Kaufpreis für das Schlosshotel laut Rechnungshof völlig überteuert

Kaufpreis für das Schlosshotel laut Rechnungshof völlig überteuert

Der Jahresbericht des Rechnungshofs wird erst morgen veröffentlicht. Doch das Papier sorgt bereits im Vorfeld für Wirbel. Denn die Finanzkontrolleure aus Speyer haben wie erwartet das umstrittene Schlosshotel in Bad Bergzabern aufgegriffen.

Bad Bergzabern/Speyer. Den Stadtvätern von Bad Bergzabern wird offenbar vorgeworfen, dass sie den historischen Komplex des Schlosshotels 2009 viel zu teuer gekauft haben. Das jedenfalls erklärt Stadtbürgermeister Harald Bratz (CDU) im Gespräch mit der Koblenzer Rhein-Zeitung. "Laut Rechnungshof hätten wir das Gebäude niedriger bewerten müssen", erläutert der Christdemokrat. "Diese Kritik teilen wir so nicht."

Hintergrund: Das Schlosshotel im Wahlkreis von Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) sorgte wochenlang für Streit, weil die Sanierung ohne die nötige baufachliche Prüfung zu 90 Prozent vom Land bezuschusst wird. Zudem gingen die Kosten innerhalb weniger Jahre sprunghaft in die Höhe. Von ursprünglich 3,7 Millionen Euro stiegen sie auf nunmehr 6,2 Millionen Euro, so Stadtbürgermeister Bratz. Zwischenzeitlich war sogar von 8,4 Millionen die Rede gewesen.

Die rheinland-pfälzische CDU wirft der SPD-Landesregierung vor, das Projekt gegen jeden wirtschaftlichen Sachverstand durchgedrückt zu haben.

Kaufvertrag gerät massiv unter Beschuss



Und das nur, um Ministerpräsident Kurt Beck zu einem Renommierobjekt in seinem pfälzischen Wahlkreis zu verhelfen. Die SPD und auch Beck selbst haben diesen Verdacht mehrfach als diffamierend zurückgewiesen. Ihrer Überzeugung nach musste das marode, denkmalgeschützte Ensemble vor dem Verfall gerettet werden, um Bad Bergzabern eine wirtschaftliche Perspektive zu ermöglichen. Eine Sicht, die vor Ort auf breite Zustimmung stößt.

Daher kommt dem Bericht des Landesrechnungshofs besondere Brisanz zu. Aus Bad Bergzabern ist zu erfahren, dass massive Kritik am Kaufvertrag der Stadt mit dem Wormser Unternehmer Christian Gutland geübt wird. Die Gutland-Firma, über die das Schlosshotel-Projekt abgewickelt wurde, geriet 2009 in einen finanziellen Engpass - vermutlich aufgrund der Kostenexplosion. Daraufhin kam es zu einem viel kritisierten Modellwechsel im Herbst 2009. Gutland wurde vom (risikoreichen) Besitzer zum (risikofreien) Pächter. Dafür kaufte die Stadt das Anwesen für 572 000 Euro und finanzierte auch noch mit rund 450 000 Euro das Interieur des Nobel-Restaurants.

CDU-Mann Bratz glaubt an ein gutes Ende für das Vier-Sterne-Plus-Hotel: "98 Prozent der Kosten sind abgerechnet. Der Anteil der Stadt liegt bei akzeptablen 620 000 Euro." Der Stadtbürgermeister geht davon aus, dass alle 21 Zimmer und die Markthalle Ende Januar fertig sind. Bratz: "Die Auslastung ist klasse."

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