geplant.

Mit Hilfe der Forscher wollen die Bischöfe auch Erkenntnisse darüber gewinnen, wie neue Missbrauchsfälle zu verhindern sind. Außerdem werde eine Psychiatergruppe um den Gerichtsgutachter Norbert Leygraf 50 Fälle
auswerten, in denen Priester und Ordensleute unter dem Verdacht des sexuellen Missbrauchs vor Gericht standen und psychiatrisch untersucht wurden. Der Missbrauchsbeauftragte der katholischen Kirche, Triers Bischof
Stephan Ackermann, stellt heute in Bonn Details vor. kat